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02.05.2011

16:20 Uhr

Bin Ladens Tod

Islamisten trauern um ihren Anführer

Während die westliche Welt, allen voran die USA, in Jubelstürme ausbricht, ist die Islamistenszene geschockt vom Ende ihres Idols. Eines ist aber auch klar: Der Tod Osama bin Ladens wird den Terror nicht beenden.

Im pakistanischen Quetta demonstrieren Unterstützer einer islamistischen Partei gegen die Militäroperation, die zum Tod Osama bin Ladens führte. Quelle: dpa

Im pakistanischen Quetta demonstrieren Unterstützer einer islamistischen Partei gegen die Militäroperation, die zum Tod Osama bin Ladens führte.

IstanbulDe Nachricht vom Tod Osama bin Ladens hat die Islamistenszene geschockt. „Brüder hütet euch vor den Lügen der Ungläubigen, vielleicht ist es ja eine Falschmeldung“, hieß es am Montag in einem türkischen Forum militanter Islamisten. In einem arabischen Forum wurden die Mitglieder durch die Blume aufgefordert, sich nichts anmerken zu lassen, „und keine Nachrichten von Medien mehr zu veröffentlichen“.

„Ich bin traurig, dass dieser große Gotteskrieger getötet wurde“, erklärt Sam Ramdan (31), ein Geschäftsmann aus dem Jemen, wo die Familie Bin Laden ihre Wurzeln hat. Der Händler, der in seiner Heimat wegen seiner Bewunderung für den Terrorchef keine Repressalien zu befürchten hat, glaubt, „dass die Amerikaner das Al-Kaida-Phänomen immer übertrieben dargestellt haben“.

Das Leben von Osama bin Laden

Eine Chronik des Al-Kaida-Chefs

Al-Kaida-Chef Osama bin Laden ist in Pakistan von US-Spezialkräften getötet worden. Im Folgenden eine Chronik der wichtigsten Ereignisse aus dem Leben bin Ladens.

Früher Verlust des Vaters

Osama bin Mohammed bin Awad bin Laden wurde in Riad in Saudi-Arabien geboren als eines von mehr als 50 Kindern des millionenschweren Geschäftsmannes Mohammed bin Laden. Der genaue Geburtstag bin Ladens ist nicht klar. Bin Ladens Vater starb bei einem Flugzeugabsturz als bin Laden noch ein Kind war.

Erste Heirat mit syrischer Cousine

Im Alter von 17 Jahren erste Heirat mit einer syrischen Cousine. Er soll mindestens 23 Kinder haben von mindestens fünf Ehefrauen.

Bin Laden, der schüchterne Student

Studium von Management und Wirtschaft an der Universität in Dscheddah. Bin Laden galt als schüchtern und als durchschnittlicher Student.

Kampf gegen sowjetische Besatzer

Unter dem Eindruck des Einmarsches der Sowjetunion in Afghanistan Ende 1979 sympathisiert bin Laden ab 1984 mit arabischen Kämpfern, die sich freiwillig zum Kampf gegen sowjetische Truppen melden. Er unterstützt ihren Einzug in Peshawar, zieht später dorthin um und importiert Waffen. Er gründet seine eigene kleine Brigade freiwilliger Kämpfer.

Gründung von Al-Kaida

Al-Kaida wird als Hort für radikale Moslems gegründet. Die Anhänger eint der Hass auf die USA, Israel und alle muslimischen Regierungen, die als Verbündete der USA gelten.

Umzug gen Sudan

Bin Laden geht in den Sudan.

Der Ausstoß aus der Familie

Bin Ladens Familie verstößt ihren Sohn und schmeißt ihn als Anteilseigner am Bau-Firmenimperium hinaus.

Entzug der saudischen Staatsbürgerschaft

Saudi-Arabien entzieht bin Laden aus Verärgerung über dessen Propaganda gegen die Führung des Landes die Staatsbürgerschaft.

Rückkehr nach Afghanistan

Bin Laden zieht sich nach Afghanistan zurück. Den Sudan muss er auf Druck der US-Regierung verlassen. Im selben Jahr erlässt er eine Fatwa, ein islamisches Rechtsgutachten, nach der Mitarbeiter des US-Militärs getötet werden sollen. Ab Oktober 1996 folgen verschiedene Bombenanschläge, etwa in Saudi-Arabien oder auf US-Botschaften in Nairobi und Dar es Salaam, bei denen auch US-Bürger getötet werden. Die USA sehen bin Laden als Drahtzieher der Anschläge. US-Präsident Bill Clinton bezeichnet bin Laden als den größten Feind Amerikas. Die USA beginnen mit Luftangriffen auf vermutete Terroristen-Zentren im Sudan und in Afghanistan. Später folgt ein Al-Kaida-Angriff auf die USS Cole im Hafen von Aden im Jemen mit 17 toten US-Soldaten.

Der Anschlag

Die Al-Kaida-Angriffe mit gekaperten Flugzeugen auf das New Yorker World Trade Center sowie das Pentagon kosten fast 3000 Menschen das Leben. Bin Laden bekannte danach in einem Video, der Einsturz der Twin Towers habe die Erwartungen von Al-Kaida übertroffen.

Der meistgesuchte Terrorist

US-Präsident George W. Bush will bin Laden „tot oder lebendig“ fassen.

Der Afghanistan-Einsatz

Die USA beginnen mit Angriffen auf Afghanistan, das damals von den radikal-islamischen Taliban regiert wurde.

Lob für die Attentäter

Al-Dschasira überträgt die Stimme von bin Laden, der die Attentäter vom 11. September lobt als Männer, „die den Lauf der Geschichte verändert haben“.

Das Ende des Terrormeisters

Bin Laden wird in einer luxuriösen Wohnanlage in Abbottabad rund 60 Kilometer nördlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad von US-Spezialkräften getötet.

Der ägyptische Islamisten-Anwalt Montasser al-Sajat hätte Bin Laden zumindest ein anständiges Begräbnis gegönnt. Dass die Amerikaner seine Leiche im Meer versenkt hätten, zeuge von schlechtem Benehmen, sagt er dem arabischen TV-Sender Al-Dschasira, der seine Bekanntheit auch der Veröffentlichung von Al-Kaida-Videos verdankt.

„Für die Anhänger von Osama bin Laden ist dies ein großer Schock“, sagt ein Angehöriger der jemenitischen Sicherheitskräfte, dessen Einheit im Süden des Jemen gegen die lokalen Al-Kaida-Zellen kämpft. Er hofft genauso wie die Terrorfahnder im benachbarten Saudi-Arabien, dass Bin Ladens Tod zu einem entscheidenden Sieg im Kampf gegen den Terrorismus wird.

Kommentare (1)

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wolfi

02.05.2011, 16:58 Uhr

Bedenklich, wenn Menschen einen Massenmörder zum Idol ernennen. Nichts aus der Geschichte (Hitler, Stalin, usw.)gelernt?

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