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12.08.2016

19:21 Uhr

Bombenanschläge in Thailand

Suche nach Attentätern läuft auf Hochtouren

Die Ermittlungen nach den Bombenanschlägen in Thailand laufen auf Hochtouren. Mehrere Gruppen werden als Drahtzieher der Attentate verdächtigt. Einen terroristischen Hintergrund schließen die Behörden jedoch aus.

Bei Bombenanschlägen im Süden Thailands wurden mindestens vier Menschen getötet. dpa

Patong Beach in Phuket

Bei Bombenanschlägen im Süden Thailands wurden mindestens vier Menschen getötet.

BangkokNach der Serie von Bombenanschlägen in Thailand, durch die mindestens vier Menschen getötet und unter anderen drei Deutsche verletzt worden sind, läuft die Suche nach den Attentätern auf Hochtouren. Die Polizei schloss am Freitag einen Terroranschlag zwar aus und sprach von „örtlicher Sabotage“. Doch waren die Behörden schon bei früheren Anschlägen kritisiert worden, weil sie zu schnell einen terroristischen Hintergrund ausgeschlossen hatten. Als Verdächtige kommen Experten zufolge mehrere Gruppen in Betracht.

Einheimische muslimische Rebellen:

Nach der Bombenserie haben einige Experten – wenn auch vorsichtig – die im äußersten Süden Thailands für mehr Autonomie kämpfenden Rebellen für die Anschläge verantwortlich gemacht. In den drei mehrheitlich muslimischen Provinzen an der Grenze zu Malaysia gibt es fast täglich bewaffnete Angriffe oder Bombenexplosionen – fast 6500 Menschen, überwiegend Zivilisten, wurden seit 2004 in dem Konflikt getötet.

Sollten die Rebellen die Drahtzieher der aktuellen Anschlagserie sein, dann würde dies eine dramatische Eskalation ihrer bisherigen Strategie bedeuten: Ihre Angriffe führten sie bisher in der Regel im äußersten Süden aus, in einer Region weit weg von den nun von den Anschlägen betroffenen Orten. „Die Attacke auf Hua Hin ist wie ein direkter Angriff auf das Königreich Thailand“, meint der Thailand-Experte Paul Chambers.

Politische Rivalen der Militärregierung:

Wegen des Zeitpunkts der Anschläge gehen manche Experten auch davon aus, dass Gegner der thailändischen Militärjunta für die Anschläge verantwortlich sein könnten. In dem politisch tief gespaltenen Land hatte das Militär 2014 die Macht übernommen und vor rund einer Woche seinen Verfassungsentwurf bei einem umstrittenen Referendum durchgesetzt.

Daher stecken nach Ansicht von Politikexperte Thitinan Pongsudhirak wahrscheinlich „politische Kräfte, die bei dem Referendum verloren haben“, hinter den Attacken. „Der Zeitpunkt springt ins Auge“, sagte er. „Das ist ein frontaler, unverhohlener Affront für die Militärregierung.“

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Ausländische Extremisten:

Verschiedene islamistische Extremistengruppen haben in den vergangenen Jahren eine Reihe von Anschlägen in anderen Teilen Südostasiens verübt. So wurden 2002 in Bali mehr als 200 Menschen getötet, die meisten ausländische Touristen. In Indonesien und Malaysia gab es Anschläge von einheimischen Gruppen mit Verbindungen zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Bisher haben sich die thailändischen Muslimrebellen aber nicht von ausländischen Extremistengruppen umgarnen lassen.

Uiguren:

In den vergangenen zwei Jahren gab es zunehmend Hinweise auf radikalisierte Uiguren aus China in Südostasien. Zwei Angehörige dieser muslimischen Minderheit waren im vergangenen Jahr nach dem Anschlag auf einen Hindu-Schrein in Bangkok festgenommen worden. Bei dem Attentat am 17. August wurden 20 Menschen getötet, vor allem chinesische Touristen. Die Verdächtigen, die demnächst vor Gericht gestellt werden sollen, bestreiten die Tat, deren Hintergründe nach wie vor einige Rätsel aufgeben.

Auch indonesische Extremisten, die mit der IS-Miliz zusammenarbeiten, haben einige Uiguren in der Region rekrutiert. Die meisten von ihnen wurden aber getötet oder festgenommen.

Von

afp

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