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15.03.2012

18:47 Uhr

Bonitätsprüfung

EU erlaubt den Gebrauch von US-Kreditratings

Trotz massiver Kritik an den US-Rating-Agenturen will die EU die Nutzung zur Einstufung der Bonität weiter erlauben. Die behördlichen Auflagen entsprächen den europäischen Regeln. Die Banken sind erleichtert.

In Europa bleiben die Ratings von S&P und anderen US-Ratingagenturen erlaubt. dapd

In Europa bleiben die Ratings von S&P und anderen US-Ratingagenturen erlaubt.

LondonDie EU erlaubt trotz der massiven Kritik an den US-Rating-Agenturen weiterhin die Nutzung der Bonitätseinstufungen von Standard & Poor's, Moody's und Fitch. Die EU-Finanzmarktaufsicht ESMA erklärte am Donnerstag, die behördlichen Auflagen für die Agenturen in den USA und anderen Ländern entsprächen wie erforderlich den europäischen Regeln.

Fragen und Antworten zur Kreditwürdigkeit

Warum sind Bonitätsnoten für ein Land wichtig?

Die Noten der drei führenden Agenturen S&P, Moody's und Fitch sind maßgeblich für die Finanzierungskosten der Staaten am Kapitalmarkt. Die Faustregel: Je besser die Bonitätsnote, desto günstiger das Zinsniveau, zu dem ein Land Geld aufnehmen kann.

Gilt diese Faustregel immer?

Es gibt Ausnahmen: So haben die USA trotz immenser Verschuldung und einer Herabstufung durch S&P im vergangenen Sommer nach wie vor keine Probleme, günstig Mittel einzusammeln. Die weltgrößte Volkswirtschaft gilt weiter als „sicherer Hafen“, weil der US-Dollar die globale Leitwährung ist und die Notenbank Fed bereit ist, ihn in unbegrenzten Mengen zu drucken. Diese Quasi-Versicherung gegen einen Zahlungsausfall für US-Staatsschulden überzeugt internationale Gläubiger bislang noch - zumal die Alternativen rar sind.

Welche Konsequenzen hat die S&P-Drohung für die „AAA“-Euroländer?

Die Wahrscheinlichkeit liegt nun laut S&P bei 50 Prozent, dass die verbleibenden Euro-Staaten mit Spitzenbonität ihre Bestnote in den kommenden 90 Tagen verlieren. Das sind neben Deutschland Frankreich,Österreich, Luxemburg, die Niederlande und Finnland. Frankreich, das bereits seit längerem unter Abwertungsdruck steht, könnte sogar gleich um zwei Bonitätsstufen abgesenkt werden. Zudem hat in Moody's auch die zweite große Ratingagentur das Land auf dem Kieker. Für die Euro-Rettung ist dies äußerst brisant: Mit Frankreich wackelt die zweitwichtigste Finanzierungssäule des Krisenfonds EFSF.

Was wird ohne Top-Rating aus dem Euro-Rettungsschirm?

Für den EFSF hätte ein Verlust der Spitzenbonität weitreichende Folgen. Die Topnoten der Ratingagenturen sind Voraussetzung, damit der Krisenfonds mit maximaler Schlagkraft agieren kann. Eine Herabstufung der wichtigsten Garantiegeber Deutschland und Frankreich würde auch die Note des EFSF gefährden und damit das Aus des Rettungsschirms in seiner bisherigen Konstruktion bedeuten.

Wie begründet S&P seine Entscheidung?

Der Ratingagentur zufolge haben die Probleme im Euroraum ein Maß erreicht, das die Währungszone als Ganzes unter Druck setzt. S&P kritisiert auch unkoordiniertes und unentschlossenes Handeln der Politiker. Es gebe zudem das Risiko, dass die Eurozone im kommenden Jahr in die Rezession rutsche. Auch Deutschland könnte nach Einschätzung der Agentur in den Abwärtssog geraten.

Ist der Rundumschlag der Ratingagentur angebracht?

Experten sind sich uneins: Die Commerzbank-Analysten bezeichnen den Vorstoß als „aggressiv“, aber vertretbar. Er unterstreiche, „dass es in dieser Krise kein Entrinnen gibt - nicht einmal für die absoluten Top-Credits in der Eurozone“. Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, hat dagegen kein Verständnis. Angesichts der jüngsten Entspannung in der Schuldenkrise liefere S&P in seiner Begründung „schlichtweg und ergreifend Unwahrheiten“.

Warum droht S&P direkt vor dem nächsten EU-Gipfel mit Abstufungen?

Damit setzt die Ratingagentur die Euro-Retter unter Handlungsdruck. Das Unternehmen weist darauf hin, dass die Gipfel-Ergebnisse entscheidend für die weitere Bewertung der Länder der Eurozone seien. Kanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsident Nicolas Sarkozy könnte die Drohung zur Unzeit sogar in die Karten spielen. Merkel liefert sie Argumente dafür, die europäischen Verträge zugunsten von mehr Haushaltsdisziplin und automatischen Schuldenbremsen zu ändern. Sarkozy stärkt sie innenpolitisch den Rücken, um die Sparanstrengungen zu forcieren.

Welche Länder haben überhaupt noch Top-Bonitätsnoten?

Weltweit verfügen noch nicht einmal 20 Staaten über ein „AAA“-Rating von S&P, dazu zählen aber auch einige Steueroasen und Zwergstaaten. In Europa verfügen - noch - zwölf Länder über ein Top-Rating. Von den großen Industrie- und Schwellenländern (G20) sind es fünf. Dazu gehören Deutschland, Frankreich, Kanada, Australien und Großbritannien. Industriegiganten wie die USA („AA+“), China („AA-“) oder Japan („AA-“) sind nicht darunter. Investoren reagieren jedoch häufig erst auf Herabstufungen, wenn mindestens zwei Agenturen sie vornehmen. Die USA beispielsweise werden von Fitch und Moody's bislang noch mit „Triple A“ bewertet.

Worauf gründen Ratingagenturen eigentlich ihre Entscheidungen?

Grundsätzlich legen die großen Agenturen ihre Methodik nicht im Detail offen. Kritiker bemängeln besonders im Zusammenhang mit der Schuldenkrise im Euroraum, dass die Ratingunternehmen lediglich den Marktentwicklungen folgen und auf neue Zuspitzungen reagieren, auch wenn diese fundamental nicht immer gerechtfertigt seien. Experten sehen den harten Kurs allerdings auch im Zusammenhang mit den laschen Bewertungsstandards während der US-Hypothekenkrise waren. Damals mussten sich die Bonitätsprüfer häufig den Vorwurf gefallen lassen, riskante Papiere tendenziell zu positiv zu bewerten.

Die Entscheidung ist eine Erleichterung für die europäischen Banken. Sie nutzen die Einstufungen der US-Agenturen ausgiebig und hatten große Kosten für den Fall befürchtet, dass sie sich nach alternativen Schiedsrichtern für die Bewertung der Kreditwürdigkeit umschauen müssen. Die Geldhäuser sind etwa bei der Berechnung ihrer Kapitalpuffer auf die Urteile der Agenturen angewiesen.

In Folge der Finanzkrise werfen die Behörden weltweit ein genaueres Auge auf die Agenturen. Sie tragen eine Mitschuld an der Krise, da sie komplizierte Finanzprodukte viel zu großzügig bewertet hatten. Europäische Politiker halten den Rating-Giganten außerdem vor, mit ihren Urteilen die Schuldenkrise verschärft zu haben. Die Agenturen entgegnen dieser Kritik, sie seien lediglich die Überbringer schlechter Nachrichten - verantwortlich für die Finanzmisere seien die Staaten selbst.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

15.03.2012, 20:11 Uhr

Warum auch nicht, die EZB hat ja die Wirkung der Wunderwaffe "Gelddrucken" erfolgreich ausprobiert- Da sind Massnahmen, die vor einigen Monaten noch allgemein als unabdingbar betrachtet wurden (wenn auch nicht durch mich), wie der Aufbau einer europäischen Ratingagentur, überflüssig geworden

MarcMeyer

15.03.2012, 20:55 Uhr

Die lasse mich als Bürger doch nicht von den Politikern veräppeln. Nicht die Ratingagenturen sind das Problem, sondern unsere Politiker in der EU, die die Schulden machen. Nicht Fitch hat uns gesagt, Millarden Schulden müssen wir durch Bankenrettungen machen, nein, das haben Bänker und Politiker getan. Schon amüsant, EU Politiker wie Barosso machen erst Millarden Schulden, und wenn sie bei der EU in Brüssel sind, verlangen sie das Geld von den Nordstaaten. Und wenn dann die Agenturen ehrliche Tatsachen aussprechen, sind diese EU Politiker sauer. Wie gesagt, ich lass mich doch nicht von dieser komischen Elite in Brüssel oder Berlin veräppeln.

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