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07.04.2015

16:25 Uhr

Blair attackiert Cameron

EU-Referendum „gefährlich für Großbritannien“

Mit deutlichen Worten hat sich Ex-Premierminister Tony Blair in den britischen Wahlkampf eingemischt. Das von seinem Nachfolger David Cameron geplante Referendum über den EU-Verbleib sei „gefährlich für Großbritannien“.

Ex-Premierminister Tony Blair hat die EU-Politik seines Nachfolgers David Cameron scharf attackiert. ap

Britischer Wahlkampf

Ex-Premierminister Tony Blair hat die EU-Politik seines Nachfolgers David Cameron scharf attackiert.

LondonGroßbritanniens früherer Premierminister Tony Blair mischt sich mit einem Plädoyer für Europa erstmals in den britischen Wahlkampf 2015 ein. Der Labour-Politiker, von 1997 bis 2007 Chef in der Downing Street, bezeichnete die Linie seines konservativen Nachfolgers David Cameron als „gefährlich für Großbritannien“. Cameron hat im Falle einer Wiederwahl für Herbst 2017 ein Referendum angekündigt, bei dem die Briten über den Verbleib ihres Landes in der Europäischen Union abstimmen sollen.

Ein Verlassen der EU würde Großbritanniens Rolle als große, global bedeutsame Nation schwächen, sagte Blair am Dienstag in einer Wahlkampfrede, mit der er seinen Parteifreund Ed Miliband als Camerons Herausforderer im Wahlkampf unterstützen will.

Ein Referendum sei ein „vollkommen unakzeptables Glücksspiel mit der Zukunft unserer Nation“, betonte er. Miliband will im Falle einer Wachablösung in der Downing Street kein Referendum abhalten, schließt es aber auch nicht völlig aus.

Was die Briten an der EU stört

Nationale Identität

Als ehemalige Weltmacht ist Großbritanniens Politik noch immer auf Führung ausgelegt. London ist gewohnt, die Linie vorzugeben, statt sich mühsam auf die Suche nach Kompromissen zu begeben. Die Briten reagieren allergisch auf jegliche Vorschriften aus Brüssel.

Londoner City

Die Londoner City ist trotz massiven Schrumpfkurses noch immer die Lebensader der britischen Wirtschaft. Großbritannien fühlt sich von Regulierungen, die in Brüssel ersonnen wurden, aber die City treffen, regelrecht bedroht.

Soziales und Arbeitsmarkt

Auch in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik wollen sich die Briten nicht von Brüssel herein reden lassen. Eine gemeinsame EU-weite Arbeitszeitrichtlinie hat beispielsweise für heftigen Streit gesorgt.

EU-Bürokratie

Die Euroskeptiker unter den Briten halten die Bürokratie in Brüssel für ein wesentliches Wachstumshemmnis. Anti-Europäer in London glauben, dass Großbritannien bilaterale Handelsabkommen mit aufstrebenden Handelspartnern in aller Welt viel schneller aushandeln könne als der Block der 27. Die Euroskeptiker fordern auch, dass der Sitz des Europaparlaments in Straßburg abgeschafft wird und die Abgeordneten nur noch in Brüssel tagen.

Medien

Die britische Presse ist fast durchgehend europafeindlich und prägt das Bild der EU auf der Insel. Das hat politische Wirkung. „Ich muss meinen Kollegen in Brüssel dauernd sagen, sie sollen nicht den 'Daily Express' lesen“, zitierte mal die „Financial Times“ einen britischen Minister.

Blairs Popularität in Großbritannien ist in den vergangenen Jahren stark gesunken. Ihm wird von vielen angekreidet, dass er an der Seite von US-Präsident George W. Bush die Invasion des Irak und den Sturz von Diktator Saddam Hussein vorangetrieben hat - auf Grundlage nicht vorhandener Beweise für Massenvernichtungswaffen. Auch seine eigene Partei sieht dies inzwischen als Fehler an.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Peter Spiegel

07.04.2015, 18:08 Uhr

BLAIR ATTACKIERT CAMERON
wird eng für den Herrn Cameron, raus aus der verkommenen EU kann er schlecht aber abstimmen lassen muß er.

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