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19.01.2005

17:10 Uhr

Blair in Bedrängnis

Briten sind über Folterfotos entsetzt

Schlechte Nachrichten für Tony Blair: Neue Fotos mit Aufnahmen von Folterungen irakischer Gefangener durch britische Soldaten im Irak bringen nach britischen Presseberichten die Blair-Regierung in Bedrängnis.

HB LONDON/OSNABRÜCK. Die britische Öffentlichkeit hat mit Entsetzen auf Fotos von Misshandlungen irakischer Zivilisten durch britische Soldaten reagiert. Presse, Fernsehen und auch Oppositionspolitiker verglichen die Fotos mit den Folterbildern aus dem amerikanisch geführten Gefängnis Abu Ghraib.

„Jeder findet diese Fotos schockierend und entsetzlich und es gibt einfach keine anderen Worte für ihre Beschreibung“, sagte Blair vor dem Parlament und ergänzte, die Mehrheit der britischen Soldaten habe sich ehrenhaft verhalten. Die Bilder waren von einem britischen Militärgericht in Osnabrück veröffentlicht worden, vor dem sich seit Dienstag drei ehemals im Irak stationierte Soldaten verantworten müssen.

Die Entscheidung des britischen Regierungschefs, an der Seite der USA im März 2003 in den Irak einzumarschieren, hatte ihm sinkende Umfragewerte verschafft. Die Briten sind mehrheitlich gegen den Krieg. In den vergangenen Wochen hatte Blair es aber geschafft, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wieder mehr auf innenpolitische Themen im Vorfeld der für Mai erwarteten Parlamentswahlen zu lenken. Politische Beobachter sehen Blair mit dem Auftauchen der Folter-Fotos nun aber erneut in Bedrängnis. „Es bringt natürlich einen gewissen Schaden mit sich, weil Blair mit der Irak-Politik assoziiert wird“, sagte Wyn Grant, Professor für Politik an der Universität Warwick. Das Thema Irak sei zurück auf der Agenda. Sollten die für 30. Januar geplanten Wahlen im Irak nicht reibungslos verlaufen, könnte Blair noch weiter unter Druck geraten, fügte Grant hinzu. Einige Beobachter fürchten zudem, dass die neuen Fotos die Aufständischen im Irak nun gerade gegen die US- und britischen Truppen aufstacheln werden.

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