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22.10.2012

19:45 Uhr

Boca Raton in Florida

Wo Romneys reiche Gönner wohnen

VonNils Rüdel

Die Millionärs-Oase Boca Raton in Florida ist ein Schicksalsort für Romney: Hier entstand das Skandalvideo, das ihn fast die Wahl gekostet hatte. Nun ist er wieder in der Stadt, zum TV-Duell mit Obama. Ein Ortsbesuch.

Wahlplakate in Boca Raton, Florida. dapd

Wahlplakate in Boca Raton, Florida.

Boca RatonDer Westen der Stadt Baco Raton, Florida, ist nichts für Fußgänger. Bürgersteige sind so selten wie Bushaltestellen, die breiten Ausfallstraßen sind gesäumt von gepflegtem Gras, Palmen und hohen Mauern. Die Menschen hinter den Mauern sind gern unter sich: Hier lebt man in eingegatterten Villenvierteln. Pförtner bewachen die Einfahrten, zu denen Normalsterbliche keinen Zutritt haben.

Kurz hinter dem Schlagbaum der „Long Lake Estates“ liegt ein Ort, den Mitt Romney in schlechter Erinnerung haben dürfte. Bei einem Spendendinner hatte sich der Präsidentschaftskandidat der Republikaner dort einmal fast um alle seine Wahlchancen gebracht, wegen eines heimlich aufgenommenen Videos.

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Am Long Lake Drive, im Anwesen des millionenschweren Private-Equity-Managers Marc Leder, hatte Romney jenen berüchtigten Satz über die „47 Prozent“ der Amerikaner losgelassen, die sich als Opfer sähen und vom Staat aushalten ließen. Als ein unscharfer Mittschnitt davon im September an die Öffentlichkeit gelangte, war die Empörung groß, die Umfragewerte brachen ein. Hätte Romney nicht bald darauf einen starken Auftritt beim TV-Duell gehabt, wäre der Wahlkampf wohl nicht wieder so offen, wie er heute ist.

An diesem Montag ist Romney nach Boca Raton zurückgekehrt. Am Abend wird er hier auf US-Präsident Barack Obama treffen, zur dritten Fernsehdebatte. Und vielleicht ist es ganz gut für den Republikaner, dass sich das Spektakel dieses Mal ausschließlich um Außenpolitik drehen soll. Denn Obama würde nur zu gerne vor einem Millionenpublikum sein Bild über Romney bestätigen: Der gierige Millionär ist zurück unter seinesgleichen. Hier in Boca Raton, der Oase der Reichen, Schönen und nachträglich Verschönten.

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Der 47-Prozent-Skandal sei doch nur ein „kurzes Strohfeuer“ gewesen, wiegelt Warren Redlich ab. Der Rechtsanwalt lebt wie Romney-Gönner Leder in West Boca. „Wir haben festgestellt, dass unser Viertel in den Medien war“, sagt der 46-Jährige über die Reaktionen in der Nachbarschaft. Aber das sei`s dann auch gewesen. Jedenfalls nichts im Vergleich zu der Aufmerksamkeit, die der Ort mit seinen vielen Rentnern und unentschlossenen Wählern im Wahlkampf derzeit bekomme.

2011 war Redlich, der Mitte des vergangenen Jahrzehnts im Bundesstaat New York zwei Mal erfolglos als Republikaner für den Kongress angetreten war, mit Frau und zwei Kindern hergezogen. „Wegen Verwandtschaft, der guten Schulen und der vernünftigen Preise“, wie er sagt. Boca Raton war in der Immobilienkrise stärker als andere Orte durchgeschüttelt worden, die Hauspreise brachen um fast die Hälfte ein. Doch längst steigen sie wieder zweistellig.

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