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28.02.2013

07:12 Uhr

Bonusschranke

Einigung über Grenzen für Banker-Boni in der EU

Europäische Banken müssen ab 2014 Sonderprämien an Mitarbeiter begrenzen. Sie dürfen künftig nur noch so hoch sein wie das feste Grundgehalt. Die Banker hatten sich mit Zahlungen in Multimillionenhöhe in Verruf gebracht.

Die Hochhäuser der Banken in Frankfurt am Main. dpa

Die Hochhäuser der Banken in Frankfurt am Main.

BrüsselDie Banken in der Europäischen Union müssen ab dem kommenden Jahr Bonuszahlungen an ihre Mitarbeiter in Grenzen halten. Das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedstaaten einigten sich nach monatelangen zähen Verhandlungen in der Nacht zum Donnerstag in Brüssel auf eine Deckelung der Sonderzahlungen. Die Vorschriften sollen Anfang nächsten Jahres greifen. Die Volksvertretung und die EU-Staaten müssen dem Kompromiss noch endgültig zustimmen.

„Zum ersten Mal in der Geschichte der EU-Finanzmarktregulierung werden Boni für Banker gedeckelt“, erklärte der Verhandlungsführer des Parlaments, der österreichische Abgeordnete Othmar Karas. Sie dürfen künftig prinzipiell nur noch so hoch ausfallen wie das feste Grundgehalt. „Unter gewissen Bedingungen“ könne die variable Vergütung doppelt so hoch ausfallen wie die feste. Die Obergrenze könne höher ausfallen, wenn die Boni erst nach einer längeren Wartezeit an die Manager beziehungsweise Wertpapierhändler ausgezahlt würden, sagten EU-Diplomaten. Voraussetzung dafür sei, dass die Prämie aus Wertpapieren mit einer Laufzeit von mindestens drei Jahren bestehe.

Viel wichtiger an dem Gesetzespaket seien aber laut Karas die neuen Eigenkapitalregeln. Die Banken würden durch höhere Kapitalanforderungen stabiler.

Pläne des EU-Parlaments: Banken fürchten zu starke Bonus-Regulierung

Pläne des EU-Parlaments

Banken fürchten starke Bonus-Regulierung

Das EU-Parlament will die Regeln für Bonuszahlungen an Bank-Manager verschärfen.

Die Bonus-Grenze hat das Parlament gegen monatelangen Widerstand der Mitgliedstaaten durchgesetzt. Vor allem Großbritannien, wo der Finanzsektor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, sperrte sich gegen den Eingriff in die Vergütungspolitik der Banken. Die Mitgliedstaaten hatten auf Ausnahmen gedrängt. Im Detail werden die Regelungen am Donnerstagmorgen in Brüssel vorgestellt.

Wie der irische Finanzminister Michael Noonan erklärte, sollen die Regeln sicherstellen, dass die Vergütungspraxis der Banken nicht zu einer exzessiven Risikobereitschaft ihrer Angestellten führt. Auch herrscht in der Öffentlichkeit Empörung darüber, dass Banken mit zig Milliarden Euro öffentlichem Geld gerettet werden mussten, viele Staaten jetzt einen harten Sparkurs fahren müssen – und die Bankmanager trotzdem Millionen an Bonuszahlungen kassieren.

Gehälter der Wall-Street-Größen

John Stumpf

Streng genommen ist John Stumpf kein Wall-Street-Banker. Doch mit einer Jahresvergütung von 19,3 Millionen Dollar hat Wells Fargo mit Hauptsitz an der Westküste der USA ihren Chef an die Spitze der Finanzindustrie katapultiert. Während Branchengrößen wie JP-Morgan-Chef Jamie Dimon Einbußen hinnehmen mussten, stieg das Einkommen von Stumpf 2012 um acht Prozent. Nach Rekordgewinnen im vergangenen Jahr stockte Wells Fargo Stumpfs Grundgehalt von 2,8 Millionen Dollar mit einem Bonus von vier Millionen Dollar und Aktien im Wert von 12,5 Millionen Dollar auf.

Brian Moynihan

Der Chef der Bank of America hat im Jahr 2012 stolze 12,1 Millionen Dollar verdient. Damit rückt er in die Liga der bestbezahlten Manager der US-Bankenwelt ein. Die Vergütung von Brian Moynihan stieg gegenüber dem Vorjahr um 73 Prozent. Doch die Spitzenverdiener, Loyd Blankfein von Goldman Sachs und John Stumpf von Wells Fargo, überholt er nicht überholen.

James Gorman

Morgan-Stanley-Chef James Gorman verdiente 2012 mit 9,75 Millionen Dollar sieben Prozent weniger als im Vorjahr.

Jamie Dimon

Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, nimmt eine Halbierung seines Bonus für 2012 hin. Er kassiert 11,5 Millionen Dollar. Das Institut wurde von einem Händlerskandal erschüttert. Ein Mitarbeiter mit dem Spitznamen „Londoner Wal“ hatte mehr als sechs Milliarden Dollar verzockt.

Michael Corbat

Der neue Citigroup-Vorstandschef Michael Corbat streicht für 2012 ein sattes Gehalt von 11,5 Millionen US-Dollar ein. Corbat übernahm den Spitzenposten erst im Oktober vergangenen Jahres und stellte die Weichen für den Abbau von 11.000 Stellen.

Der SPD-Abgeordnete Udo Bullmann, der die Sozialdemokraten in den Verhandlungen vertrat, sagte: „Das heutige Verhandlungsergebnis deckelt die Bonuszahlung grundsätzlich auf die Höhe des Fixgehalts. Das bedeutet eine Revolution im Finanzmarkt, wo Verzehnfachungen des Gehalts keine Seltenheit sind. Wir legen zudem explizit Verantwortung in die Hände der Eigentümer der Banken, vertrauen ihnen aber nicht blind.“

Die Regelungen zu den Boni sind Teil der schärferen Kapitalvorschriften für die Finanzbranche (Basel III), auf die man sich international verständigt hat. Diese sollen Schieflagen von Banken künftig verhindern. Dies bedeutet, dass Kreditinstitute vom kommenden Jahr an mehr Geld bereithalten müssen, um ihre Geschäfte abzusichern. Laut Karas gehören dazu auch mehrere Maßnahmen, um die Kreditvergabe an den Mittelstand zu vereinfachen. „Das neue Bankengesetz ist nicht nur ein Stück Bankenregulierung, sondern dient der Finanzierung der realen Wirtschaft.“

„Ich glaube, dass das Kompromisspaket, das wir heute Nacht erreicht haben, gut ausbalanciert ist“, sagte der irische Chef-Kassenhüter Noonan, der das Paket am kommenden Dienstag in Brüssel beim Finanzministerrat seinen EU-Kollegen vorlegen will. Während der Verhandlungen habe man verschiedene Interessen berücksichtigen müssen: „Den Wunsch, die Bezahlungen der Banker zu begrenzen, während ein konkurrenzfähiger europäischer Bankensektor erhalten wird.“

Kommentare (6)

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GleichesRechtfuerAlle

28.02.2013, 08:04 Uhr

Die Beschränkung von Gehalts- bzw. Bonusobergrenzen auf eine bestimmte Berufsgruppe (Bankmitarbeiter) dürfte verfassungswidrig sein.
Wenn Obergrenzen, dann für alle Berufsgruppen, also auch in der Autoindustrie, Technologiesektor, ..., und auch die lieben Spitzensportler. Sonderprämie für die Weltmeisterschaft? Ja, gerne, aber nicht höher als das vom DFB an die Fussballer gezahlte Grundgehalt und die Auszahlung gestreckt auf die nächsten 3 Jahre. Wenn in dieser Zeit ein Fussballspiel mit Beteiligung des entsprechenden Fussballers verloren wird, verfällt der Bonusanspruch.

Ludwig500

28.02.2013, 08:36 Uhr

Nette Beruhigungspille für´s Volk. Selbst als Nichtbanker kommt man ganz schnell auf die Idee, das Gehalt deutlich anzuheben und die Boni prozentual etwas zu reduzieren.

Michael

28.02.2013, 08:41 Uhr

Zum einen streichen diese Menschen sich dass selbe Geld dann über andere Wege zusammen.
Zum anderen sollte man zumindest mal einen Blick über "den grossen Teich" werfen. Dort gehen Banker-Boni rauf zur halben Milliarde (vermutlich mehr. Öffentlich bekannt ist ja nicht immer alles...)

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