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30.01.2011

17:25 Uhr

Brasilianische Initiative

Mercosur und EU sollen wieder verhandeln

VonAlexander Busch, Hermann-Josef Knipper, Thomas Ludwig

Brasilien will die seit Jahren auf Eis liegenden Verhandlungen zwischen Europäischer Union (EU) und Mercosur wieder aufnehmen. Damit könnte sich der südamerikanische Markt für einige europäische Produkte öffnen - und deutschen Unternehmen satte Gewinne bescheren.

Brasilien Außenminister Patriota (links) wirbt für neue Verhandlungen mit der EU. dpa

Brasilien Außenminister Patriota (links) wirbt für neue Verhandlungen mit der EU.

SAO PAULO/DAVOS/BRÜSSEL. Der neue brasilianische Außenminister Antonio Patriota hat eine Initiative zur Wiederbelebung der seit Jahren auf Eis liegenden Verhandlungen zwischen Europäischer Union (EU) und Mercosur gestartet. Das erfuhr das Handelsblatt auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos aus Kreisen der brasilianischen Delegation. Patriota hatte die Initiative zuvor in Brüssel bei Gesprächen mit EU-Kommissionschef Manuel Durao Barroso und Ratspräsident Hermann van Rompoy angekündigt. In Davos traf er Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle.

Brasilien will den Mercosur-Staaten - das sind neben Brasilien auch Argentinien, Uruguay und Paraguay - vorschlagen, der EU in strittigen Punkten entgegen zu kommen. So ist etwa eine weitere Öffnung im Automobilbereich geplant, was vor allem die deutsche Industrie begrüßen dürfte. Patriota erwartet nun seinerseits ein Entgegenkommen der Europäer.

Eine neue Verhandlungsrunde zwischen den beiden Staatenbünden ist für den 17. und 18. März in Brüssel vorgesehen. Die Gespräche sollen im Laufe dieses Jahres mit einem Abkommen abgeschlossen werden. Die Verhandlungen zwischen EU und Mercosur waren bereits 1995 angelaufen, vor acht Jahren dann aber wegen Streitigkeiten in Handelsfragen ausgesetzt worden. Im Sommer des vergangenen Jahres waren die Gespräche wieder aufgenommen. Seitdem hat es drei Verhandlungsrunden gegeben, die aber kaum mehr als ein gegenseitiges Abtasten waren. Brasilien fordert jetzt Nägel mit Köpfen.

In Brüssel begrüßt man das Entgegenkommen. „Es wäre nur logisch“, heißt es in der EU-Kommission. Um die Spielräume in den Verhandlungen auszuloten, wird Handelskommissar Karel De Gucht in den nächsten Tagen nach Paraguay und Uruguay reisen. Paraguay hat bis zum Sommer den Vorsitz im Mercosur inne. Bei der EU hofft man bis dahin auf erste Verhandlungsergebnisse.

„Für Europa ist es enorm wichtig, Zugang zum Mercosur-Raum zu bekommen. Das ist ein Markt mit herausragendem Wachstumspotenzial“, heißt es in der Kommission. Noch gebe es dort kein weit reichenden Abkommen mit anderen großen Wirtschaftsräumenwie den USA oder China: „Der erste Zugriff käme uns sehr entgegen und bringt Europa enorme Vorteile.“

Das sehen allerdings nicht alle in der EU so. Vor allem in Irland und Frankreich formiert sich Widerstand. Dort fürchtet man allzu große Zugeständnisse im Agrarbereich, so dass beispielsweise Rinder aus Lateinamerika den europäischen Markt überschwemmen könnten.

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