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19.08.2012

18:59 Uhr

Bo Xilai

Chinas „Prinzling“ und sein Absturz

Bo Xilai galt lange als aussichtsreicher Kandidat für Chinas Machtgremium. Der Fall kam, als seine Frau Gu Kailai unter Mordverdacht geriet. Ob er in den Fall verwickelt war, ist offen. Seine Karriere aber ist beendet.

Bo Xilai: Welche Rolle hat er in der Giftmordaffäre gespielt? dapd

Bo Xilai: Welche Rolle hat er in der Giftmordaffäre gespielt?

PekingDer große Sprung schien für Bo Xilai nur noch eine Frage der Zeit. Macht und Einfluss hatte er als KP-Chef der 30-Millionen-Metropole Chongqing bereits, doch auf dem Parteitag im Herbst sollte der 63-jährige „Prinzling“ in das höchste Machtgremium - den Ständigen Ausschuss des Politbüros - aufrücken. Schließlich zählte schon sein Vater, der Revolutionsveteran Bo Yibo, zu den „acht Unsterblichen“ der kommunistischen Machtelite.

Der Mordverdacht gegen seine prominente Frau Gu Kailai setzte Bos Karriere allerdings ein jähes Ende. Begonnen hatte diese während der Kulturrevolution (1966-1976), als Bo sich als Teenager den fanatischen Roten Garden Mao Tsetungs anschloss. Er studierte später Geschichte sowie Journalismus und machte sich danach in der Provinz als Mafia-Jäger einen Namen. Als Handelsminister setzte der charismatische Politiker sich von 2004 bis 2007 dafür ein, dass sich China stärker für internationalen Handel und Investitionen öffnete.

Chronologie: Politkrimi in China

März 2012

Das Zentralkomitee setzt Bo Xilai, den Parteichef der 30-Millionen-Metropole Chongqing, wegen Korruptionsverdachts ab. Es ist der vorläufige Höhepunkt eines Skandals um den früheren Polizeichef Wang Lijun. Der „Super-Bulle“ war Anfang Februar in das amerikanische Konsulat in Chengdu geflüchtet und begab sich danach in die Obhut der Pekinger Zentralregierung. Angeblich soll er um sein Leben gefürchtet und Asyl gesucht haben. Nach unbestätigten Berichten soll Wang Lijun Belastungsmaterial gegen seinen früheren Chef Bo Xilai haben. Das 63-jährige Politbüromitglied sollte eigentlich im Herbst in das höchste Machtgremium der kommunistischen Partei - den ständigen Ausschuss des Politbüros - aufrücken.

April 2012

Die Ermittlungen um Bo Xilai werden ausgeweitet. Der mysteriöse Tod eines britischen Unternehmensberaters mit engen Beziehungen zu Bos Familie löst neue Verdächtigungen aus. Der 41-jährige Neil Heywood wurde im November 2011 tot in seinem Hotelzimmer in Chongqing gefunden. Die Polizei attestierte „übermäßigen Alkoholkonsum“ und äscherte ihn ohne Autopsie ein.

11. April 2012

Bos Frau Gu Kailai wird unter dem dringenden Verdacht des Mordes an dem Briten festgenommen. Bo Xilai wird aus dem Politbüro entfernt und von allen seinen Parteiämtern entbunden. Angeblich hatte bereits Ex-Polizeichef Wang Lijun den Mordverdacht im Falle des Briten geäußert.

09. August 2012

Gu Kailai und einem Hausangestellten werden in der ostchinesischen Stadt Hefei der Prozess gemacht. Ihnen wird vorgeworfen, Heywood vergiftet zu haben. Hintergrund der Tat soll ein Streit um Geld gewesen sein. Die 53 Jahre alte Anwältin habe ihren Sohn Bo Guagua vor dem Briten schützen wollen. Medien berichten, Gu Kailai habe den Mord zugegeben. Ihr droht die Todesstrafe.

10. August 2012

Vier ranghohe Polizeioffiziere müssen sich wegen Rechtsbeugung und Begünstigung vor Gericht verantworten. Sie sollen dabei geholfen haben, die Ermordung Heywoods zu vertuschen.

In Chongqing, wo er seit 2007 das Sagen hatte, ging Bo mit harter Hand gegen organisierte Kriminalität und Korruption vor. Zugleich wurde er mit „roten“ Kampagnen und seiner linken Sozialpolitik zur Galionsfigur der linkskonservativen Kräfte. Diese hofften, mit Hilfe des neo-maoistischen Polit-Stars ihren Einfluss ausweiten zu können, um sich gegen den marktorientierten Kurs der Reformer zu stemmen.

Stattdessen wurde Bo aber entmachtet: Erst wurde er als Parteichef von Chongqing abgesetzt, dann aus dem mächtigen Politbüro und dem Zentralkomitee entlassen. Der Vorwurf: „Ernste Disziplinarverstöße“. Es heißt, er habe die Ermittlungen gegen seine Familie verhindern wollen.

Von

dpa

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