Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.08.2016

10:59 Uhr

Bolivien

Minenarbeiter wegen Tötung von Vizeminister festgenommen

Die Wirtschaftskrise in Bolivien nimmt dramatische Ausmaße an. Arbeiter und Polizei geraten immer wieder aneinander. Jetzt starb ein Minister. Das Entsetzen ist so groß wie die Gewalt auf beiden Seiten.

Der Sarg mit dem Leichnam des Vize-Innenministers Rodolfo Illanes wird am Freitag im Präsidentenpalast im bolivianischen La Paz aufgebahrt. Er war am Donnerstag entführt und ermordet worden, als er mit streikenden Minenarbeitern verhandeln wollte. AFP; Files; Francois Guillot

Abschied mit militärischen Ehren.

Der Sarg mit dem Leichnam des Vize-Innenministers Rodolfo Illanes wird am Freitag im Präsidentenpalast im bolivianischen La Paz aufgebahrt. Er war am Donnerstag entführt und ermordet worden, als er mit streikenden Minenarbeitern verhandeln wollte.

La PazÜber 40 Bergarbeiter sind in Bolivien nach der Tötung des stellvertretenden Innenministers festgenommen worden. Fünf von ihnen sollen direkt für den Tod des 55-jährigen Vizeministers Rodolfo Illanes verantwortlich sein, wie Generalstaatsanwalt Ramiro Guerrero am Freitagabend (Ortszeit) erklärte. Zu ihnen zähle der Vorsitzende des Verbands der Bergarbeiter-Genossenschaften (Fencomin), Carlos Mamani.

Der 56-jährige Illanes hatte mit streikenden Kumpeln verhandeln wollen, die aus Protest gegen sinkende Löhne mehrere Straßen besetzt hatten. Die Bergarbeiter nahmen ihn jedoch am Donnerstag gefangen. Später wurde die Leiche des Politikers am Straßenrand gefunden. Einer seiner Mitarbeiter liegt mit schwersten Verletzungen in einem Krankenhaus. Am Freitag waren die Straßen geräumt., 165 Kilometer südöstlich von La Paz, erschlagen worden. Auch drei Kumpel kamen bei Zusammenstößen mit der Polizei ums Leben.

Die Gewerkschaftszentrale COB forderte am Freitag, dass auch die Verantwortung von Ministern und Polizeichefs bei den Todesfällen untersucht wird. Die „arrogante Haltung“ der Regierung habe den Konflikt angeheizt, erklärte COB-Chef Guido Mitma.

Regierung und Opposition ergehen sich unterdessen in gegenseitigen Schuldzuweisungen. Präsident Evo Morales sprach bereits am Freitag (Ortszeit) von einer politischen Verschwörung. Alle Verantwortlichen für die Tötung von Illanes bei Bergarbeiterprotesten müssten zur Verantwortung gezogen werden. Die Bergarbeiter hätten eine feige Haltung gezeigt und würden von seinen politischen Gegnern gestützt. Morales sagte, Illanes sei entführt, gefoltert und ermordet worden. Der Präsident ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.

Bolivien: Niederlage für Morales

Bolivien

Niederlage für Morales

Boliviens Präsident Morales hat das Referendum über eine vierte Amtszeit verloren. Bei der Wahl 2020 darf er somit nicht mehr antreten. Es war nicht sein erster Versuch, seine Präsidentschaft künstlich zu verlängern.

Oppositionsführer Samuel Doria Medina sagte dagegen, Grund für die Proteste sei die Wirtschaftskreise, derentwegen die Rohstoffpreise gesunken seien. Morales solle keine falschen Verschwörungstheorien in die Welt setzen, sondern selbstkritisch sein.

Die in Genossenschaften zusammengeschlossenen Bergarbeiter protestieren seit Anfang August gegen ein neues Gesetz, nach dem sich ihre Mitglieder Gewerkschaften anschließen dürfen. Dies bedeute eine ungerechtfertigte Einmischung der Gewerkschaften in dem Genossenschaftssektor, beanstandete der Verband. Boliviens Bergarbeiter fördern in selbstverwalteten Genossenschaften vor allem Zink, Zinn, Silber und Gold und waren früher eine wichtige Unterstützergruppe für den Linkspolitiker Morales.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×