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04.03.2016

16:44 Uhr

Börse

Europas Wettbewerbshüter werden Fusion nicht durchwinken

VonThomas Ludwig

EU-Kommissar Oettinger will einen europäischen Börsen-Champion schaffen. Doch Europas oberste Wettbewerbshüter wollen eine Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange nicht einfach nur durchwinken.

Europas oberste Wettbewerbshüter haben Spekulationen darüber zurückgewiesen, sie könnten die Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange wohlwollend durchwinken. AFP; Files; Francois Guillot

Deutsche Börse

Europas oberste Wettbewerbshüter haben Spekulationen darüber zurückgewiesen, sie könnten die Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange wohlwollend durchwinken.

BrüsselEuropas oberste Wettbewerbshüter haben Spekulationen darüber zurückgewiesen, sie könnten die Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange wohlwollend durchwinken, um einen europäischen Champion entstehen zu lassen. „Alle wettbewerbsrechtlichen Untersuchungen, inklusive Fusionsprüfungen, finden allein auf Basis von Fakten und der Gesetzgebung statt. Alle von der Kommission getroffenen Entscheidungen müssen möglichen Nachprüfungen vor EU-Gerichten standhalten“, sagte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde dem Handelsblatt auf Anfrage.

Der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger hatte sich am Donnerstag als bislang ranghöchster Politiker gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters angesichts der globalen Entwicklung an den Finanzmärkten für die Schaffung eines europäischen Börsenchampions ausgesprochen. „Wir haben unsere Regeln. Wir haben unsere Spielräume. Und im Rahmen der Spielräume hoffe ich auf eine wohlwollende Begleitung“, hatte Oettinger die bevorstehende Prüfung der Fusion durch die EU-Kommission kommentiert.

Diese Fusionspläne der Deutschen Börse sind gescheitert

17. Juli 2000

Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003

Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004

Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004

Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004

Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006

Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006

Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006

Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008

Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011

Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012

Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit der Nyse Euronext aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Februar 2016

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse machen nach Marktgerüchten Pläne für einen Zusammenschluss öffentlich.

März 2016

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) sind handelseinig und streben eine Fusion auf Augenhöhe an.

März 2017

Die EU-Kommission untersagt den milliardenschweren Deal, weil er auf dem Markt zur Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen hätte.

Erst vor wenigen Tagen hatte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager im Gespräch mit dem Handelsblatt bestärkt, dass sie ihr Mandat völlig unabhängig ausfülle. „Im Einzelfall interessiert mich politischer Druck nicht“, hatte sie bekräftigt. „Eine Wettbewerbsentscheidung muss juristisch Bestand haben. Einen Richter interessieren nur die Fakten und keine politischen Befindlichkeiten oder Stimmungslagen“, sagte Vestager. Ihrer Behörde gehe es ausschließlich um das Marktverhalten von Unternehmen. „Würden wir uns nicht darauf konzentrieren, delegitimierten wir das bestehende Wettbewerbsrecht“, sagte Vestager.

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