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03.03.2013

15:22 Uhr

Boni-Debatte in der Schweiz

Attacke gegen die Abzocker

VonHolger Alich

Die ausufernde Vergütung von Managern sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Ausgerechnet die liberalen Schweizer wollen nun eine einmalige Regelung beschließen – das dürfte auch die Debatte in Deutschland anheizen.

Viele Schweizer haben genug von üppigen Vorstands-Boni.

Viele Schweizer haben genug von üppigen Vorstands-Boni.

ZürichEs ist diese Tage nicht leicht, Thomas Minder zu erreichen. Sein Telefon im Büro in der von ihm geleiteten Trybol AG, einem mittelständischen Hersteller von Zahnpasta und Mundwasser, ist ständig besetzt. Denn Minder gibt Interviews am laufenden Band; skandinavische, amerikanische und auch russische Medien wollen ihn sprechen; denn Minder ist der Mann hinter der so genannten „Abzocker-Initiative“. Am Sonntag stimmten die Schweizer über seinen Text ab, mit dem er das Schweizer Aktienrecht grundlegend geändert wird.

Umfrage: Mehrheit der Deutschen will feste Grenze für Managergehälter

Umfrage

exklusivMehrheit der Deutschen will feste Grenze für Managergehälter

Die Schweizer stimmen am Wochenende über eine Obergrenze für Managergehälter ab. Auch die Mehrheit der Deutschen würde sich eine ähnliche Regelung wünschen, zeigt eine exklusive Umfrage.

Die zur Abstimmung stehende Verfassungsänderung umfasste 24 Punkte. Eine Obergrenze für Boni oder Gehälter sieht Minders Initiative nicht vor. Kernpunkt ist stattdessen, dass die Aktionäre jedes Jahr über die Gesamtsumme der Gehälter von Vorstand und Verwaltungsrat abstimmen müssen. Die Mitglieder des Verwaltungsrates sollen sich zudem jedes Jahr der Wiederwahl stellen. Antritts-Zahlungen oder Abgangs-Entschädigungen sollen verboten werden. Bei Zuwiderhandlungen drohen den Verantwortlichen Geld- oder gar Gefängnisstrafen.

„Ich habe nie gesagt, dass ich Gehälter limitieren will. Ich will den Willen der Aktionäre stärken“, sagt Minder zu Handelsblatt Online. Die in der Schweiz wichtigen Pensionskassen sollen daher verpflichtet werden, auf Hauptversammlungen abzustimmen und anschließend sollen sie ihre Voten offen legen.

Gehälter der Wall-Street-Größen

John Stumpf

Streng genommen ist John Stumpf kein Wall-Street-Banker. Doch mit einer Jahresvergütung von 19,3 Millionen Dollar hat Wells Fargo mit Hauptsitz an der Westküste der USA ihren Chef an die Spitze der Finanzindustrie katapultiert. Während Branchengrößen wie JP-Morgan-Chef Jamie Dimon Einbußen hinnehmen mussten, stieg das Einkommen von Stumpf 2012 um acht Prozent. Nach Rekordgewinnen im vergangenen Jahr stockte Wells Fargo Stumpfs Grundgehalt von 2,8 Millionen Dollar mit einem Bonus von vier Millionen Dollar und Aktien im Wert von 12,5 Millionen Dollar auf.

Brian Moynihan

Der Chef der Bank of America hat im Jahr 2012 stolze 12,1 Millionen Dollar verdient. Damit rückt er in die Liga der bestbezahlten Manager der US-Bankenwelt ein. Die Vergütung von Brian Moynihan stieg gegenüber dem Vorjahr um 73 Prozent. Doch die Spitzenverdiener, Loyd Blankfein von Goldman Sachs und John Stumpf von Wells Fargo, überholt er nicht überholen.

James Gorman

Morgan-Stanley-Chef James Gorman verdiente 2012 mit 9,75 Millionen Dollar sieben Prozent weniger als im Vorjahr.

Jamie Dimon

Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, nimmt eine Halbierung seines Bonus für 2012 hin. Er kassiert 11,5 Millionen Dollar. Das Institut wurde von einem Händlerskandal erschüttert. Ein Mitarbeiter mit dem Spitznamen „Londoner Wal“ hatte mehr als sechs Milliarden Dollar verzockt.

Michael Corbat

Der neue Citigroup-Vorstandschef Michael Corbat streicht für 2012 ein sattes Gehalt von 11,5 Millionen US-Dollar ein. Corbat übernahm den Spitzenposten erst im Oktober vergangenen Jahres und stellte die Weichen für den Abbau von 11.000 Stellen.

Damit Privatanleger leichter ihre Stimmrechte wahrnehmen können, sollen Unternehmen elektronische Abstimmungen ermöglichen. Das in der Schweiz noch übliche Depot-Stimmrecht will Minder abschaffen. Bisher müssen Banken im Sinne der Konzernführung stimmen, wenn der Depot-Kunde keinen Stimmauftrag erteilt hat.

Kommentare (31)

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Gast01

01.03.2013, 19:25 Uhr

Gehälter in der freien Wirtschaft sind alleinige Sache von der fordernden Person und derjenigen, die bereit ist dieses zu bezahlen.
Ein völlig anderes Thema ist ein üppiger Bonus, obwohl die Führungsperson das Unternehmen in die finanzielle Misere getrieben hat. So eine Bonuszahlung ist schwer vermittelbar. Wird aber auch vertraglich vor Antritt geregelt sein.
Ein weiteres Thema ist Die Unterbezahlung und Ausbeutung, da sollte sich die Politik drum kümmern. Ansonsten sollten die lieber ihre Griffeln draußen lassen.

Ottavo

01.03.2013, 20:05 Uhr

Die Vorstellung vom Klassenkampf lebt. In den Kreisen versprengter altmarxistischen Linken – aber viel mehr noch in Teilen besseren Gesellschaft, des gehobenen Bürgertums, und vieler Menschen, die sich in vollkommener Verkennung der Realität, der Illusion hingeben, dieser Gesellschaftsschicht anzugehören. Warren Buffetts Zitat: „Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.“ gilt nicht nur in den USA und in UK. Auch bei uns herrscht ein, wenn auch geschickt getarnter, Klassenhass von oben.

Der bedient sich hierzulande sehr virtuos eines scheinbar rationalen, pseudowissenschaftliche Vokabulars und hat, im Grunde genommen, den Charakter einer Erlösungsreligionen. Die neoliberalen Wirtschaftstheologen sind seine Hohepriester. Die richtigen Reformen, im Sinne eines angeblich vollkommenen Marktes, versprechen die Antwort auf nahezu jedes Menschheitsproblem.

Im Windschatten dieser ideologischen Auseinandersetzung hat sich, fast unbemerkt von der Linken wie der Rechten, eine neofeudale Klassen die Partizipation an der Macht gesichert und sich vom reinen Funktionsträger zum Parasiten entwickelt. Zunehmend beherrschte eine überbezahlten Funktionärskaste (sogenannter Manager) mit Selbstbedienungsmentalität die Unternehmen. Sie schert sich im Zweifelsfall nicht um das Aktionärsinteresse, verfügen über beste Kontakte zur Politik – ja sie führt die gar am Gängelband.

Besonders private Großbanken sind Geldmaschinen für das Management. Es nutzt sein Herrschaftswissen um die hochkomplexe Materie gnadenlos aus. Ohne Werte zu schaffen und nur um sich zu bereichern, nehmen diese Finanzfunktionäre, als untreuen Verwalter von Aktionärsvermögen (siehe Neues Testament, Lukas 16), dabei ungeahnte Bilanzrisiken, Schaden für ihre Kunden, die Volkswirtschaft und den Steuerzahler in Kauf. Dieser Entwicklung muss Einhalt gebotenen werden.

Neiddebatte

01.03.2013, 20:21 Uhr

Wenn 10 Mio für einen Manager einer grossen AG zuviel ist, dann sind auch 2 mio für den Geschäftsführer eine GmbH zuviel ? na prost Leistungsgesellschaft. Dann lohnt sich wohl eher nix zu tun und Neiddebatten lostreten. Was kommt als nächstes: jeder der mehr als 1 Häuschen hat, wird enteignet ?

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