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11.03.2012

22:26 Uhr

Blutbad in Afghanistan

Obama bemüht sich um Schadensbegrenzung

Nach den Koranverbrennungen haben die US-Truppen in Afghanistan den nächsten Skandal am Hals: Ein US-Soldat zieht mitten in der Nacht von Haus zu Haus und erschießt Kinder, Frauen und Männer.

Angehörige am Auto mit den Opfern. dapd

Angehörige am Auto mit den Opfern.

Kabul/WashingtonKnapp drei Wochen nach der Koranverbrennung durch US-Soldaten in Afghanistan hat ein amerikanischer Soldat nach Regierungsangaben 16 Männer, Frauen und Kinder erschossen. Unter den Todesopfern seien neun Kinder, die im Schlaf getötet wurden. Auch drei Frauen und vier Männer gehörten zu den Opfern der Bluttat in der südafghanischen Provinz Kandahar, teilte der Präsidentenpalast in Kabul am Sonntag mit.

Präsident Hamid Karsai sprach von einem „unverzeihlichen Verbrechen“. US-Präsident Barack Obama telefonierte noch am Sonntag mit Karsai und brachte nach Angaben des Weißen Hauses „Schock und Trauer“ zum Ausdruck. Außenminister Guido Westerwelle reagierte bestürzt und fassungslos auf das Blutbad.

Der mutmaßliche Täter sei festgenommen worden, der Fall werde untersucht, teilte der Kommandeur der Internationalen Schutztruppe Isaf und der US-Soldaten in Afghanistan, General John Allen, mit. Im vergangenen Monat hatte die Verbrennung von Koran-Exemplaren durch US-Soldaten auf der ostafghanischen Basis Bagram tagelange Unruhen im Land ausgelöst, mindestens 30 Afghanen wurden dabei getötet. Seitdem wurden auch sechs US-Soldaten durch afghanische Sicherheitskräfte erschossen.

In der Mitteilung Karsais hieß es: „Spät in der vergangenen Nacht drang ein amerikanischer Soldat in die Häuser von Menschen in Balandi Pul, in der Sangabad-Gegend des Distrikts Pandschwai ein, und tötete 16 Zivilisten, darunter 9 Kinder und 3 Frauen.“ Die US-Regierung müsse die Tat dem afghanischen Volk erklären. „Die afghanische Regierung hat diese sogenannten Anti-Terror-Operationen, in denen Zivilisten Opfer erleiden, oft verurteilt. Wenn amerikanische Soldaten aber absichtlich Menschen töten, dann ist das (...) ein unverzeihliches Verbrechen.“

US-Präsident Obama erklärte, das Verhalten des Soldaten sei nicht repräsentativ für amerikanische Militärangehörige. Er versicherte Karsai des „tiefen Respekts für das afghanische Volk und der engen Bande zwischen unseren beiden Ländern“. Er stehe voll hinter der eingeleiteten Untersuchung. Dadurch sollten die Fakten so schnell wie möglich ans Licht kommen. „Dieser Zwischenfall ist tragisch und schockierend.“

Westerwelle erklärte, die Nachricht aus Afghanistan habe ihn „tief erschüttert“. Er sprach von „unverantwortlichem und gänzlich unverständlichen Handeln“ einzelner. „Ich rufe jetzt zu Ruhe, Besonnenheit und Mäßigung auf. Es wäre noch eine Tragödie, wenn jetzt als Reaktion auf diese schreckliche Tat weitere Menschen zu Schaden kämen.“ Zugleich bekräftigte er, dass Deutschland sein Engagement in Afghanistan fortsetzen werde.

Die Taliban verurteilten den Vorfall. In einer Mitteilung sprachen sie von einer „blutdurstigen Tat“ der „barbarischen Amerikaner“, die sie mit Völkermord in Zusammenhang brachten.

Kommentare (6)

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wsohst

11.03.2012, 23:48 Uhr

Wieso gibt es keine ernst zu nehmende deutsche Partei, die endlich mit dem Kriegswahnsinn in Afghanistan SOFORT Schluss macht? Raus da. Sofort. Wir haben dort absolut gar nichts zu suchen.

Account gelöscht!

12.03.2012, 02:09 Uhr

ich frage mich wie das passieren kann! Haben die GI's keine Vorgesetzten, keine Betreuung! Es muß doch auffallen, wenn jemand psychische "Aussetzer" hat. Warum schickt man ihn dann nicht nach hause? Und wie kann er, nachts und voll bewaffnet, völlig unbehelligt aus der Unterkunft verschwinden und in den Dörfern rumschleichen?
Eine sehr seltsame Story, finde ich ...

Account gelöscht!

12.03.2012, 02:13 Uhr

Wir sind ja schon auf dem Weg! Aber bei der Entfernung dauert es halt noch bis 2014

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