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04.10.2017

23:20 Uhr

Bitte um Vermittlung

Katalanischer Regierungschef will reden

VonSandra Louven

Carles Puigdemont zeigt sich gesprächsbereit, will aber Resultat des Referendums „umsetzen“. Ob seine Rede politischen oder populistischen Wert hatte, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.

Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont bei einer Pressekonferenz im Palau Generalitat in Barcelona. dpa

Machtspiele

Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont bei einer Pressekonferenz im Palau Generalitat in Barcelona.

Madrid/BarcelonaIn dem dramatischen Machtspiel, das sich der katalanische Ministerpräsident Carles Puigdemont und der spanische Premier Mariano Rajoy liefern, gibt es womöglich Bewegung. Puigdemont hat in einer Rede am Mittwochabend erneut um eine internationale Vermittlung in dem Konflikt gebeten und betont, dass er gesprächsbereit sei.

Gleichzeitig erklärte er aber auch, er werde das Ergebnis des illegalen Unabhängigkeitsreferendums umsetzen. Er vermied, die Unabhängigkeitserklärung zu erwähnen. Vor allem die radikale Partei CUP, mit deren Stimmen Puigdemont Regierungschef geworden ist, drängt darauf, die Trennung von Spanien am kommenden Montag zu verkünden.

Ursprünglich hatte Puigdemont versprochen, innerhalb von 48 Stunden nach dem Ergebnis des Referendums die Republik Katalonien auszurufen, falls die Ja-Stimmen siegten. Das haben sie getan, aber noch ist das Endergebnis nicht offiziell verkündet.

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Spanien ist auf dem besten Weg, der nächste europäische Krisenherd zu werden. Das Land, das sich aus der tiefen Rezession gearbeitet hat und mit enormem Tempo wächst, befindet sich mitten in einer schweren Staatskrise.

Puidgemont spielt auf Zeit. Er weiß genau, was passiert, wenn er die Trennung von Spanien verkündet: Madrid würde ihn mit seiner kompletten Regierung absetzen und womöglich ins Gefängnis stecken. Die Anklagen laufen bereits. Das aber würde Katalonien dem Ziel eines eigenen Staates nicht näher bringen. Und Puigdemont ist ein Überzeugungstäter. Ihm geht es nicht um seine politische Karriere, sondern um die aus seiner Sicht gute Sache.

So war er sichtlich um einen sanften Ton bemüht. Mehrfach betonte er, dass die Katalanen stets friedlich und zivil protestiert hätten und er selbst seiner Verantwortung für das gesamte katalanische Volk gerecht werden wolle. Dieser Hinweis kommt nicht von ungefähr: Nicht einmal ganz die Hälfte der Katalanen hat sich in der Vergangenheit für die Unabhängigkeit der Region von Spanien ausgesprochen. Wie zerrissen die katalanische Gesellschaft in der Frage ist, zeigte sich während der Rede von Puigdemont: In Barcelona ertönte ein Kochtopfkonzert – das katalanische Zeichen des Protestes. Am Abend vorher, als der spanische König eine Ansprache gehalten und Puigdemonts Regierung stark kritisiert hatte, war es genauso, da schlugen aber wohl die andere Hälfte der Katalanen auf die Töpfe.

Ob Puigdemont tatsächlich an einem ernsthaften Dialog gelegen ist oder ob seine unaufgeregte Rede rein populistischen Wert hat, um nachher sagen zu können, „Madrid ist an allem Schuld, ich ja reden wollte“, werden die kommenden Tage zeigen.

Eine internationale Vermittlung, nach der Puigdemont erneut ruft, dürfte es zumindest eher nicht geben. In den vergangenen Tagen haben sowohl die EU als auch führende europäische Staaten abgewunken, darunter auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Kommentare (10)

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Lothar dM

05.10.2017, 10:18 Uhr

Eine hoffnungsvolle Entwicklung entgegen einem immer mehr um sich greifenden Zentralstaat EUR-EU, ich mag diese bodenständigen, friedlichen Katalanen.

Es zeigt auch, egal wie lange her, Unrecht kann nie bestehen über kurz oder lang.

Es sollte der Wahlverliererin Merkel eigentlich ein warnendes Zeichen sein ... aber auch sie klebt an der Macht, ähnlich wie der korrupte Rajoy in Spanien.

Beide haben verloren, wollen es aber nicht wahrhaben und halten voll dagegen ...

Herr Lung Wong

05.10.2017, 10:28 Uhr

Katalanische Millionäre wollen noch reicher und mächtiger werden und benutzen die Bevölkerung für ihre widerlichen Zwecke. Nützliche Deppen werden unter dem Schein der Gerechtigkeit aufgehetzt. Läuft doch bei uns genau so.

Herr Carlos Santos

05.10.2017, 10:41 Uhr


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