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05.03.2013

13:55 Uhr

Borneo

Malaysias Militär rückt gegen Besetzer vor

Drei Wochen lang hat Malaysia versucht, mehr als 200 philippinische Landbesetzer auf Borneo friedlich zur Aufgabe zu bewegen. Aber nach blutigen Ausschreitungen greifen Kampfjets und Bodentruppen an.

Einsatz malaysischer Soldaten  auf Borneo. AP/dpa

Einsatz malaysischer Soldaten auf Borneo.

Kuala LumpurMit voller Militärgewalt ist Malaysia gegen philippinische Besetzer in seiner Provinz Sabah auf der Insel Borneo vorgerückt. Die Armee attackierte am Dienstag ein Camp mit rund 200 Anhängern des Sultans der philippinischen Provinz Sulu. Über Tote oder Verletzte gab es zunächst keine Angaben. Die teils bewaffneten Rebellen haben sich dort seit drei Wochen verschanzt und wollen alte Territorialansprüche geltend machen. „Die Regierung muss eingreifen, um ihre Würde und die Souveränität zu verteidigen“, sagte Malaysias Regierungschef Najib Razak.

Die philippinische Regierung distanzierte sich von den Besetzern. „Wir haben alles getan, um (diese Eskalation) zu verhindern, aber die Leute des Sultans haben sich für diesen Weg entschieden“, sagte Informationsminister Ramon Carandang. In der philippinischen Hauptstadt Manila protestierten Muslime gegen den Militäreinsatz. Bei Konfrontationen mit den Besetzern sind seit Freitag mindestens 19 Rebellen und acht Polizisten umgekommen.

Die Umgebung von Lahad Datu an der Ostküste Borneos wurde am Dienstag von Bombenexplosionen erschüttert, wie Einheimische der Zeitung „The Sun“ berichteten. Sie seien in Panik geflüchtet. „Es gab Schusswechsel“, sagte Polizeichef Ismail Omar, Bodentruppen seien vorgerückt. „Wir können noch nichts über Tote oder Verletzte auf Seiten der Eindringlinge sagen, aber bei uns gab es keine Opfer.“ Die malaysischen Kräfte hätten jedes Haus in einem Vier-Kilometer-Radius durchsucht.

Die Frau des Sultans von Sulu, Fatima Kiram, sagte in Manila, die Philippiner in Sabah seien alle in Sicherheit. Sie flehte andere Länder an einzugreifen, „damit dies nicht in einem Bürgerkrieg endet“. Die Philippiner hätten sich friedlich niederlassen wollen. Ihr Mann hatte in den vergangenen Tagen anders geklungen. Er wolle seinen Anspruch auf Sabah durchsetzen, sagte er.

Seine Vorfahren hatten die Provinz - etwas größer als Bayern - 1878 am eine britische Kolonialfirma verpachtet. Die gab das Land 1600 Kilometer östlich der Hauptstadt Kuala Lumpur auf der malaiischen Halbinsel nach der Unabhängigkeit an Malaysia weiter.

Die besetzte Region liegt rund 170 Kilometer südlich von Sandakan, dem Ausgangspunkt für zahlreiche Touristentouren etwa in den Dschungel. Vor der Küste liegt das Taucherparadies Sipadan. Im Jahr 2000 hatten philippinische Muslim-Rebellen dort 22 Touristen entführt und sie teils monatelang im Dschungel festgehalten, darunter die deutsche Familie Wallert. Aktuell hätten einige Touristen umgebucht, räumte der malaysische Tourismusminister Yen Yen an Dienstag ein. Sabah wollte in diesem Jahr drei Millionen Besucher anziehen. Das Auswärtige Amt riet nicht von Reisen nach Sabah ab, empfahl aber, die Distrikte in der Nähe des Unruhegebiets zu meiden.

Von

dpa

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