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05.04.2016

01:51 Uhr

Botschaft an die Regierung

Hackerangriff trifft Millionen Türken

Ausweisnummern, Adressen, Geburtstage, selbst die Namen der Eltern: Diese Informationen über Millionen türkische Bürger stehen offenbar im Netz – zusammen mit einer Botschaft an Erdogans Regierung.

Ausweisnummern gehören zu den privaten Daten aus der Türkei, die eine Hackergruppe offenbar im Internet veröffentlicht hat. dpa

Türkischer Reisepass

Ausweisnummern gehören zu den privaten Daten aus der Türkei, die eine Hackergruppe offenbar im Internet veröffentlicht hat.

IstanbulHacker haben persönliche Daten von mutmaßlich fast 50 Millionen türkischen Bürgern online veröffentlicht. Die Nachrichtenagentur AP konnte am Montag die Authentizität des Lecks teilweise bestätigen, indem sie zehn nicht-öffentliche türkische Ausweisnummern mit Namen in dem Datensatz verglich. Acht stimmten überein.

Dies wäre eines der größten öffentlichen Lecks aller Zeiten. Die Online-Seite scheint von einer isländischen Gruppe betrieben zu werden, die darauf spezialisiert ist, Lecks zu enthüllen. Sie benutzt Server in Rumänien.

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Die türkische Behörden wollten sich zunächst nicht zu dem Leck äußern. Der durchgesickerte Datensatz enthält mehr als 49,6 Millionen Einträge und gibt erhebliche private Informationen preis. Dadurch werden Identitätsdiebstahl und Betrug ermöglicht. Die Daten enthalten die Ausweisnummern, Adressen, Geburtstage und die Namen der Eltern.

Zu der Veröffentlichung des Lecks wurde eine Botschaft gestellt: „Wer hätte sich vorgestellt, dass rückwärts gerichtete Ideologien, Vetternwirtschaft und steigender religiöser Extremismus in der Türkei zu einer zerbröckelnden und verwundbaren technischen Infrastruktur führen?“ heißt es da.

Darüber hinaus fordern die Hacker die Türkei auf, Lektionen zu lernen: „Die Verlagerung von Bits ist keine Verschlüsselung.“ Die Hacker wandten sich auch an die USA: „Wir sollten wirklich nicht (Donald) Trump wählen. Dieser Kerl klingt so, als ob er noch weniger als (der türkische Präsident Recep Tayyip) Erdogan weiß, wie man ein Land führt.“

Hackerangriffe auf staatliche Einrichtungen

März 2011

Kriminelle stehlen 24.000 Dokumente mit Daten des US-Verteidigungsministeriums. Nach offiziellen US-Angaben sind die Hacker im Auftrag eines ausländischen Geheimdienstes in Rechner einer Vertragsfirma des Pentagons eingedrungen.

Juni 2011

Es wird bekannt, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) Opfer einer Cyber-Attacke geworden ist. Medienberichten zufolge gab es einen Angriff auf das System, in dem hochvertrauliche Daten über die Finanzsituation verschiedener Länder gespeichert sind.

Juli 2011

Bundespolizei und Zoll in Deutschland werden Opfer eines Hacker-Angriffs. Die Gruppe „No-Name Crew“ hat nach eigenen Angaben von einem Rechner der Bundespolizei Daten der Zollfahndung gestohlen und ins Internet gestellt.

Februar 2012

Hacker legen für mehrere Stunden die Website des US-Geheimdienstes CIA lahm. Auch Internetseiten der Vereinten Nationen, eines mexikanischen Bergbau-Verbandes und des US-Bundesstaates Alabama werden angegriffen.

März 2014

Mehrere Internetseiten der Nato werden stundenlang durch Hackerangriffe lahmgelegt. Die „Integrität der Datensysteme der Nato“ sei dadurch nicht beeinträchtigt worden, erklärt die Organisation.

Januar 2015

Hacker verschaffen sich Zugang zum Twitter- und zum YouTube-Konto des US-Zentralkommandos Centcom mit Sitz in Tampa (Florida). Centcom koordiniert unter anderem die Luftschläge gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak und in Syrien.

Juni 2015

Die Personalbehörde der US-Regierung unterrichtete nach eigenen Angaben etwa vier Millionen Amerikaner über einen möglichen Diebstahl sensibler Daten. Hinter dem massiven Cyberangriff werden Medien zufolge Hacker aus China vermutet.

Hacker versuchen häufig, Zugang zu sensiblen Daten zu bekommen. Die Türkei ist nicht der erste Staat, dem Daten gestohlen werden. Zu den schwersten Vorfällen zählt einer vor knapp einem Jahr in den USA: Das Büro für Personalverwaltung enthüllte, dass Hacker Zugang zu persönlichen Informationen von mehr als 22 Millionen öffentlich angestellten US-Bürgern, Rentnern und Unternehmern sowie Millionen sensibler und geheimer Dokumente bekommen hätten.

Die US-Behörden vermuteten, dass dahinter eine chinesische Spionageoperation gesteckt habe.

Von

ap

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