Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.03.2013

04:08 Uhr

Bonus-Exzesse

EU begrenzt Banker-Boni

Die EU-Finanzminister und das Europaparlament nehmen Spitzenbanker an die kürzere Leine – und setzen trotz heftigen Widerstands aus Großbritannien eine Obergrenze für Bonuszahlungen. Doch es gibt Ausnahmen.

Auch die Banker in Frankfurt am Main sind betroffen. dpa

Auch die Banker in Frankfurt am Main sind betroffen.

BrüsselNach langem Streit begrenzt die EU die Bonuszahlungen an Spitzenbankiers. Vertreter des EU-Parlaments und EU-Mitgliedsländer einigten sich am Mittwochabend in Brüssel auf neue Regeln. Die Extrazahlung darf künftig im Normalfall nicht mehr höher sein als das Grundgehalt. In Ausnahmefällen können Geldhäuser ihren Topleuten eine Prämie in doppelter Höhe des Grundgehalts zahlen.

Die irische EU-Ratspräsidentschaft bestätigte den Kompromiss. Damit endet ein monatelanger Streit. Großbritannien leistete lange auf höchster politischer Ebene Widerstand, war aber letztlich isoliert. Der Finanzplatz London fürchtet um seine internationale Bedeutung.

Gehälter ausgewählter Dax-Chefs 2012

Infineon - Reinhard Ploss / Peter Bauer

Zum Ende des Infineon-Geschäftsjahrs (30. September 2012) wechselte auch der Vorstandschef. Reinhard Ploss übernahm von Peter Bauer den Posten.

Bauer hatte 2011/12 insgesamt 2,9 Millionen Euro verdient und damit etwas deutlich weniger als 2011 (3,7 Millionen Euro).

Kurt Bock - BASF

Der Chef des Chemiekonzerns, Kurt Bock, verdiente mit 5,29 Millionen Euro im Jahr 2012 nahezu unverändert im Vergleich zum Vorjahr. Er hatte sein Amt im Mai 2011 angetreten.

Marijn Dekkers - Bayer

Marijn Dekkers, Niederländer an der Spitze des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer, hat im Jahr 2012 insgesamt 5,06 Millionen Euro verdient, nach 4,49 Millionen Euro im Vorjahr.

Stefan Heidenreich - Beiersdorf

Ende April hatte Stefan Heidenreich beim Kosmetikkonzern Beiersdorf das Amt des Vorstandschefs übernommen. Im Jahr 2012 verdiente er 2,6 Millionen Euro.

Herbert Hainer - Adidas

Das Adidas-Ergebnis fiel 2012 vor allem wegen eines schwachen Geschäfts der Marke Reebok nicht so rosig aus. Adidas-Chef Herbert Hainer verdiente 2012 insgesamt 4,18 Millionen Euro und damit 28 Prozent weniger als 2011 (5,14 Millionen Euro).

Heinrich Hiesinger - Thyssen-Krupp

Bei Thyssen-Krupp kämpft Vorstandschef Heinrich Hiesinger mit der Aufarbeitung diverser Skandale und Fehlinvestitionen. Im Geschäftsjahr 2011/2012 (bis 30. September) verdiente er 3,85 Millionen Euro.

Karl-Ludwig Kley - Merck

Der Vorstandschef des Pharmakonzern verdiente 2012 insgesamt 5,52 Millionen Euro und damit fast ein Drittel mehr als 2011 (4,2 Millionen Euro).

Peter Löscher - Siemens

Der Österreicher verdiente im Geschäftsjahr 2011/2012 insgesamt 7,87 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es 8,74 Millionen Euro.

René Obermann - Deutsche Telekom

Ende 2013 gibt René Obermann sein Amt an den jetzigen Finanzvorstand Timotheus Höttges weiter. Obermann verdiente 2012 insgesamt 3,78 Millionen Euro und damit nahezu unverändert so viel wie 2011 (3,85 Millionen Euro).

Wolfgang Reitzle - Linde

Der Linde-Chef hat gesagt, kein Interesse an einer Vertragsverlängerung zu haben. Im Jahr 2012 verdiente er bei dem Industriegase-Spezialisten 6,9 Millionen Euro, fast genau so viel wie ein Jahr zuvor.

Kasper Rorsted - Henkel

Der dänische Chef des Konsumgüter- und Klebstoffkonzerns Henkel, Kasper Rorsted, hat im Jahr 2012 insgesamt 6,18 Millionen Euro verdient, ein sattes Plus von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr (4,79 Millionen Euro).

Peter Terium – RWE

Zur Jahresmitte 2012 hatte Peter Terium den Spitzenposten beim Energiekonzern RWE angetreten. Er verdiente im Jahr 3,8 Millionen Euro, ein sinnvoller Vergleich zum Vorjahr ist nicht möglich.

Martin Winterkorn - Volkswagen

Der VW-Chef erhält rund 14,5 Millionen Euro für das abgelaufene Jahr (2012) und damit 5,5 Millionen weniger, als ihm nach den zuletzt gültigen Kriterien zugestanden hätten.

Damit will VW verhindern, erneut ins Zentrum einer Diskussion um hohe Managementbezüge zu geraten wie 2011, als Winterkorn mehr als 17 Millionen Euro verdiente.

Dieter Zetsche - Daimler

Der Daimler-Vorstandschef hat im vergangenen Jahr inklusive Aktienoptionen 8,15 Millionen Euro verdient. Das war etwas weniger als 2011 (8,65 Millionen Euro).

Quelle

Geschäftsberichte / Hostettler, Kramarsch & Partner

„Das Parlament hat dem Druck der britischen Regierung widerstanden und keine Änderung an der Deckelung von Bonuszahlungen mehr zugelassen“, erklärte der Verhandlungsführer der Sozialdemokraten in der Volksvertretung, Udo Bullmann. „Gegen erbitterte Widerstände aus nationalen Hauptstädten und der Finanzindustrie wird Europa schon 2014 ein Stück gerechter.“

Gehälter der Wall-Street-Größen

John Stumpf

Streng genommen ist John Stumpf kein Wall-Street-Banker. Doch mit einer Jahresvergütung von 19,3 Millionen Dollar hat Wells Fargo mit Hauptsitz an der Westküste der USA ihren Chef an die Spitze der Finanzindustrie katapultiert. Während Branchengrößen wie JP-Morgan-Chef Jamie Dimon Einbußen hinnehmen mussten, stieg das Einkommen von Stumpf 2012 um acht Prozent. Nach Rekordgewinnen im vergangenen Jahr stockte Wells Fargo Stumpfs Grundgehalt von 2,8 Millionen Dollar mit einem Bonus von vier Millionen Dollar und Aktien im Wert von 12,5 Millionen Dollar auf.

Brian Moynihan

Der Chef der Bank of America hat im Jahr 2012 stolze 12,1 Millionen Dollar verdient. Damit rückt er in die Liga der bestbezahlten Manager der US-Bankenwelt ein. Die Vergütung von Brian Moynihan stieg gegenüber dem Vorjahr um 73 Prozent. Doch die Spitzenverdiener, Loyd Blankfein von Goldman Sachs und John Stumpf von Wells Fargo, überholt er nicht überholen.

James Gorman

Morgan-Stanley-Chef James Gorman verdiente 2012 mit 9,75 Millionen Dollar sieben Prozent weniger als im Vorjahr.

Jamie Dimon

Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, nimmt eine Halbierung seines Bonus für 2012 hin. Er kassiert 11,5 Millionen Dollar. Das Institut wurde von einem Händlerskandal erschüttert. Ein Mitarbeiter mit dem Spitznamen „Londoner Wal“ hatte mehr als sechs Milliarden Dollar verzockt.

Michael Corbat

Der neue Citigroup-Vorstandschef Michael Corbat streicht für 2012 ein sattes Gehalt von 11,5 Millionen US-Dollar ein. Corbat übernahm den Spitzenposten erst im Oktober vergangenen Jahres und stellte die Weichen für den Abbau von 11.000 Stellen.

Zu dem Paket gehören auch strengere Regeln für den Bankensektor. Damit verankert die EU die Bankenrichtlinie „Basel III“. Die Banken sollen dadurch besser gegen künftige Krisen gewappnet sein. Sie müssen deshalb mehr Eigenkapital bereithalten. Zunächst steigt die geforderte Quote auf acht Prozent. Bis 2019 soll sie 10,5 Prozent erreichen.

Die EU-Finanzminister hatten dem Kompromiss schon bei ihrem Treffen Anfang März weitestgehend zugestimmt. Wegen britischen Widerstands gegen die Bonus-Regelungen waren jedoch weitere Beratungen nötig gewesen.

Sonderzahlungen: Wall Street-Banker erhalten 20 Milliarden Dollar Boni

Sonderzahlungen

Wall Street-Banker kassieren höhere Boni

Die Bonuszahlungen für Wall-Street-Banker sind 2012 auf 20 Milliarden Dollar gestiegen.

Strittig war bis zuletzt, wie mit langfristig ausgezahlten Boni umgegangen werden soll. Bei einem Viertel der Extrazahlungen kann unter bestimmten Bedingungen ein Inflations- und Risikoausgleich geltend gemacht werden. Eine absolute Grenze für Boni ist nicht vorgesehen.

Die EU-Kassenhüter und das Europaparlament müssen den Kompromiss nun noch formal beschließen. Die Vorschriften werden voraussichtlich am 1. Januar 2014 in Kraft treten. Anfang 2019 sollen alle Teile der Regulierung vollständig umgesetzt sein.

Revolutiönchen

Europa deckelt Banker-Boni

Revolutiönchen: Europa deckelt Banker-Boni

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Von

dpa

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

erst_nachdenken

21.03.2013, 11:50 Uhr

wie lächerlich. Bei den ganzen Bankenkrisen hat die EU auf kompletter Linie versagt:

- funktionierende Regeln zum Risikomanagement der Banken: Fehlanzeige
- Überwachung des Bankentreibens: Fehlanzeige
- Bankmanagement zur Verantwortung ziehen/ juristische und finanzielle Aufarbeitung der Fehlspekulationen: Fehlanzeige
- Eigentümer am Schaden beteiligungen durch radikale Kapitalschnitte und anschließender Kapitalerhöhung: Fehlanzeige
- Nachranggläubiger an der Sanierung beteiligen: Fehlanzeige
- Abwicklung unrentabler Banken: Fehlanzeige
- Staatsfinanzierung unabhängig von Banken-/EZB-Systems: Fehlanzeige

Die Politik hat auf ganzer Linie versagt, die Finanzierung der Krisenländer ist komplett abhängig von der EZB/ dem Bankensystem. Um von der eigenen Unfähigkeit abzulenken schieben die Politiker die Schuld auf andere und betreiben lächerliche Symbolpolitik. Das ist nur noch widerlich.

Account gelöscht!

26.03.2013, 23:48 Uhr

Die Deckelung der Bänkereinkommen ist ein typisches Mittel aus der Werkzeugkiste der Planwirtschaftspolitiker, die immer noch nicht wahrhaben wollen, daß die Sozistaaten wie UdSSR, SBZ, .... gerade daran pleite gagangen sind.
Erstens funktioniert das System wie nachgewiesen grundsätzlich nicht und
zweitens vergeudet es Unsummen für Tausende neu einzustellenden Beamten (aus dem passenden parteipolitischen Netzwerk), die die Durchführung überwachen sollen.
Selbst die Decklung nach Massgabe der Maastrichtkrierien für die wenigen Eurostaaten hat von Jahr zu Jahr nicht funktioniert; wie soll das bei Tausenden von Bänkstern funktionieren, zumal für sie die Betrügereinen vielfach Lebenselexier sind.
Ein Gegenargument aus dem Kreis der Hochintelligenz rund um Schäuble zu folgendem Gesetz (für dessen Anwendung keine einziger neuer Steuerbeamte eingestellt werden muß) wird erbeten:
Der Spitzensteuersatz für in Deutschland erbrachte Arbeit beträgt oberhalb von z.B. 500000 Euro 100%.
Nebenbedingung: Beratung der Spitzenverdiener in Sachen Schwarzer Kassen durch Wolfgang Schäuble wird unter Strafe gestellt. Mindeststrafe: 3 Wochen Aushilfe in einer Suppenküche bei garantiertem Mindestlohn.
Das Gesetz gilt für alle, einschließlich Politiker. Auch Peer Steinbruch.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×