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16.11.2016

15:39 Uhr

Breitbart News Network

Extrem rechts – und extrem erfolgreich

VonKathrin Witsch

Donald Trump hat seinen Wahlerfolg in den USA auch der rechtskonservativen Website „Breitbart News Network“ zu verdanken. Nun will die Nachrichtenseite auch in Deutschland und Frankreich im Wahlkampf mitmischen.

Nach den Ereignissen in der Silvesternacht in Köln legte Breitbart den Deutschen nahe, die Zurechnungsfähigkeit Angela Merkels in Frage zu stellen. Screenshot

Breitbart-Medienseite

Nach den Ereignissen in der Silvesternacht in Köln legte Breitbart den Deutschen nahe, die Zurechnungsfähigkeit Angela Merkels in Frage zu stellen.

New YorkEmpfängnisverhütung macht Frauen hässlich und verrückt, Feminismus ist eine Krankheit, Politiker verschleiern muslimische Vergewaltigungspraktiken: Diese und ähnliche Behauptungen prägen eine von Amerikas erfolgreichsten Nachrichtenseiten: „Breitbart News Network“. Zum bevorstehenden Wahljahr in Deutschland und Frankreich will das rechtskonservative Medium Europas Leser erobern.

Der Name ist nicht mehr ganz unbekannt, denn gerade hat Donald Trump den Kopf der rechtskonservativen Website Breitbart, Stephen Bannon, als zukünftigen Chefstrategen ausgerufen. Der „Trump-Flüsterer“, wie ihn die US-Medien nennen, hatte im August den Wahlkampf des künftigen Präsidenten übernommen. Seitdem ist er zwar aus dem aktiven Tagesgeschäft ausgeschieden, bleibt aber weiterhin Vorstandsvorsitzender.

Seine Seite machte er der Einfachheit halber schon vor Monaten zum verlängerten Arm der Trump-Kampagne. Die Wahlkampftasse mit zwei Motiven auf Vorder- und Rückseite ist denn im hauseigenen „Breitbart-Shop“ auch ausverkauft. Entkoffeiniert steht über dem Konterfei von Hillary Clinton, „schwach und bitter“ darunter. Auf der anderen Seite lächelt Trump hingegen „mutig und entschieden“.

Als Andrew Breitbart die Website vor neun Jahren gründete, begann sie als antiautoritäre, rechtspopulistische Kritik an „denen da oben“, die die „echten Amerikaner“ hinters Licht führten, mit „Big Government“, „Big Hollywood“ und „Big Media“. Dabei richtete sie sich nicht nur gegen die Demokraten – Breitbart stürzte den Kongressabgeordneten Anthony Weiner, als er dessen anzüglichen Tweet veröffentlichte –, sondern auch gegen etablierte Republikaner. Und verkörpert damit all das, was Trump für sich im Wahlkampf zu nutzen wusste.

Was Trump sich leisten konnte, ohne zu stürzen

Sexistische Aussagen

Trump fällt seit Jahren mit frauenverachtenden Sprüchen auf wie „dicke Schweine“ oder „Schlampen“. Eine Miss Universe verunglimpfte er als „Miss Piggy“, die ordentlich Gewicht zugelegt habe. Nach kritischen Fragen der Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly deutete Trump an, sie habe Menstruationsprobleme gehabt.

Der Video-Skandal

In einem Video aus dem Jahr 2005 ist zu hören, wie Trump vulgär über Frauen herzieht. Nur wenige Monate nach seiner Hochzeit mit Ehefrau Melania brüstet er sich mit sexuellen Übergriffen.

Verbal-Angriff auf Familie eines toten Soldaten

Trumps Hetze gegen andere Ethnien scheint kaum Grenzen zu kennen. Ende Juli legte er sich mit den pakistanstämmigen Eltern eines gefallenen muslimischen US-Soldaten an.

Unklarheiten um Steuererklärung

Seit Monaten weigert sich Trump, seine Steuererklärung zu veröffentlichen, obwohl das bei Präsidentschaftskandidaten überparteilicher Usus ist. Auch Hillary Clinton legte ihre Daten offen. Die „New York Times“ berichtete, dass der Geschäftsmann Trump 1995 einen Verlust von 916 Millionen US-Dollar (824 Mio. Euro) ausgewiesen habe. Steuerexperten kamen daraufhin zu dem Schluss, dass Trump auf diese Weise über zwei Jahrzehnte keine Steuern abführen musste.

Drohungen mit Waffengewalt

Mit einer zweideutigen Aussage, die sich als Aufruf zur Gewalt gegen seine Rivalin Hillary Clinton verstehen lässt, löste Trump einen Sturm der Entrüstung aus. Bei einem Wahlkampfauftritt deutete er an, dass nur Waffenfreunde Clinton aufhalten könnten.

Was Trump sich noch leistete

Trump verwechselt 9/11 mit 7/11 - Trump macht Anspielung auf die Größe seines Penis - Trump behauptet seit längerem, US-Präsident Barack Obama sei nicht in den USA zur Welt gekommen, sondern in Kenia.

Andrew Breitbart starb 2012 an einem Herzinfarkt und Bannon rückte nach. Unter seiner Führung zeigt sich die Seite heute offen sexistisch, rassistisch und noch deutlich rechter als der konservative Nachrichtensender Fox News. Breitbart News Network wird heute der sogenannten Alt-Right zugerechnet, einer Bewegung aus jungen weißen Rechten, denen der „Mainstream-Konservatismus“ nicht weit genug geht. Überschriften wie „Es gibt keine Vorurteile gegen Frauen in technischen Berufen. Sie sind einfach scheiße in Interviews“, sind da keine Seltenheit.

Seit seiner Gründung hat Breitbart eine beachtliche Entwicklung hingelegt. Es besitzt ein US-weites Netzwerk mit Büros in New York, Los Angeles und Texas. Im Oktober gab die Website an, mit 37 Millionen Besuchern einen neuen Höhepunkt erreicht zu haben und rückt damit auf eine Ebene mit den Online-Auftritten der TV-Riesen ABC und CBS. Etwa 75 Mitarbeiter hat das Unternehmen, mittlerweile auch in London und Jerusalem. Jetzt sollen Deutschland und Frankreich dazukommen.

Kommentare (19)

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Account gelöscht!

16.11.2016, 15:49 Uhr

Es ist schon immer wieder erstaunlich wie man mit Rechten und Rechtsextremen Artikeln vom eigenen Politik-Medienversagen ablenken will.
So wird das nichts! Das habe sollte den Spiegel als warnendes Beispiel vor Augen haben.
Der Spiegel muss in Hamburg sein Personal radikal reduzieren, weil Ihm die Leser in Scharren davon laufen.

Herr Otto Lehmann

16.11.2016, 15:50 Uhr

Die Hetzmaschinerie läuft auf Hochtouren. Ist das die pure Angst?

Rainer von Horn

16.11.2016, 15:59 Uhr

Und wieder einmal ist eine Bewegung, die auf die eklatanten politischen Fehlentwicklungen zum Schaden der Bürger hinweist "EXTREM RECHTS". Wieso eigentlich?
Ich bin mir aber sicher, dass die Bürger, die diese Website lesen, die üblichen Tageszeitungen abbestellt haben.

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