Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.07.2014

16:16 Uhr

Bomben auf Tel Aviv

„Wann hört das endlich auf?“

VonPierre Heumann

Sirenen, Keller und Luftschutzräume: Nichts ist mehr normal in Tel Aviv. Kinder bleiben den Spielplätzen fern, eine Taxifahrt wird zum Sicherheitsrisiko. Denn Raketen bestimmen den Alltag. Ein Stimmungsbericht.

Trotz Raketenbeschuss

Kann das Leben in Tel Aviv so weitergehen?

Trotz Raketenbeschuss: Kann das Leben in Tel Aviv so weitergehen?

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Tel AvivDer Weckdienst rüttelt jeden auf. Kurz nach acht Uhr heulen heute morgen im Großraum Tel Aviv die Sirenen auf, schrill und eindringlich. Weil wir im Keller keinen Luftschutzraum haben, eilen wir ins Treppenhaus, weil es dort sicherer ist als in der Wohnung. Mit unseren Nachbarn, mit denen wir sonst wenig Kontakt haben, mutieren wir im Nu zur Solidargemeinschaft.

Jeder und jede hält sich in diesen Tagen für einen Militärexperten. Die Apothekerin Varda kennt die Reichweite der Raketen, die im Besitz der Radikal-Islamisten sind, der Fahrer Moshe ist über die Zahl der Geschosse informiert, die im Gazastreifen gelagert sind. Die Sekretärin Ilana, die am Morgen zur Arbeit fahren wollte, ist zu Hause geblieben, um die Kinder zu beruhigen. Plötzlich ein Knall – irgendwo in der Nachbarschaft ist eine Rakete aufgeprallt. Dann Entwarnung. Der Rundfunk meldet, dass die Eiserne Kuppel Raketen abgefangen hat.

Luftangriffe auf Gaza: „Nur wer Glück hat, überlebt“

Luftangriffe auf Gaza

„Nur wer Glück hat, überlebt“

Die Menschen in Gaza sind die Leidtragenden der neuen Konfrontation zwischen Israel und der Hamas. Anders als die Bevölkerung in Israel sind sie den heftigen Luftangriffen schutzlos ausgeliefert.

Innerhalb von 24 Stunden sollen mehr als 100 Raketen auf Israel abgefeuert worden sein, berichtet die israelische Regierung. Doch auch Israel fliegt weiter Angriffe: Am zweiten Tag ihrer Großoffensive hat die israelische Armee ihre Angriffe auf Ziele der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen verstärkt. Kriegsflugzeuge griffen am Mittwochmorgen nach Militärangaben mehr als 160 Stellungen an. Mindestens 14 Menschen wurden getötet, darunter mehrere Kinder und Zivilisten.

Israelische Bodeneinsätze im Gazastreifen

Juni 2006

Die Armee startet eine Bodenoffensive zur Befreiung des kurz zuvor entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit. Die Aktion trägt den Namen „Sommerregen“: Truppen dringen in den südlichen Gazastreifen ein, bombardieren unter anderem Brücken und ein Elektrizitätswerk. Die Lage im Nahen Osten insgesamt verschärft sich in der Folgezeit. Im Juli kommt es zum Libanon-Krieg. Schalit ist erst im Oktober 2011 wieder frei - im Gegenzug werden mehrere hundert palästinensische Gefangene ausgetauscht.

November 2006

Das Militär geht mit Luftangriffen und Bodentruppen gegen militante Gruppen vor, die Israel mit Raketen beschießen. Zu schweren Auseinandersetzungen kommt es vor allem in Beit Hanun im nördlichen Gazastreifen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ruft den UN-Sicherheitsrat zum sofortigen Eingreifen auf. Bis zum Ende der sechstägigen Operation werden nach Angaben der israelischen Streitkräfte 60 radikale Palästinenser getötet.

Januar 2009

Nach Luftangriffen auf Hamas-Einrichtungen vom Dezember beginnt Israel die Bodenoffensive. Ziel der Operation „Gegossenes Blei“ ist es, den Raketenbeschuss von Grenzorten aus dem Gazastreifen zu unterbinden. Vom 27. Dezember bis zum 3. Januar schlagen mehr als 450 Raketen auf israelischem Boden ein. Am 18. Januar tritt eine temporäre Waffenruhe in Kraft. Bis dahin sterben palästinensischen Quellen zufolge mindestens 1310 Palästinenser. Israel meldet zehn getötete Soldaten und drei getötete Zivilisten.

Hier ist die Lage eigentlich noch schlimmer. Denn anders als in Israel gibt es im Gazastreifen kein Vorwarnsystem bei Raketenangriffen. Es gibt keine Warnsirenen und die meisten Menschen haben auch keine Schutzräume, in denen sie Zuflucht suchen könnten. Viele Einwohner des Gazastreifens harren deshalb zuhause aus, während um sie herum die Raketen einschlagen. Bei gezielten Angriffen auf Häuser von militanten Palästinensern warnt die israelische Armee .

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×