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08.07.2015

10:39 Uhr

Bloß kein Triumphgeheul

Tsakalotos' Spickzettel

VonKathrin Witsch

Euklid Tsakalotos ist Griechenlands neuer Finanzminister. Als solcher verhandelte er erstmals mit den Gläubigern. Auf einem Blatt hatte er sich extra Notizen gemacht – doch diese ungeschickterweise offen herumgetragen.

Diese Unterlagen trug Euklid Tsakalotos offen mit sich herum. ap

Zettelwirtschaft

Diese Unterlagen trug Euklid Tsakalotos offen mit sich herum.

BrüsselZwei Tage im Amt, und schon ein Hauptakteur im griechischen Schulden-Chaos. Kein Wunder, dass der neue Finanzminister Euklid Tsakalotos entsprechend nervös war, als er zum Krisen-Gipfel in Brüssel anreiste. In der linken Hand hielt er einen Stapel Papiere, rechts eine Aktentasche. Keine Worte in Richtung der Journalisten.

Dennoch gelingt den Fotografen ein interessanter Schuss. Denn Tsakalotos trug seine Unterlagen so offen, dass seine Notizen zu sehen waren. Und schon ist Tsakalotos wegen seines kleinen Spickzettels in den Schlagzeilen.

Fragen und Antworten zur Schuldenkrise nach dem Referendum

Fordert Athen ein drittes Hilfsprogramm?

Griechenlands zweites Hilfsprogramm lief Ende Juni aus. Ministerpräsident Alexis Tsipras bat bereits vergangene Woche beim Euro-Rettungsfonds ESM über zwei Jahre um "Hilfe zur finanziellen Stabilisierung" in Form eines Kredits. Den Finanzbedarf gab er mit 29,1 Milliarden Euro an. Auch wenn Tsipras nicht von einem "Programm" spricht, ist es nichts anderes. Es wäre erneut mit Spar- und Reformauflagen verbunden, die wegen der längeren Laufzeit auch umfangreicher als bisher ausfallen müssten.

Was erwarten die Euro-Partner nun von Athen?

Die Euro-Länder sehen nach dem Referendum Athen am Zug. "Die Minister erwarten neue Vorschläge von der griechischen Regierung", erklärte die Eurogruppe vor ihrem für Dienstag angesetzten Sondertreffen zu Griechenland, mit dem ein Gipfel der Währungsunion am Abend desselben Tages vorbereitet wird. Bisher sind die Euro-Staaten sich nicht einig, ob sie mit Athen über ein weiteres Hilfsprogramm verhandeln sollen. Während die Bundesregierung dafür "zur Zeit" keine Grundlage sieht, zeigt sich Spanien gesprächsbereit.

Warum trat Finanzminister Giannis Varoufakis zurück?

Varoufakis' Verhandlungsstil und seine scharfe Rhetorik stießen in den vergangenen Monaten bei seinen Kollegen aus der Eurozone immer wieder auf Kritik. Das Fass zum Überlaufen brachte dann wohl eine Äußerung vom Samstag, als der Ökonom den Geldgebern "Terrorismus" vorwarf.

Erleichtert der Rücktritt künftige Gespräche?

Die Euro-Finanzminister könnten die Personalie als Versuch des Neuanfangs sehen, wobei Varoufakis im Hin und Her der Verhandlungen letztlich keine Entscheidungen ohne das Einverständnis von Tsipras fällte. Der für den Euro zuständige Vizepräsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis, stellte zudem fest, die Ablehnung der bisherigen Politik der Geldgeber bei der Volksabstimmung habe "unglücklicherweise die Kluft zwischen Griechenland und anderen Ländern der Eurozone vergrößert".

Was macht die EZB?

Seit der Ankündigung des Referendums wartete die Europäische Zentralbank (EZB) ab. Sie beließ die Höhe ihrer Notkredite für die griechischen Banken seit dem 28. Juni unverändert. In den Wochen davor hatte sie den Rahmen immer weiter erhöht.

Wann droht Athen der Staatsbankrott?

Griechenland geriet als erster Industriestaat überhaupt beim Internationalen Währungsfonds (IWF) in Zahlungsverzug, als Athen Ende Juni 1,5 Milliarden Euro nicht zurückzahlte. Die großen Ratingagenturen stellen einen Staatsbankrott in der Regel erst dann fest, wenn ein Land private Gläubiger nicht mehr bedient. Am Freitag werden kurzfristige Staatsanleihen im Wert von zwei Milliarden Euro fällig, die vor allem von Privatgläubigern gehalten werden. Die Regierung in Athen könnte sich auch selbst für bankrott erklären - etwa wenn sie auch Löhne und Gehälter nicht mehr zahlen kann.

Kommt dann der Grexit?

Niemand kann Athen zwingen, den Euro zu verlassen. Stellt die EZB aber die Notversorgung der griechischen Banken ein, sitzt das Land de facto finanziell auf dem Trockenen. Bei einem Kollaps seines Finanz- und Wirtschaftssystems könnte Griechenland dann keine Wahl mehr haben, als zur Drachme zurückzukehren oder zumindest eine Parallelwährung einzuführen.

Wie könnte ein Euro-Austritt funktionieren?

Auch ein freiwilliger Austritt aus dem Euro ist nicht vorgesehen. Rechtlich möglich wäre lediglich ein Verlassen der EU - damit wäre auch die Euro-Mitgliedschaft beendet. Um in die EU zurückzukehren, müsste Griechenland einen neuen Beitrittsantrag stellen. Nicht ausgeschlossen ist, dass sich Athen und die anderen Euro-Staaten vertraglich auf ein anderes Verfahren einigen.

Denn der neue Finanzminister musste sich anscheinend daran erinnern, gegenüber seinen Amtskollegen keine allzu große Genugtuung über das Ergebnis des Referendums in Griechenland zu zeigen. Auf dem kleinen Notizblatt standen jedenfalls die Worte: „No triumphalism“. Auf Deutsch würde man „Kein Triumphgeheul“ sagen.

Auf dem Zettel befanden sich wohl noch mehr Notizen, aber es ist unklar, was sie bedeuten. So konnte man auch einen Verweis auf die griechisch-kommunistische Partei KKE ausmachen. Vielleicht nicht der beste Start mit den europäischen Kollegen.

Dafür ist er seinem Ruf als besonnener und diplomatischer Politiker treu geblieben – und legt damit schon mal einen besseren Start hin als sein umstrittener Vorgänger Yanis Varoufakis.

Neuer Finanzminister

Euklid Tsakalotos: Das ist der „neue Varoufakis“

Neuer Finanzminister: Euklid Tsakalotos: Das ist der „neue Varoufakis“

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Kommentare (4)

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Herr Vitto Queri

08.07.2015, 11:37 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich und achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Rene Weiß

08.07.2015, 11:37 Uhr

Wir Deutschen und auch die anderen europäischen Steuerzahlen werden von vorn bis hinten verarscht. Was passiert in 4 Jahren, wenn es eine neue Regierung in Griechenland gibt, die wollen dann auch wieder nachverhandeln. Dann die Sapnier, dann die Portugiesen, Italiener und Franzosen. Das nimmt kein Ende.

Herr renato rainer

08.07.2015, 11:54 Uhr

griechenland: von wegen kein geld:
grosse goldreserven,besteuerung von fluchtgeld, allein von der schweiz locker 20 milliarden aus steuer,
120 milliarden bargeld bei griechen, das in den letzten monaten den weg unter griechische matratzen fand.
daher finanzhilfen nur gegen sicherstellung, cash fliesst dann sofort.

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