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17.01.2017

20:30 Uhr

Boykott von Trumps Vereidigung

Donald sucht den Superstar

Donald Trump hat für seine Vereidigungszeremonie ein Rekord-Budget eingesammelt. Trotzdem droht das Event für den künftigen US-Präsidenten zur Blamage zu werden. Denn aus Hollywood und der Musikwelt hagelt es Absagen.

Internationale Musikstars verabschieden sich unter Tränen vom scheidenden US-Präsidenten Obama – und distanzieren sich von der Vereidigung des zukünftigen Präsidenten. AP

Donald Trump

Internationale Musikstars verabschieden sich unter Tränen vom scheidenden US-Präsidenten Obama – und distanzieren sich von der Vereidigung des zukünftigen Präsidenten.

WashingtonWenn Barack Obama eine Party schmeißt, kommen sie alle: die Crème de la Crème der Filmbranche, weltberühmte Popstars, Musiker-Legenden, Talkmaster, Comedians, Spitzensportler. Selbst die erfolgreichsten Prominenten lassen sich nicht zweimal bitten, wenn der als kultiviert geltende US-Präsident mit seiner Frau Michelle ins Weiße Haus einlädt. Sobald Nachfolger Donald Trump mit Frau Melania am Freitag an der 1600 Pennsylvania Avenue in Washington vorfährt, brechen für Hollywood und die Stars der Musikwelt andere Zeiten an.

Wie tief die Gräben zwischen dem Republikaner und der vorwiegend linksliberal eingestellten Kunstwelt der USA ist, zeigt schon Trumps Suche nach Stars für seine Vereidigungszeremonie. Die peinlichste Absage kam von Elton John: Nachdem ein Mitarbeiter Trumps in einer BBC-Sendung erklärt hatte, dass der britische Sänger auftreten würde, reagierte dessen Sprecher mit einem entschiedenen Dementi. Auch die Beach Boys, die Dixie Chicks, die britische Sängerin Rebecca Ferguson und der italienische Tenor Andrea Bocelli waren nach Medienberichten nicht für die Feierlichkeiten vor dem Kapitol zu gewinnen.

Der Gedanke an einen Auftritt für Trump scheint für manche Musiker sogar komplett aberwitzig zu sein. „Hahahahaha, wartet, Hahahaha, wirklich?“, schrieb DJ Moby auf Instagram, als ein Booking-Agent ihn im Auftrag Trumps kontaktiert hatte. „Ich lache immer noch.“ So einen Auftritt würde er höchstens in Betracht ziehen, wenn Trump im Gegenzug seine Steuererklärung veröffentlichen würde. Broadway-Sängerin Jennifer Holliday sagte erst zu - und dann nach lautstarker Kritik ihrer Fans wieder ab. Ihr sei ein „Fehler in der Beurteilung“ unterlaufen.

Welche Musiker bei Trumps Amtseinführung auftreten (und welche nicht)

Abgesagt

Moby, The Chainsmokers, Andrea Bocelli, Elton John – sie alle kommen nicht. Donald Trump holte sich bei seinen Wunschmusikern für seine Amtseinführung am 20. Januar reihenweise Körbe ab. Ein paar Künstler erbarmten sich allerdings doch. Eine Übersicht.

Jackie Evancho

Die Sängerin der Wahl für die Nationalhymne: Jackie Evancho. Wer? Die heute 16-Jährige belegte 2010 den zweiten Platz in „America's Got Talent“, dem Vorbild der deutschen Castingshow „Das Supertalent“. Ursprünglich wurde sie als großes Nachwuchstalent für die Opernbühne gehandelt, dann wandte sie sich allerdings der Popmusik zu. Außerdem spielte sie in „The Company You Keep - Die Akte Grant“ (orig.: The Company You Keep ) an der Seite Robert Redfords.

The B-Street Band (Bruce Springsteen Cover Band)

Als engstirnigen Idioten und Rassisten bezeichnete Bruce Springsteen während des Wahlkampfs Donald Trump. Ob dieser den „Boss“ danach überhaupt nach einem möglichen Auftritt gefragt hat, ist unbekannt – kommen wird Springsteen, anders als zur Amtseinführung Barack Obamas, jedenfalls nicht. Für Trump tritt stattdessen eine Springsteen-Coverband auf.

The Radio City Rockettes

Die Radio City Rockettes, die Tanzgruppe der Radio City Music Hall, besteht aus 36 Tänzerinnen und gilt als eine der besten Showtanzgruppen der Welt. Eine durchaus prominente Truppe also. Dumm nur: Als feste Angestellte müssen die Tänzerinnen des Ensembles zwar auftreten, weil gebucht und vertraglich gebunden. Einige Mitglieder scheinen aber wenig begeistert von einem Auftritt für Trump zu sein. Sie sei „enttäuscht und beschämt“ erklärte beispielsweise eine Tänzerin über das soziale Netzwerk Instagram.

The Mormon Tabernacle Choir

Masse und Klasse – mit dem Mormon Tabernacle Choir bietet Donald Trump ein Schwergewicht der konservativen Sangeskunst auf. Der gemischte Chor der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage besteht aus 360 Freiwilligen, spielte mit den bedeutendsten Orchestern der Welt und hatte große Erfolge in den US-Charts. Unumstritten ist die Truppe freilich nicht, so dürfen beispielsweise offen Homosexuelle nicht Mitglied werden.

Big & Rich

Na klar: Country-Musik darf bei der Amtseinführung des vermeintlichen Präsidenten der Abgehängten nicht fehlen. Donald Trumps Wahl fiel auf das Duo Big & Rich, das in der Vergangenheit einige bescheidene Erfolge in den Country-Charts feierte. Das erfolgreichste Album der Band trägt den Titel „Hillbilly Jedi“.

Cowboy Troy

Noch einmal Country – allerdings Country-Rap. Der selbsterklärte „schwarze Konservative“ Cowboy Troy unterstütze 2008 schon Präsidentschaftskandidat John McCain (den Trump während des Wahlkampfs wie so ziemlich jede republikanische Parteigröße mehrfach beleidigte). Nun darf er bei der Amtseinführung eines republikanischen Präsidenten auftreten.

Twitter

Selbstverständlich watschte Trump alle Künstler die ihm absagten auch bereits in einem Rundumschlag auf Twitter ab – und erklärte, sie alle eigentlich sowieso nicht bei seiner Amtseinführung haben zu wollen. In der Nacht zum Donnerstag verkündete er über den Kurznachrichtendienst: „The so-called 'A' list celebrities are all wanting tixs to the inauguration, but look what they did for Hillary, NOTHING. I want the PEOPLE!“

Trump lässt das zumindest äußerlich kalt. „Ich will die Menschen!“, twitterte er im Dezember nach der Behauptung, dass „A-Promis“ sich alle um Tickets zur Vereidigung bemühten. „Das ist nicht Woodstock. Es ist kein Sommer-Jam. Es ist kein Konzert“, pflichtete ihm der für die Vereidigung zuständige Sprecher Boris Epshteyn gegenüber CNN bei.

Das Problem ist nur: Obama hatte schon 2008 das Gegenteil bewiesen. Der damalige Hoffnungsträger holte etwa die Schauspieler Forest Whitaker, Denzel Washington, Tom Hanks und Samuel L. Jackson auf die Bühne. Und mit Auftritten von Bruce Springsteen, Jon Bon Jovi, U2, John Legend und Beyoncé zeigte er, dass die von Millionen verfolgte Zeremonie in Washington feierlich und eine Party zugleich sein kann.

Kommentare (2)

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Herr Chris Adam

18.01.2017, 12:35 Uhr

Ich nehme doch mal an das Trump schlau genug ist zu erkennen das sicher einige der "Stars" kommen würden wenn man nicht im selben Moment mit Schande gestraft würde. Vielleicht sollte man sich in diesem Zusammenhang mal einem Johnny Cash Klassiker hingeben "The one on the right". Politik und Kunst mischt sich nicht gut. An Trumps Stelle würde ich dort garkeine Promis mit dem politischen Wissen eines 7. Klässlers haben wollen.

Und ich finde es auch toll wie herausgearbeitet wurde wer bei Obamas Antritt da war. Hat wohl nix damit zu tun das er der erste schwarze Präsident ist, sondern absolut nur mit seiner Politik. Einen kurzen Lacher ist das schon Wert und würde bei 2 Broke Girls sicher das ganze Fake-Publikum zum ausrasten bringen. Menschen mit Gehirn wissen doch wohl allerdings schon das die Promis eben gekommen sind weil er der erste schwarze Präsident ist und man sich da gerne in seinem Licht sonnt, gerade in Hollywood.

Frau Annette Bollmohr

18.01.2017, 18:42 Uhr

@Herr Chris Adam, 18.01.2017, 12:35 Uhr

"Ich nehme doch mal an das Trump schlau genug ist zu erkennen das sicher einige der "Stars" kommen würden wenn man nicht im selben Moment mit Schande gestraft würde."

Also, ich glaube nicht, dass die "Stars" deshalb nicht kommen, weil sie Angst vor "Schande" haben. Ich glaube vielmehr, die kommen deshalb nicht, weil sie so etwas wie Selbstachtung und gesundes eigenes(!) Urteilsvermögen haben.

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