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10.01.2017

19:43 Uhr

Brexit

Britische Finanzbranche fürchtet massive Jobverluste

Wegen des Brexits fürchtet die Londoner Finanzbranche eine massenhafte Abwanderung von Arbeitsplätzen. Einige zehntausend Jobs könnten verloren gehen, warnt Xavier Rolet, der Chef der Londoner Börse LSE.

Der Chef der Londoner Börse LSE fürchtet eine Destabilisierung der Finanzbranche. AFP; Files; Francois Guillot

Xavier Rolet

Der Chef der Londoner Börse LSE fürchtet eine Destabilisierung der Finanzbranche.

LondonIn der Londoner Finanzbranche geht die Angst vor der massenhaften Abwanderung von Arbeitsplätzen nach dem Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) um. Wenn die Abwicklung (Clearing) von in Euro begebenen Finanzprodukten von London aus nicht mehr möglich sei, drohten einige zehntausend Arbeitsplätze verloren zu gehen, warnte der Chef der Londoner Börse LSE, Xavier Rolet, am Dienstag bei einer Anhörung vor einem Ausschuss des britischen Parlaments. Davon betroffen wären nicht nur das Clearing selbst, sondern Dienstleistungen wie Software und IT, Risikomanagement und Verwaltung.

Die LSE ist das größte Clearinghaus für Euro-Kontrakte. Einflussreiche EU-Politiker fordern aber, deren Abwicklung müsse nach dem Brexit auf dem Kontinent stattfinden. Die Europäische Union arbeitet gerade an einer Reform des Derivatehandels. „Das sind diese lästigen, zielgenauen und scheinbar unbedeutenden Regeln, die in Wirklichkeit großen Einfluss auf das Verhalten der Kunden haben“, sagte Rolet.

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Der Verwaltungsratschef der Großbank HSBC, Douglas Flint, erwartet, dass die ersten Banken ihre Umzugspläne bald nach Beginn der Austrittsverhandlungen im Frühjahr in die Tat umsetzen werden. Dabei geht es vor allem um Banken, die mit einer britischen Lizenz und einem „EU-Pass“ ihre Produkte und Dienstleistungen bisher in der ganzen EU anbieten können.

Daran hingen ebenfalls zehntausende Stellen, sagte Flint. Frankfurt erhofft sich unter anderem davon einen entsprechenden Zuwachs von Finanz-Arbeitsplätzen, doch auch Städte wie Paris, Dublin und Luxemburg hoffen davon zu profitieren.

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Flint sagte, es sei unklar, ob nur der Vertrieb von Finanzprodukten aus der EU heraus stattfinden müsse oder ob auch Dienstleistungs-Jobs in der Abwicklung, im Risikomanagement und der Buchhaltung verlagert werden müssten. Banken wie JPMorgan, Citi und Deutsche Bank beschäftigen in Städten wie Glasgow oder Bournemouth Tausende von Mitarbeitern in diesen Bereichen.

LSE-Chef Rolet forderte vor den Abgeordneten, die geltenden Regelungen für die Finanzbranche bis 2022 beizubehalten. Sonst drohe eine Destabilisierung der Finanzbranche. Auch Flint und die Vize-Chefin des Vermögensverwalters Allianz Global Investors, Elizabeth Corley, forderten Übergangsfristen bis mindestens 2021, um einen geordneten Umzug zu ermöglichen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

12.01.2017, 15:42 Uhr

Sieht man die ungestraften Folgen der Banker, ist dies kein Verlust.

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