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14.03.2013

12:24 Uhr

Billiges Geld

EZB: Politik soll niedrige Zinsen für Reformen nutzen

Die EZB lässt ihre Geldschleusen weit geöffnet. Die Notenbank stützt die Konjunktur weiter mit Zinsen auf Rekordtief und billigem Geld. Gleichzeitig fordert sie die Politik auf, ihren Reformkurs beizubehalten.

Die EZB belässt den Leitzins auf dem Redkordtief. dpa

Die EZB belässt den Leitzins auf dem Redkordtief.

Frankfurt/MainEuropas Währungshüter mahnen die Politik zur Einhaltung des Reformkurses. Zwar rechnet die Europäische Zentralbank (EZB) im Laufe dieses Jahres mit einer allmählichen Konjunkturerholung in der von der Schuldenkrise gebeutelten Eurozone. In ihrem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht betont die Notenbank jedoch: „Um das Vertrauen zu festigen, kommt es entscheidend darauf an, dass die Regierungen die Umsetzung von Strukturreformen fortführen, auf den bei der Haushaltskonsolidierung erzielten Fortschritten aufbauen und die Restrukturierungen im Finanzsektor fortsetzen.“

Ihre Geldschleusen lässt die EZB zunächst weit geöffnet. Die „akkommodierende Ausrichtung des geldpolitischen Kurses mit vollständiger Liquiditätszuteilung wird beibehalten“ - heißt: Die Notenbank stützt die Konjunktur weiter mit Zinsen auf Rekordtief und extrem billigem Geld für Geschäftsbanken. Den Leitzins halten die Währungshüter seit Juli 2012 auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent.

Die Kursentwicklung des Euro seit Einführung

1. Januar 1999

1. Januar 1999: Der Euro wird von den elf Gründerländern der Europäischen Währungsunion (EWU) aus der Taufe gehoben. Der Umrechnungskurs zur D-Mark beträgt 1,95583 DM je Euro.
Am 4. Januar startet der Handel in Sydney - der ersten großen Börse, die nach dem Datumswechsel öffnet - mit 1,1747 Dollar.

Dezember 1999

Der Euro fällt erstmals auf 1,00 Dollar.

Frühherbst 2000

Bei Kursen unter 0,85 Dollar wächst die Befürchtung, der schwache Euro könnte die Weltwirtschaft destabilisieren. Mit Unterstützung der Zentralbanken Japans und der USA greift die EZB der jungen Währung unter die Arme. Doch die Interventionen verpuffen rasch: Am26. Oktober ist ein Euro noch 0,8225 Dollar wert. Eine weitere Interventionsrunde im November hievt ihn wieder auf 0,86 Dollar.

Januar 2002

Die reibungslose Einführung des Euro-Bargelds honorieren die Finanzmärkte mit Euro-Käufen. Im Juli erreicht der Euro wieder die Ein-Dollar-Marke.

März 2003

Der Beginn des Irakkrieges geht zu Lasten des Dollar. Der Euro erreicht wieder sein Einführungsniveau.

September 2003

Finanzminister und Notenbanker der sieben führenden Industrieländer (G7) fordern flexiblere Wechselkurse, was an den Märkten als Signal für den Wunsch nach einem schwächeren Dollar interpretiert wird. Am 28. November 2003 steigt der Euro erstmals über 1,20 Dollar.

September 2007

Nach einer deutlichen US-Zinssenkung im Zuge der Subprime-Krise steigt der Euro über 1,40 Dollar.

Juli 2008

Der Euro erreicht mit 1,6038 Dollar ein Rekordhoch. Nur wenige Tage zuvor - am 11. Juli - hatte übrigens auch der Ölpreis mit 147,50 Dollar je Fass sein Allzeithoch erreicht.

Oktober 2008

Im Sog der Lehman-Pleite ziehen US-Investoren ihre Euro-Gelder ab und drücken ihn bis zum 28. Oktober auf 1,2328 Dollar ,den niedrigsten Stand seit April 2006.

Oktober 2009

Mit den Aktienmärkten steigt zwar auch der Euro - erstmals seit einem Jahr klettert er am 21. Oktober über 1,50 Dollar. Doch das Comeback ist von kurzer Dauer: Griechenland schockiert die Märkte mit der Ankündigung eines etwa doppelt so hohen Haushaltsdefizits wie bislang gedacht.

Dezember 2009, Januar 2010

Mit ersten Herabstufungen Griechenlands durch die Ratingagenturen Fitch, Standard & Poor's sowie Moody's beginnt der Euro seine Talfahrt.

Frühjahr und Sommer 2011

EZB-Chef Jean-Claude Trichet signalisiert am 3. März überraschend für April eine Zinserhöhung. Im Juli folgt sogar eine zweite Zinsanhebung. Am 4. Mai notiert der Euro zeitweise über 1,49 Dollar. Spekulationen über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone bremsen die Gemeinschaftswährung aber für den Rest des Sommers aus. Sie pendelt meist in einer Spanne von etwa 1,40 bis 1,45 Dollar.

Ende Februar 2012

Eine zweite EZB-Geldspritze lässt den Euro wieder steigen. Er schafft es fast bis auf 1,35 Dollar. Banken können sich bei der EZB für drei Jahre zum historisch niedrigen Leitzins von einem Prozent Geld leihen. Zusammen mit der ersten derartigen Aktion vom Dezember greifen die europäischen Banken rund eine Billion Euro ab.

Juni 2012

Die Angst der Investoren vor einer Eskalation der Staatsschuldenkrise ist größer denn je und belastet den Euro. Vor allem Spanien ist wegen seines taumelnden Bankensektors angezählt. Im Juni fällt der Euro bis auf 1,21 Dollar.

Juli 2012

Vor Investoren in London kündigt EZB-Chef Draghi am 26. Juli an, die EZB werde „alles nötige tun, um den Euro zu erhalten.“ Der vorläufige Wendepunkt in der Euro-Krise. Sofort steigt der Euro deutlich. Innerhalb eines Tages von 1,2118 auf 1,2287 US-Dollar. Wenige Wochen später machte Draghi klar, was das bedeutet: Im Notfall kauft die EZB unbegrenzt Anleihen der Krisenländer. Der Euro startet einen neuen Höhenflug.

Februar bis März 2013

Die Erleichterungs-Rally geht weiter: Anfang Februar steigt der Euro bis auf 1,37 Dollar. Das Hoch hält allerdings nicht lange vor. Wegen Unsicherheiten in Italien und Zypern fällt die Gemeinschaftswährung und notiert aktuell bei knapp unter 1,30 Dollar.

September 2014

Die EZB überrascht die Märkte mit einem neuen Zinssenkungszyklus. Der Euro nimmt seine Talfahrt wieder auf. Signale von EZB-Chef Mario Draghi für weitere Geldspritzen drücken den Euro bis zum Jahresende auf rund 1,21 Dollar.

06. Januar 2015

Der Euro fällt auf 1,1853 Dollar und erreicht damit das Tief von Februar 2006. Zugleich nimmt die Talfahrt der Ölpreise weiter Fahrt auf. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligt sich um bis zu 1,7 Prozent auf 50,22 Dollar je Barrel (159 Liter).

In seiner letzten Sitzung hatte der EZB-Rat sogar über eine weitere Zinssenkung diskutiert, wie Notenbank-Präsident Mario Draghi vor einer Woche gesagt hatte. Derzeit spricht die konjunkturelle Entwicklung gegen einen solchen Schritt.
„Für das Jahr 2013 deuten die jüngsten Daten und Indikatoren darauf hin, dass die Wirtschaftstätigkeit in der ersten Jahreshälfte beginnen dürfte, sich zu stabilisieren“, bekräftigte die EZB in ihrem Monatsbericht. „Im zweiten Halbjahr sollte eine allmähliche Erholung einsetzen, da das Exportwachstum von einer Belebung der weltweiten Nachfrage profitiert und die Inlandsnachfrage durch den akkommodierenden geldpolitischen Kurs gestützt wird.“

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

14.03.2013, 15:52 Uhr

Wenn Ihre prognostischen Fähigkeiten in etwa den rechtschreiberischen entsprechen, dann ist Ihnen anzuraten, besser kein Geld entsprechend den eigenen Analysen anzulegen.

r-tiroch@t-online.de

14.03.2013, 18:31 Uhr

die Banken nutzen fleißig EZB-Geld mit 1% Zins zu nehmen, um es mit 3% anzulegen, damit sie erneut gerettet werden. da wird der Staat sich bald dazugesellen, oder?

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