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27.11.2014

21:32 Uhr

Brasilien

Levy soll als neuer Finanzminister Wirtschaft ankurbeln

Der Banker Joaquim Levy soll als neuer Finanzminister der brasilianischen Wirtschaft auf die Sprünge helfen. Kaum jemand kennt sich mit den Finanzen des Landes besser aus als er. Doch er hat auch Gegner in der Regierung.

Joaquim Levy Levy ist als Anhänger einer strikten Haushaltsdisziplin bekannt. dpa

Joaquim Levy Levy ist als Anhänger einer strikten Haushaltsdisziplin bekannt.

BrasiliaBrasiliens Präsidentin Dilma Rousseff will der stagnierenden Wirtschaft des Landes mit einem neuen Finanzminister auf die Sprünge helfen. Die kürzlich wiedergewählte Rousseff bestätigte am Donnerstag die Ernennung des Bankers Joaquim Levy. Sie hofft, dass der wirtschaftsfreundliche Ökonom das Vertrauen bei Investoren zurückgewinnen kann.

Levy ist als Anhänger einer strikten Haushaltsdisziplin bekannt und gab unmittelbar nach seiner Ernennung die Devise aus, dass Brasilien in den kommenden Jahren abgesehen vom Schuldendienst auch unter realistischeren Annahmen als bislang einen deutlichen Haushaltsüberschuss erzielen muss.

Es gilt als ausgemacht, dass Levy teure Programme zur Stimulierung der Wirtschaft eindampfen wird. Deshalb warnten einige Mitglieder der Regierungskoalition bereits vor seiner Ernennung, dass Haushaltskürzungen die Arbeitslosigkeit erhöhen und die Wirtschaft in eine Rezession stürzen würden.

Brasilien - Land der Superlative

Größe

8,5 Millionen Quadratkilomenter - damit doppelt so groß wie die Europäische Union (Quelle: dpa)

Einwohner

203 Millionen Einwohner - bevölkerungsreichstes Land Lateinamerikas

Wirtschaft

Teil des BRICS-Bündnis für aufstrebende Wirtschaftsmächte - neben Brasilien noch Russland, Indien, China und Südafrika

BIP 2013: 2,243 Billionen US-Dollar (11.311 Dollar pro Einwohner)

Export

Hauptexportgüter sind Rohstoffe, Nahrungsmittel und Erdöl - 2018 soll die Erdöl-Förderung im Off-Shore-Ölfeld "Campo de Libra" beginnen, die Reserven dort werden auf 8 bis 12 Milliarden Barrel (Fass je 159 Liter) geschätzt

Soziales

Das soziale Gefälle in Brasilien ist groß. Der Anteil der Bevölkerung unter der nationalen Armutsgrenze sank zwar von 2002 bis 2009 von 38,3 auf 23,9 Prozent, die Zahl der Betroffenen ging von 68 auf 44 Millionen zurück. Die Ungleichheit der Einkommen und Vermögen ist aber weiterhin auch im Weltmaßstab sehr hoch.

Die Haushaltsprobleme gefährden mittlerweile die gute Bonitätsbewertung des Landes. Levy war selbst als Haushälter der Regierung von 2003 bis 2006 entscheidend daran beteiligt, dass Brasilien von den Rating-Agenturen den Ritterschlag "Investment Grade" erhielt, was üblicherweise geringere Zinszahlungen zur Folge hat. Kaum jemand kennt sich in den Finanzen des Landes besser aus als Levy, der in der Vergangenheit auch beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und anderen internationalen Organisationen beschäftigt war.

Die Regierung bestätigte zudem, dass Zentralbankchef Alexandre Tombini wie erwartet auf seinem Posten bleibt und der ehemalige Vize-Finanzminister Nelson Barbosa zum neuen Planungsminister wird. Rousseff tritt ihre zweite Amtszeit am 1. Januar an. Es blieb zunächst unklar, wann Levy und Barbosa ihre neuen Ämter übernehmen.

Von

rtr

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