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23.03.2016

16:01 Uhr

Boris Johnson und der EU-Abschied

Die schwierige Premiere eines Brexit-Befürworters

VonCarsten Herz

Der Wortführer der Brexit-Kampagne, der Londoner Bürgermeister Boris Johnson, wirbt erstmals vor britischen Abgeordneten für den EU-Austritt. Doch der wortgewandte Spitzenpolitiker tut sich dabei schwerer als gedacht.

Der Londoner Bürgermeister und Brexit-Befürworter musste sich am Mittwoch kritische Fragen und Sticheleien gefallen lassen. (Archivfoto) Reuters

Boris Johnson

Der Londoner Bürgermeister und Brexit-Befürworter musste sich am Mittwoch kritische Fragen und Sticheleien gefallen lassen. (Archivfoto)

LondonBoris Johnson lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Ein Ausstieg aus der EU, das wiederholt der scheidende Bürgermeister von London mehrfach am Mittwoch vor dem britischen Parlament, sei gut für Großbritannien. Den EU-Befürwortern attestiert er dagegen das „Stockholm-Syndrom“. Der Begriff beschreibt das Phänomen, dass Geiseln in ihrer Haft oft positive Gefühle für ihre Entführer entwickeln.

Johnson beweist dabei abermals, dass er ein Freund starker Worte ist. Im Februar hatte sich der populäre Londoner Bürgermeister in der Frage „Brexit oder nicht“ offen gegen den britischen Premier David Cameron gestellt und gilt seitdem als Schlüsselfigur im Lager der Brexit-Befürworter. Doch der wortgewandte Spitzenpolitiker tut sich vor dem Finanzausschuss des britischen Parlaments schwerer als gedacht. Mehrfach halten die Abgeordneten dagegen, unterbrechen ihn und hinterfragen die Worte des politischen Schwergewichts.

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Es ist eine schwierige Premiere des Brexit-Befürworters, der sich erstmals im Parlament zu dem heiklen Thema ausführlich äußern darf. Als sich Cameron Ende Februar nach dem EU-Gipfel im Unterhaus mit einer großen Pro-EU-Rede ins Zeug legte, gab sich Johnson noch zahm. Er stellte nur eine kurze Frage und verzichtete auf den großen Auftritt.

Doch nun wird der „Thatcher-Raum“, in dem der Finanzausschuss tagt, zu Johnsons Bühne. Der Politiker erscheint als einer der ersten im Raum. Johnson, der ein Meister darin ist, auf der Klaviatur des Populismus zu spielen, scheint sich auf seinen Auftritt zu freuen. Der oft nachlässig gekleidete Tory-Politiker hat sich in Schale geworfen, er trägt einen dunkelblauen Anzug mit lila Krawatte. Offensichtlich stellt er sich auf eine längere Debatte ein: Er hat einen großen braunen Kaffeebecher mitgebracht, an dem er aber in den nächsten Stunden kaum nippen wird. Denn es wird für Johnson ungemütlicher als erwartet.

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