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15.11.2013

11:11 Uhr

Bootsunglück

Tragödie im Ionischen Meer

Im Mittelmeer ereignete sich eine neue Flüchtlingstragödie, diesmal an der Westküste Griechenlands. Migranten versuchten nach Italien zu gelangen, doch ihr Boot kenterte. Dabei ertranken zwölf Flüchtlinge.

Ein Boot der italienischen Küstenwache rettet Flüchtlinge. Die Migranten, die in Griechenland ertranken, waren auf dem Weg nach Italien. dpa

Ein Boot der italienischen Küstenwache rettet Flüchtlinge. Die Migranten, die in Griechenland ertranken, waren auf dem Weg nach Italien.

AthenBei einem Bootsunglück vor der Küste der griechischen Insel Lefkas sind im Ionischen Meer am Freitag zwölf Flüchtlinge ertrunken. 15 Menschen wurden gerettet. Dies teilte die griechische Küstenwache am Freitag mit. Unter den Toten seien auch vier Kinder, berichteten Augenzeugen aus der Region.

Die Behörden vermuten, die Migranten seien vor mehreren Wochen aus der Türkei gekommen und danach nach Westgriechenland gelangt, um anschließend weiter nach Italien zu fahren. Ihr Boot kenterte in der Meerenge zwischen Westgriechenland und der Insel Lefkas.

Lampedusa – die Flüchtlingsinsel

Geographie

Die kleine italienische Mittelmeerinsel Lampedusa südlich von Sizilien ist wegen ihrer Nähe zu Afrika seit Jahren für Bootsflüchtlinge das Tor nach Europa. Die Küste Tunesiens ist nur 130 Kilometer entfernt. Mit etwa 20 Quadratkilometern ist Lampedusa die größte der Pelagischen Inseln. Das Eiland hat etwa 5000 Einwohner.

Flüchtlinge

Immer wieder wagen Migranten aus Nordafrika die gefährliche Überfahrt nach Europa. Ihre Boote sind oft kaum seetüchtig, viele Menschen sind schon ertrunken. Zwischen Juli 2008 und Juli 2009 erreichten mehr als 20 000 Einwanderer aus Nordafrika Lampedusa. Dann ließ die rigide Abschiebepolitik der damaligen Regierung von Silvio Berlusconi die Zahlen stark zurückgehen.

Arabischer Frühling

Nach dem Beginn der Umwälzungen in den arabischen Ländern schwoll der Flüchtlingsstrom 2011 erneut drastisch an. Zehntausende landeten auf Lampedusa. Die Lage eskalierte, als zeitweise bis zu 6000 Immigranten unter unerträglichen Bedingungen auf der Insel festsaßen.

Aufnahmezentrum

Das offene Durchgangslager - es gibt kein geschlossenes Aufnahmezentrum mehr - hat nach Angaben des italienischen Flüchtlingsrates CIR knapp 400 Bettstellen. Manchmal sind dort aber mehr als 1000 Menschen. Vor zwei Jahren hatte ein Feuer einen Teil des Zentrums zerstört, der nur teilweise wiederaufgebaut wurde.

Verschärfung

Nach einem Rückgang 2012 strandeten in der ersten Jahreshälfte 2013 nach offiziellen Zahlen 3648 Menschen auf Lampedusa - mehr als dreimal so viele wie im gleichen Vorjahreszeitraum. In den vergangenen Wochen verschärfte sich die Lage weiter.

Ein Offizier der Küstenwache sagte der Nachrichtenagentur dpa, die Migranten stammten nach ersten Erkenntnissen aus verschiedenen Ländern des Nahen Ostens. In der Ägäis und im Ionischen Meer kommen immer wieder Flüchtlinge beim Versuch ums Leben, von Griechenland nach Italien zu gelangen.

In Griechenland leben mittlerweile mehr als eine Million Migranten - bei einer Gesamtbevölkerung von knapp elf Millionen Menschen. Allein in den vergangenen beiden Jahren wurden mehr als 230.000 illegale Einwanderer aufgegriffen. Die dramatische Finanzlage, die hohe Arbeitslosigkeit und die große Zahl Migranten und Flüchtlinge aus asiatischen und afrikanischen Staaten sind sozialer Sprengstoff in Griechenland.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Bademeister

15.11.2013, 14:18 Uhr

Wer bis zu 6.000,-- € für den Schlepper abdrücken muss, sollte doch wohl noch ein paar Euros übrig haben für eine Schwimmweste - und, was noch wichtiger ist, für einen Schwimmkurs.

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