Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.02.2015

10:19 Uhr

Boko Haram expandiert

Nigerianische Terrormiliz greift Tschad an

Sie haben die gesamte Welt mit ihren Taten schockiert, doch bislang beschränkten sie sich damit meist auf Nigeria. Nun greift die Terrormiliz Boko Haram auch die Nachbarstaaten an und verübt dort Gräuel.

Während Nigeria dem Volk Mut zusprechen will und einen erfolgreichen Kampf gegen Boko Haram verspricht, scheint der Staat keinerlei Kontrolle über die Miliz zu haben: Sie dringt in die Nachbarstaaten ein. dpa

In Lagos werben sogar Busplakatierungen für den Kampf gegen die Terroristen.

Während Nigeria dem Volk Mut zusprechen will und einen erfolgreichen Kampf gegen Boko Haram verspricht, scheint der Staat keinerlei Kontrolle über die Miliz zu haben: Sie dringt in die Nachbarstaaten ein.

N`DjamenaDie vor allem in Nigeria aktive Islamistengruppe Boko Haram hat zum ersten Mal bei einem Angriff im Tschad Menschen getötet. In der Nacht zum Freitag hätten rund 30 Boko-Haram-Milizionäre ein Dorf Ngouboua am Ufer des Tschad-Sees überfallen, berichteten Anwohner und Sicherheitskreise. Die Angreifer seien mit drei Kanus von See her gekommen und hätten rund zehn Menschen getötet, bevor sie von der Armee vertrieben worden seien, sagte ein Bewohner des Dorfes. Der See grenzt an den Nordosten Nigerias, wo Boko Haram einen radikalislamischen Staat errichten will.

Aus Angst vor Angriffen von Boko Haram sind auch in Niger Tausende Einwohner der Stadt Diffa auf der Flucht. Auch Niger grenzt an den Tschad-See und hat gemeinsame Grenzen mit Nigeria und dem Tschad. Die eigentlich in Nigeria agierende Miliz hat in den vergangenen Tagen ihre Überfälle und Selbstmordattentate im Grenzgebiet massiv ausgeweitet.

Salafisten – radikale Islamisten mit Verbindung zum Terror

Wer sie sind

Die Salafisten sind eine religiöse und politische Bewegung des Islam, die nur von einer kleinen Minderheit der Muslime getragen wird. Sie lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine „islamische Ordnung“ mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an.

Was sie wollen

Salafisten vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und lehnen jede theologische Modernisierung ab. Das arabische Wort „Salaf“ steht für: Ahnen, Vorfahren. Viele Salafisten tragen lange Bärte und weite Gewänder. Sie vertreten diskriminierende Positionen gegen Frauen und bestehen auf deren Vollverschleierung.

Wie viele Anhänger sie haben

In Deutschland zählen die Salafisten oder Neosalafisten knapp 6300 Anhänger, bis Ende des Jahres sieht der Verfassungsschutz die Zahl bei 7000. 1800 seien bereits nach Syrien oder in den Irak gezogen, um mit dem Islamischen Staat (IS) zu kämpfen. Teile der Bewegung stehen beim Verfassungsschutz im Verdacht, ein Sammelbecken für gewaltbereiten Islamismus zu sein und Verbindungen zu Terrornetzwerken zu pflegen.

Wen sie beeinflussen

Aus der größten Terrorvereinigung Algeriens, der „Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf“ ging die Terrororganisation „Al-Kaida im islamischen Maghreb“ hervor. In der Bundesrepublik stand die terroristische Sauerland-Gruppe unter salafistischem Einfluss. Fast alle Islamisten in Deutschland, die den Dschihad (Heiligen Krieg) befürworten, sind laut Verfassungsschutz mit dem Salafismus in Berührung gekommen.

Durch die Gewalttaten der Boko-Haram-Kämpfer im Nordosten Nigerias sind Tausende Menschen ums Leben gekommen - allein im vergangenen Jahr mindestens 10.000.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×