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11.10.2011

17:09 Uhr

Bis Monatsende

Troika fordert von Athen weitere Reformschritte

VonGerd Höhler

ExklusivDie Experten von EU, IWF und EZB stellen dem Sparprogramm der griechischen Regierung ein gutes Zeugnis aus. Vor der endgültigen Freigabe der nächsten Kreditrate bauen sie jedoch weitere Hürden auf.

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AthenDer erste Eindruck ist positiv - aber tatsächlich muss Griechenland weiter um die Auszahlung der dringend benötigten Hilfsgelder bangen. Die Inspekteure der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben zwar ihre Prüfung am Dienstag abgeschlossen, wollen ihren Bericht aber erst Ende des Monats vorlegen. Die sogenannte Troika will nur dann endgültig grünes Licht für die Auszahlung der nächsten Kreditrate geben, wenn Athen bis Ende Oktober weitere Bedingungen erfüllt.

„Wir haben mit der Regierung vereinbart, dass sie in den nächsten Wochen einige zentrale Vorhaben umsetzen wird“, sagte Matthias Mors, EU-Delegationschef der Troika, in Athen dem Handelsblatt. Zu den Auflagen gehören neben der parlamentarischen Verabschiedung des Haushaltsentwurfs 2012 und der bereits vom Kabinett gebilligten neuen Sparmaßnahmen weitere Reformen des starren griechischen Tarifvertragsrechts, die zur Öffnung des Arbeitsmarktes beitragen sollen, und beschleunigte Privatisierungen.

„Wenn das geschehen ist, dann können wir empfehlen, die nächste Tranche auszuzahlen“, sagte Mors im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Entscheidung über die Freigabe der Gelder obliegt der Eurogruppe und dem IWF. „Wenn Griechenland die vereinbarten Maßnahmen umsetzt, könnte das Geld im Idealfall im November hier sein“, sagte Mors.

Damit wird es knapp für Griechenland. Finanzminister Evangelos Venizelos hatte erklärt, Griechenland habe nur noch bis Mitte November Geld, um Renten und Gehälter im Staatsdienst zu zahlen. Die ausstehende Kreditrate von acht Milliarden Euro, die aus dem 110-Milliarden-Rettungspaket kommt, das EU und IWF im Mai 2010 für Griechenland schnürten, sollte ursprünglich bereits im September ausgezahlt werden
„Konkrete, messbare Schritte“ erwartet die Troika jetzt bei den Privatisierungen. Die Regierung soll bis Ende Oktober „eine große Zahl von Vermögenswerten dem Privatisierungsfonds übertragen und Privatisierungsberater berufen“, sagte Mors. Wichtig sei, dass diese neu geschaffene Privatisierungsbehörde, eine Art griechische Treuhand, unabhängig von politischem Druck arbeiten könne, unterstrich die Troika in ihrer Erklärung.

Planspiel: Euro-Zone ohne Griechenland

Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands aus dem Euro?

Die konkreten ökonomischen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands sind kaum vorhersehbar, da es eine vergleichbare Situation bisher noch nicht gegeben hat. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen sowohl für Griechenland als auch für die anderen Länder des Währungsraums verheerend wären. Experten befürchten schwere Konsequenzen für den europäischen Bankensektor - dem Hauptkreditgeber Griechenlands. Und da keine entwickelte Volkswirtschaft ohne gesunde Banken auskommen kann, würden auch Verbraucher und Unternehmen stark getroffen werden.

Welche Folgen würden sich für Griechenland ergeben?

Für Griechenland würde ein Euro-Austritt vermutlich den wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Ohne Euro müssten die Hellenen wieder ihre alte Währung Drachme einführen, die vermutlich drastisch abwerten würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugute kommen.

Was würde sich am Schuldenstand Athens ändern?

Die in Euro aufgenommenen Altschulden würden infolge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen. „Selbst ein starker Schuldenschnitt würde Griechenlands Probleme dann nicht lösen, da das Land über Jahre hinweg vom Kapitalmarkt abgeschnitten wäre“, unterstreicht ein HSBC-Experte. Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher schon.

Ist ein Austritt Griechenlands im Interesse anderer Euro-Länder?

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. An den Finanzmärkten würden nach einem Euro-Austritt Griechenlands wohl schnell andere finanzschwache Länder unter starken Druck geraten, möglicherweise auch wirtschaftsstarke Länder. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder - möglicherweise in Verbindung mit einem Schuldenschnitt - aus dem Euroraum ausscheren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden vermutlich drastisch steigen, und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraums ins Wanken geraten.

Kommentare (9)

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Karl

11.10.2011, 17:24 Uhr

Dummes blabla für die dummen Schafe
Zahlt ruhig weiter !!!

lowabras

11.10.2011, 17:30 Uhr

Die werden sicher noch einige Milliarden finden, wie bereits geschehen! Deshalb hat das überhaupt keine Eile. Is sowieso alles vergebens und in den Griechischen Sand gesetzt was da geflossen ist und weiter fließt. Nein nicht in den Sand, sondern in die Sandkästen der Banken, die den dicken Reibach machen und das in verstärkter Form und jeden Tag. Billig DR Staatsanleihen kaufen und zum Nominalwert an die EZB verkaufen bringt einen Tageszins von mindestens 40%!!
Übrigens kann jeder Anleger mitmachen, aber halt nicht mit den hunderten Milliarden, die der Kleinanleger den Banken über Steuern den Bankstern hierfür zur Verfügung stellt!
Mehr dazu bei www.steuerembargo.co.de

Account gelöscht!

11.10.2011, 17:31 Uhr

weitere Reformen des starren griechischen Tarifvertragsrechts, die zur Öffnung des Arbeitsmarktes beitragen sollen, und beschleunigte Privatisierungen.
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d. h. im Klartext nichts anderes, als das was in Deutschland unter Schröder gemacht wurde.
Grieche Arbeiter zum Arbeitsamt und dafür kommen die Billigrumänen.
Und wo soll das das Land voran bringen?
Da die Griechen hitzköpfiger sind als wir, könnte es leicht zu Mord und Totschlag kommen.
Und natürlich, wie unter Schröder, Privatisierung des Landesvermögens, also alles verscherbeln, vorrangig an Hedgs-Fonds, damit auch Griechenland sich anschließend fragen darf "was gehört uns eigentlich noch" So wie wir Deutschen. Und gehört ja auch nichts mehr. Der Privatisierungwahn ging ja so weit, dass man Rathäuser und die Städt. Abwasseranlagen verkauft hat und nun teuer wieder zurück least.
Mein Gott was für eine krminelle sogenannte Troika
Was steckt wirklich hintr diesen Lanesvernichtungen?

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