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20.09.2016

12:48 Uhr

Brand in griechischem Flüchtlingslager

Das programmierte Inferno

VonGerd Höhler

Seit Monaten brodelt es in überfüllten griechischen Flüchtlingslagern. Jetzt kommt es zur befürchteten Katastrophe: Flüchtlinge und Migranten stecken auf Lesbos ein Lager in Brand. Ist das der Beginn größerer Unruhen?

Griechenland

Video aus dem brennenden Lager auf Lesbos

Griechenland: Video aus dem brennenden Lager auf Lesbos

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AthenAusgebrannte Wohncontainer, rußgeschwärzte Metallstreben, verkohlte Balken – am Tag nach dem verheerenden Großbrand gleicht das Flüchtlingslager von Moria auf der griechischen Insel Lesbos einem Schlachtfeld. Löschwasser und Asche haben den Boden in eine schwarze Schlammwüste verwandelt. Flüchtlinge stochern in den Resten der abgebrannten Unterkünfte nach Habseligkeiten. Die meisten konnten nur ein paar Kleidungsstücke und Papiere retten, als das Lager am Montagabend in Flammen aufging.

Die Katastrophe kam nicht unerwartet. Seit langem gab es wachsende Spannungen im Lager Moria. Es ist für 1500 Menschen ausgelegt, beherbergt aber rund 3000 Bewohner. Immer wieder gerieten in den vergangenen Wochen Lagerbewohner verschiedener Nationalitäten aneinander. In Moria leben Menschen aus nicht weniger als 88 Ethnien zusammen. Vor fünf Tagen musste die Bereitschaftspolizei mit Tränengas einschreiten, als Migranten aus Algerien und dem Senegal aufeinander losgingen.

Nach Brand in Flüchtlingslager: Lesbos fordert Auflösung des Lagers

Nach Brand in Flüchtlingslager

Lesbos fordert Auflösung des Lagers

Die Regierung von Lesbos fordert eine Auflösung des Flüchtlingslagers. Die Migranten sollen auf das Festland gebracht werden. Die Polizei nimmt mehrere Flüchtlinge wegen des Verdachts der Brandstiftung fest.

Der Bürgermeister von Lesbos befürchtet eine weitere Eskalation. „Ich weiß nicht, ob es heute sein wird oder in ein, zwei Tagen, aber wenn die Situation nicht umgehend entschärft wird, werden wir sicher wieder neue, noch schlimmere Vorfälle erleben“, sagte Spyros Galinos am Dienstag dem griechischen Radiosender Parapolitika FM. In dem Auffanglager der Insel war es am Montagabend zu Krawallen und Brandstiftung gekommen.

„Angesichts des überfüllten Lagers war es nur eine Frage der Zeit, bis das passiert“, sagte Galinos, der nach eigenen Angaben wiederholt in Athen um Hilfe gebeten hatte. „Es kann nicht sein, dass nur rund 15 Gemeinden in ganz Griechenland die gesamte Flüchtlingsproblematik schultern.“

Seit Montagmorgen hatte sich die Lage auf Lesbos immer weiter zugespitzt. Im Dorf Moria protestierten etwa 500 Einwohner mit einem Demonstrationszug gegen die Überfüllung des Lagers. Die Bewohner fordern eine Umverteilung der Flüchtlinge auf andere Landesteile. Bei der Demonstration zeigten auch Mitglieder der Neonazi-Partei Goldene Morgenröte Flagge. Drei Frauen, die bei der Betreuung der Flüchtlinge helfen, wurden von Neonazi-Schlägern angegriffen.

Die Hotspots in Griechenland

Flüchtlinge in Griechenland

In Griechenland halten sich aktuell etwas mehr als 60.000 Flüchtlinge und Migranten auf. Doch nur fünf der rund 40 bestehenden Auffanglager zählen zu den so genannten Hotspots. Die Situation auf den Inseln zum Stand 20. September 2016 im Folgenden. (Quelle: dpa)

Lesbos

Kapazität: 3500

Flüchtlinge und Migranten: 5708

Chios

Kapazität: 1100

Flüchtlinge und Migranten: 3726

Samos

Kapazität: 850

Flüchtlinge und Migranten: 1513

Leros

Kapazität: 1000

Flüchtlinge und Migranten: 731

Kos

Kapazität: 1000

Flüchtlinge und Migranten: 1714

Im Lager verbreiteten sich derweil Gerüchte, wonach Massenabschiebungen in die Türkei unmittelbar bevorstünden. Eine Gruppe von etwa 300 Menschen verließ daraufhin das Lager und machte sich zum nahegelegenen Dorf Moria auf, wurde aber von der Polizei aufgehalten und zurück in das Camp eskortiert. Dort eskalierten die Unruhen. Aufgebrachte Migranten steckten am Abend Müllcontainer, Zelte und einen benachbarten Olivenhain in Brand.

Die gegen 20 Uhr angerückte Feuerwehr konnte wegen der Krawalle zunächst nicht ins Lager vordringen. Verzweifelte Menschen versuchten, sich durch Löcher im Zaun, der das Camp umgibt, vor den Flammen in Sicherheit zu bringen. Sie flohen auf die umliegenden Felder, einige pilgerten in die sechs Kilometer entfernte Inselhauptstadt Mytilini.

Kommentare (73)

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20.09.2016, 13:02 Uhr

In Deutschland haben die illegalen Einwanderer doch auch schon ihre Wohn- und Versorgungsunterkünfte angezündet.
Die sind nicht auf der Flucht die wollen alle nur das Geld des Deutschen Sozialsystem für sich einnehmen. Nebenbei fordern diese Analphabeten und Kulturbabaren auch noch ein Eigenheim und ein Auto vom deutschen Arbeitnehmer = Steuerzahler.

Account gelöscht!

20.09.2016, 13:10 Uhr

Wer seine Heimat nicht verteidigt, verliert sie an Schutzsuchende. Kennt man,
außer die EU-Führung oder auch Frau Merkel, die die Leute mit Fliegern und Schiffen nach Europa schafft.

Herr Hans Send

20.09.2016, 13:12 Uhr

Dass es zur Katastrophe kommen wird, konnten die verantwortlichen Politiker vorher natürlich nicht ahnen..... Es war alles mit Verträgen "abgesichert"!. Aber auch für die jüngste Situation in Lesbos ist die Kanzlerin verantwortlich, auch wenn Sie jetzt die Rolle rückwärts versucht hat. Sie ist die größte "Fehlbesetzung" in der Nachkriegsgeschichte Deutschlands. Die CDU ist wirklich nur noch ein Scherbenhaufen, einfach nur noch beklagenswert.

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