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20.01.2013

23:07 Uhr

Blutzoll wächst

Mehr als 80 Tote bei Geiseldrama in Algerien

Nach dem blutigen Ende des Geiseldramas in Algerien ist die Zahl der Opfer auf mindestens 81 gestiegen. Der Fernsehsender Ennarhar berichtete indes, dass fünf der Extremisten lebendig gefasst worden seien.

Opferzahlen in Algerien weiter unklar

Video: Opferzahlen in Algerien weiter unklar

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Algier/BamakoAuch nach dem brutalen Ende des tödlichen Geiseldramas in der algerischen Wüste steigt der Blutzoll weiter an. Am Sonntag wurden auf dem Gelände der von Islamisten besetzten und am Vortag gestürmten Gasförderanlage Ain Amenas 25 Leichen gefunden.

Sprengstoffexperten fanden die entstellten Körper bei Entschärfungsarbeiten an der verminten Raffinerie, wie aus dem staatlichen Sicherheitsapparat verlautete. Der Zustand der Leichen lasse noch keine unmittelbaren Rückschlüsse darauf zu, ob es sich bei den Toten um Geiseln oder deren Entführer handele. Die Zeitung "El Watan" sprach unter Berufung auf Sicherheitskreise von "etwa 30 Leichen ausländischer und algerischer Geiseln sowie von Soldaten der algerischen Armee". Medien berichteten zudem über die Festnahme von fünf Extremisten.

Der Konflikt in Algerien

Die radikale islamische Organisationen

In Algerien sind seit langem radikale islamische Organisationen aktiv. Anfang der 1990er Jahre entbrannte ein blutiger Konflikt zwischen Regierung und Fundamentalisten in dem nordafrikanischen Land.

Der Bürgerkrieg

Als sich während der Wahl im Dezember 1991 ein Sieg der Islamisten abzeichnete, brach die Armee die Wahl ab. In dem anschließenden Bürgerkrieg sollen bis zu 150 000 Menschen getötet worden sein.

Die radikal-islamische Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC)

Der seit 1999 amtierende Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika leitete in Algerien eine Politik der nationalen Versöhnung mit einer Generalamnestie für umkehrwillige Terroristen ein. Die radikal-islamische Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) setzte jedoch ihre Anschläge fort.

El Kaida im islamischen Maghreb (AQMI)

Die Terrororganisation, die sich seit Anfang 2007 El Kaida im islamischen Maghreb (AQMI) nennt, sorgte mit schweren Anschlägen immer wieder für Schlagzeilen. Sie ist mittlerweile in der ganzen Region aktiv. Die algerische Sicherheitskräfte konnten zwar die terroristischen Aktivitäten eindämmen, aber die AQMI stellt weiter eine Bedrohung dar.

Nach dem Sturm auf den Industriekomplex am Samstag hatte die Regierung zunächst mitgeteilt, dass insgesamt 23 Geiseln und 32 Extremisten getötet worden seien. Ein Sprecher hatte aber direkt eingeräumt, dass sich die Zahl der Getöteten noch erhöhen dürfte. Sicherheitskräfte suchten das Gelände der Erdgasraffinerie am Sonntag nach Minen und anderen Explosivstoffen ab.

Die nun entdeckten Leichen könnten Algerier oder Ausländer sein, sagte ein Informant. Da zudem ein befreiter Rumäne seinen schweren Verletzungen erlag, stieg die Gesamtopferzahl auf mindestens 81.

Laut Kommunikationsminister Mohammed Said wollten die Entführer den gesamten Komplex in die Luft jagen und alle Geiseln töten. Nach Angaben des algerisches Energiekonzerns Sonatrach, der das Gasfeld gemeinsam mit der britischen BP und dem norwegischen Unternehmen Statoil betreibt, hatten die Extremisten das gesamte Gelände vermint.

Eine überlebende Geisel erzählte von Sprengfallen, die Gefangenen um den Hals gelegt wurden, damit sie nicht flüchten. Neben schweren Maschinengewehren und Granaten stellten die Streitkräfte am Samstag auch Raketen und Panzerfäuste sicher.

Mit Dutzenden Toten war die Geiselnahme am Samstagnachmittag zu Ende gegangen. Algerische Spezialeinheiten stürmten die gekaperte Gasförderanlage und töteten nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur APS alle elf verbliebenen Entführer. Auch sieben Geiseln kamen dabei um, offenbar wurden sie schon vor dem Befreiungsversuch am Samstag von den Extremisten ermordet. Etliche ausländische Arbeiter werden weiter vermisst.

Kommentare (5)

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sharwes

21.01.2013, 07:47 Uhr

Mein Mitgefühl für alle getöteten Zivilisten und algerische Soldaten! Ja, die algerische Armee war nicht ausgebildet für so eine Aktion, das hätte KSK oder andere westliche Spezialeinheiten besser hinbekommen. Nein, man verhandelt nicht mit Terroristen.
Und ganz wichtig - Terroristen nimmt man nicht gefangen, sondern tötet sie!!!! Oder - wenn die die Sharia wollen und auf töten z.B. Steinigen steht, dann soll man doch nach der von denen gewollten Sharia richten.

Account gelöscht!

21.01.2013, 10:21 Uhr

"lebendig gefasst" Putzige Formulierung.

Charly

21.01.2013, 10:26 Uhr

@sharwes

Der Westen stiehlt diesen Ländern dort die Rohstoffe ohne einen angemessen Preis dafür zu bezahlen. Stattdessen fördert der Westen die Korruption und besticht Diktatoren und kriminelle Regime die ihre eigenen Länder zu ihrem Privatwohl ausbeuten.
Nicht nur dort, siehe auch z.B. die Saudis deren Diktatorenfamilie von den Amis am Leben gehalten werden und die dafür ihr Land abzocken. Das erschafft dann solche Leute wie den Bin Laden.

[...].

Im Übrigen sollten sie bedenken, dass es die Bevölkerung des Westens ist, die Smartphone-wischend und SUV-fahrend den Diebstahl von Rohstoffen fordert.

Von den daraus entstehenden Steinzeitgesellschaften mit radikalem Islamismus werden wir langsam umzingelt und langwierige Kriege die nicht zu gewinnen sind werden möglicherweise unvermeidlich sein. Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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