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28.05.2014

03:37 Uhr

Brasilien

Tumulte und Streiks im WM-Vorfeld

Die immensen Kosten für die Fußball-WM haben den Zorn vieler Brasilianer auf das Sportereignis an sich gelenkt. In der Hauptstadt Brasília kommt es zu Ausschreitungen - anderswo streiken die Busfahrer.

Korruptions-Vorwurf

WM-Proteste: Brasilianische Polizei setzt Tränengas ein

Korruptions-Vorwurf: WM-Proteste: Brasilianische Polizei setzt Tränengas ein

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Brasília/Rio de Janeiro/SalvadorDie brasilianische Polizei ist am Dienstag in der Hauptstadt Brasília mit Tränengas gegen eine Demonstration von etwa tausend Menschen gegen die hohen Ausgaben für die Fußballweltmeisterschaft vorgegangen.

An der Kundgebung beteiligten sich zahlreiche Obdachlose, Ältere und Kinder. Sie marschierten zunächst friedlich in Richtung des WM-Stadions, nach dem Beginn des Polizeieinsatzes warfen einige Steine.

Zuvor waren etwa 500 Ureinwohner in traditioneller Kleidung auf das Parlamentsgebäude geklettert und hatten auf dem Dach protestiert. Sie forderten mehr Rechtssicherheit für Landflächen und Reservate und schlossen sich später den WM-Kritikern an.

Wegen der Demonstration wurde die Ausstellung des WM-Pokals, der zur Zeit in Brasília ist, aus Sicherheitsgründen unterbrochen. Die Demonstration war in der Nähe von Brasílias WM-Stadion Mané Garrincha, wo vier Gruppenspiele, ein Achtel- und ein Viertelfinale sowie das Spiel um Platz drei ausgetragen werden sollen.

Vorwurf: Zu viel Geld für Prestigeprojekte

Wegen der immensen Kosten für die Fußball-WM richtet sich der Zorn vieler Brasilianer gegen die Behörden und das Sportereignis an sich. Immer wieder gab es in den vergangenen Wochen und Monaten teils gewalttätige Proteste. Die Demonstranten werfen der Regierung vor, viel Geld in Prestigeprojekte zu stecken und wichtige andere Aufgaben zu vernachlässigen. Der Stadionneubau in Brasilia ist besonders in die Kritik geraten. Das gesamte Projekt kostet mit umgerechnet etwa 620 Millionen Euro fast drei Mal so viel wie ursprünglich veranschlagt.

Fußballstadien Brasilien

Rio de Janeiro

Als das Maracanã-Stadion 1950 fertig wurde, passten 200.000 Zuschauer in die Arena. Zur WM-2014 wird das Fassungsvermögen der Arena auf 77.000 Plätze reduziert. Damit aber bleibt es immer noch das größte Stadion Brasiliens.

Sao Paulo

Das Stadion im Stadtteil Itaquerão soll 65.000 Zuschauern Platz bieten. Nach der WM wird das Stadion die Heimstätte vom Lokalclub Corinthians Paulista.

Salvador da Bahia

Die Stadt bekommt zur WM das neue Fonte-Nova-Stadion mit 56.500 Plätzen.

Recife

Das Stadion Pernambuco wird neu gebaut. Es soll 180 Millionen Euro kosten und 44.000 Zuschauern Platz bieten.

Pôrto Alegre

Lange rührte sich auf der Baustelle des River Bank Stadions gar nichts. Der Verein Internacional stritt mit dem Bauunternehmen. Inzwischen haben die Arbeiten begonnen. Das Stadion wird modernisiert. Es soll bei der WM 50.300 Zuschauern Platz bieten.

Natal

Der Neubau in der ostbrasilianischen Stadt Natal wird voraussichtlich 400 Millionen Real (149 Millionen Euro) kosten. Die „Dünen-Arena“ entsteht auf dem Gelände des gesprengten Machadão-Stadions und wird bei der WM 2014 rund 42.000 Zuschauern Platz bieten. Die Fertigstellung soll 2013 erfolgen.

Manaus

Auch hier wurde ein altes Stadion abgerissen, um einem neuen Platz zu machen. Die Amazônia-Arena ist im Rahmen eines neuen Sportparks mit Sambadrom, Schwimmhalle, Leichtathletikanlagen und weiteren Sporthallen geplant. Der Name des neuen Stadions leitet sich aus der unmittelbaren Nähe der Stadt Manaus zum tropischen Regenwald des Amazonas-Gebietes ab. Rund 43.000 Zuschauer sollen in dem neuen Stadion Platz finden, dessen Baukosten bei 533 Millionen Real (rund 200 Millionen Euro) liegen. Mit der Fertigstellung wird 2013 gerechnet.

Fortaleza

Das 1973 erbaute Estádio Governador Plácido Castelo, besser bekannt unter dem Namen Castelão, wurde vollkommen umgebaut und bietet nun bis zu 64.846 Zuschauern Platz. Die Umbaumaßnahmen sind bereits abgeschlossen und so steht das Stadion für den Confederations Cup in diesem Jahr bereits zur Verfügung. Der Umbau des Stadions hat 486 Millionen Real (180 Millionen Euro) gekostet. (Foto vom Dezember 2012)

Cuiabá

Diese neue Fußballarena wird auf dem Grundstück des inzwischen abgerissenen Verdão-Stadions gebaut. Nach der WM 2014 kann das Stadion auch als Mehrzweckarena genutzt werden. Das Baukastenprinzip ermöglicht eine nachträgliche Verkleinerung bei geringer Auslastung. Während der WM 2014 sollen hier knapp 43.000 Fans Platz finden. Das Stadion soll bis 2014 fertig werden und kostet 597 Millionen Real (222 Millionen Euro).

Belo Horizonte

Das Mineirão-Stadion in Belo Horizonte wurde im Dezember im Beisein der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff eingeweiht. Allerdings ging es beim Eröffnungsspiel Anfang Februar drunter und drüber. Das Stadion verfügt über 66.800 Plätze. Sechs WM-Partien werden dort ausgetragen, einschließlich einer Halbfinalpaarung.

Brasilia

Das alte Estádio Mané Garrincha, das inzwischen fast vollständig abgerissen wurde, macht Platz für eine Arena, die über eine neue Fassade, eine Dachkonstruktion aus Metall, neue Tribünen sowie eine abgesenkte Spielfläche verfügen wird. Das 1974 erbaute Nationalstadion wird umfassend umgebaut, wobei die Sitzplatzanzahl von 42.200 auf über 70.000 erhöht wird. Der Umbau ist mit 671 Millionen Real (250 Millionen Euro) recht kostenintensiv und soll im April 2013 abgeschlossen werden. Hier werden auch einige Fußballpartien der Olympischen Sommerspiele sowie das Eröffnungsspiel des Confederations Cup ausgetragen.

Curitiba

Die Baixada-Arena in Curitiba wurde bereits 1914 erbaut und zählt zu den kleineren WM-Spielstätten in Brasilien. Die Arena mit ehemals 28.272 Plätzen wurde zwar zwischen 1997 und 1999 komplett neu errichtet, doch für die anstehende WM war eine erneute Modernisierung von Nöten. Bis zur WM soll die Baixada-Arena ihre Kapazität auf 41.375 Plätze erhöhen. Die Modernisierung kostet 220 Millionen Real, das sind umgerechnet 82 Millionen Euro.

Unterdessen steht die WM-Finalstadt Rio de Janeiro knapp zwei Wochen vor Eröffnung des Turniers vor einem neuen Streik der Busfahrer. Der 24-stündige Ausstand sollte nach einem Beschluss der Streikversammlung noch in der Nacht zum Mittwoch beginnen.

Die Busfahrer lehnen eine Vereinbarung ihrer Gewerkschaft mit den Busunternehmen über eine Lohnanhebung von zehn Prozent als zu niedrig ab. Seit Anfang des Monats kam es in der Stadt am Zuckerhut schon zweimal zu Arbeitsniederlegungen der Fahrer und Kassierer. Die Folge war jeweils ein Verkehrschaos. Busse sind für die meisten Brasilianer das wichtigste Fortbewegungsmittel.

In der WM-Stadt Salvador war am Dienstag wegen eines Streiks kein Bus auf der Straße. Nach lokalen Medienangaben waren über eine Million Passagiere betroffen. In Salvador bestreitet die DFB-Elf am 16. Juni im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr WM- Auftaktspiel gegen Portugal.

Ähnliche Situationen gab es diesen Monat in São Paulo, wo die WM am 12. Juni beginnt.

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