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03.05.2012

19:17 Uhr

Bin Ladens letzte Jahre

Ein Topterrorist ohne Macht und Kontrolle

In seinen letzten Jahre war Bin Laden zunehmend isoliert und frustriert, belegen in seinem Anwesen gefundene Dokumente. Der Al-Kaida-Führer regte sich über Fehler von Verbündeten auf und dachte über neue Anschläge nach.

Osama bin Laden fiel es schwer, Al Kaida nicht mehr kontrollieren zu können. Das geht aus Dokumenten hervor, die nach seinem Tod in seinem Anwesen festgestellt wurden. dapd

Osama bin Laden fiel es schwer, Al Kaida nicht mehr kontrollieren zu können. Das geht aus Dokumenten hervor, die nach seinem Tod in seinem Anwesen festgestellt wurden.

Der am 2. Mai 2011 getötete Terroristenführer Osama bin Laden war in den letzten Jahren seines Lebens zunehmend frustriert über seine Machtlosigkeit. Das geht nach Angaben von Militärexperten aus Dokumenten hervor, die bei der Erstürmung des Bin-Laden-Anwesens in der pakistanischen Stadt Abbottabad vor einem Jahr sichergestellt worden waren. Demnach war Bin Laden alarmiert über „Fehler“ Verbündeter in Ländern wie dem Irak und Jemen und wütend darüber, dass er diese Gruppen nicht kontrollieren konnte.

Das Terrorismus-Zentrum der US-Militärakademie West Point machte am Donnerstag rund 175 der 6000 Seiten an Papieren auf seiner Webseite publik. Begleitet wurde die Veröffentlichung von Experten-Analysen. Demzufolge war Bin Laden erzürnt über „schlecht geplante Operationen“ der Verbündeten, die zum „unnötigen“ Tod tausender Muslime geführt hätten.

Der Al-Kaida-Chef habe sich gesorgt, dass das dem Ansehen seiner Organisation in der muslimischen Welt schaden könnte. Es habe ihn auch frustriert, dass sich die Gruppen nicht genügend darauf konzentriert hätten, die USA und deren westliche Partner anzugreifen.

Insgesamt geben die Dokumente Einblick in die Gedankenwelt eines zunehmend isolierten Mannes, wie Terrorismusexperte Peter Bergen dem Sender CNN sagte. Er hatte nach eigenen Angaben bereits vor der Veröffentlichung Zugang zu mehreren Dokumenten erhalten. Bergen zufolge war Bin Laden so stark über die Zukunft der Al-Kaida besorgt, dass er über eine Änderung des Namens der Organisation nachdachte. Er habe auch immer stärker amerikanische Drohnenangriffe auf terroristische Ziele in Pakistan gefürchtet.

Wie Bergen weiter sagte, zeigte Bin Laden auch zunehmend einen Hang dazu, sich um jede Kleinigkeit zu kümmern - ein Zeichen seines verzweifelten Versuches, die Kontrolle über die Al-Kaida zu behalten und weiter „bedeutend“ zu sein. So habe er in einem Fall Verbündeten in Nordafrika geraten, Bäume zu pflanzen, damit sie sich im Fall von Drohnen- und anderen Angriffen darunter verbergen könnten.

Von

dpa

Kommentare (1)

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gerhard

03.05.2012, 21:01 Uhr

Insgesamt geben die Dokumente Einblick in die Gedankenwelt eines zunehmend isolierten Mannes, wie Terrorismusexperte Peter Bergen dem Sender CNN sagte!(Zitat)

Na also – irgendwie hat die USA ein Supergespenst sich aufgebaut. Bin-Laden war kein Freund der USA aber der Supermann eben auch nicht. Wenn man Zeit hatte 6000 Seiten von Dokumenten mitzunehmen. Warum hat man diesen Mann an Ort und Stelle „hinrichten“ müssen. Diese Aktion war kurzsichtig durchdacht, denn die mündliche Vernehmung dieses Mannes hätte wahrscheinlich wichtige Auskünfte über die ganze Sache of Nine-Eleven bringen können. Die geradezu „nervöse“ Versenkung des Leichnams von Bin Laden hinterher war überhaupt nicht zu verstehen. Die ganze Sache war ein billiger Wild-West Film - und keine Klärung durch eine unabhängige Justiz war wahrscheinlich überhaupt nicht vorgesehen gewesen, könnte man da vermuten. An die Adresse Obama kann man da nur sagen: außer Spesen nichts gewesen - oder - neben der krampfhaften Beibehaltung von Guantánamo war dieses ein zweiter Kardinalfehler eines amerikanischen Präsidenten, der um seinen Hals immerhin einen Friedensnobelpreis zu tragen hat.

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