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27.04.2016

12:55 Uhr

Brexit-Abstimmung

Mit Gottes Beistand

VonKatharina Slodczyk

Die Kirche mischt sich in die Brexit-Debatte ein: Die Church of England veröffentlicht ein Gebet, das um eine weise Entscheidung beim EU-Referendum erfleht. Steht Gott auf Seiten der Brexit-Befürworter oder der Gegner?

Justin Welby, Erzbischof von Canterbury und Oberhaupt der Anglikanischen Kirche, signalisiert: Er ist gegen den Brexit. AP

Britain's Archbishop of Cantebury, Justin Welby conducts a church service with Anglicans in Harare, Zimbabwe, Sunday, April, 17, 2016. Welby recently

Justin Welby, Erzbischof von Canterbury und Oberhaupt der Anglikanischen Kirche, signalisiert: Er ist gegen den Brexit.

LondonDie Worte sind sehr vorsichtig gewählt. Es ist nicht klar, welche Meinung dahinter steckt. „Gib uns Anstand, um die in dem Referendum anstehenden Themen mit Ehrlichkeit und Offenheit zu diskutieren“, heißt es darin. Und weiter: „Gib denen, die die Meinung beeinflussen, Großzügigkeit und denen, die abstimmen, Urteilsvermögen.“

Das sind Auszüge eines Gebets, das die Church of England jetzt veröffentlicht hat. Darin fleht die Anglikanische Kirche um eine weise Entscheidung bei dem Referendum zum möglichen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, dem so genannten Brexit. Ab 23. Juni können die Briten darüber abstimmen.

Die anglikanische Kirche gibt sich in dem Gebet sehr zurückhaltend und macht nicht deutlich, ob der Allmächtige eher auf Seiten der EU-Gegner oder Befürworter steht. Einige Bischöfe, allen voran Justin Welby, Erzbischof von Canterbury und Oberhaupt der Anglikanischen Kirche, sind allerdings nicht gar so neutral und haben bereits zwischen den Zeilen signalisiert, dass sie eher gegen den Brexit sind.

Welby hat die EU-Skeptiker im vergangenen Monat aufgefordert, klar zu sagen, was ein Austritt für Großbritannien bedeuten würde. Man solle den Blick in der Debatte aber nicht zu sehr verengen, sondern auch berücksichtigen, welche Rolle Großbritannien in der Welt spielen wolle.

Die geplanten EU-Zugeständnisse für GB

VERHÄLTNIS EUROZONE ZU NICHT-EURO-STAATEN

Für Nicht-Euro-Staaten wie Großbritannien wird ein neues Verfahren überlegt, um mehr Einfluss auf neue EU-Gesetzgebung zu nehmen. Frankreich hat Bedenken und fürchtet beispielsweise Alleingänge Londons bei der Finanzmarktregulierung zum Nachteil des Finanzplatzes Paris.

SOZIALLEISTUNGEN FÜR EU-BÜRGER

Tusk schlägt eine „Notbremse“ vor, die bei außergewöhnlich starker Zuwanderung von EU-Bürgern gezogen werden kann. Dann könnten bestimmte Sozialleistungen für neu Ankommende beschränkt werden. Das Verfahren ist de facto auf Großbritannien zugeschnitten. Die EU-Kommission will die Möglichkeit für alle Staaten eröffnen, Kindergeld an die Lebenshaltungskosten anzupassen, wenn die Nachkommen nicht im Land des Arbeitnehmers leben.

BÜROKRATIEABBAU

Die Wettbewerbsfähigkeit der Union soll gesteigert werden. Das kommt Cameron entgegen, der insbesondere auf Bürokratieabbau pocht.

ABSTAND ZUR EU

Großbritannien bekommt die Zusicherung, sich politisch nicht weiter in die EU integrieren zu müssen. Das soll möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt in den EU-Verträgen verankert werden. Paris lehnt allerdings Vertragsänderungen offen ab.

Welby sprach zudem ein Thema an, mit dem die Brexit-Befürworter vor allem für ihren Standpunkt werben: Sie wollen die Einwanderung begrenzen. Migration sei eine so große Herausforderung, betonte Welby, das könne nur auf Ebene der EU gelöst werden.

Die EU-skeptische Gruppe „Christians for Britain“ will das nicht so stehen lassen: Man müsse nicht Teil der Staatengemeinschaft sein, um Gutes zu tun und sich für die Belange aller Menschen in Europa einzusetzen, sagte ein der Vertreter dieser Gruppe der Website „Christian Today“.

In Umfragen haben sich die Brexit-Gegner und Befürworter lange Zeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Vergangene Woche die Austritts-Kritiker aber Rückenwind bekommen. Auslöser war eine umfangreiche Studie des britischen Finanzministeriums, das vor den massiven wirtschaftlichen Folgen eines Brexit warnte. Zudem hat sich US-Präsident Barack Obama mit deutlichen Worten in die Debatte eingeschaltet. „Großbritannien ist immer am besten, wenn es dabei hilft, ein starkes Europa zu führen“, sagte Obama und warb für den Status quo.

Die Warnungen hatten aber offenbar keinen dauerhaften Einfluss auf die Briten: In zwei am Dienstag veröffentlichten Umfragen haben Brexit-Befürworter wieder mehr Unterstützung erhalten als noch in der Woche zuvor. Ob das Gebet der Church of England das wieder ändern kann?

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