Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.04.2016

18:57 Uhr

Brexit-Debatte in London

Finanzdistrikt legt sich mit Bürgermeister an

Überraschend hat sich Londons Bürgermeister im Februar für einen Brexit ausgesprochen. Für den Finanzplatz London wäre ein Austritt Großbritanniens aus der EU jedoch ein herber Schlag. Der Finanzdistrikt übt nun Kritik.

Boris Johnson hatte sich im Februar überraschend auf die Seite der EU-Gegner geschlagen. AP

Londons Bürgermeister

Boris Johnson hatte sich im Februar überraschend auf die Seite der EU-Gegner geschlagen.

LondonLondons Finanzdistrikt London geht in der Debatte über die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens auf Konfrontation mit Bürgermeister Boris Johnson. An dessen führender Rolle bei der Kampagne der Brexit-Befürworter äußerte die City of London nun offen Kritik.

Johnson sende damit „unwillkommene und schädliche“ Signale an Investoren, sagte Jeffrey Evans, der der City formell als Oberbürgermeister vorsteht. Der Distrikt hatte bereits im März erklärt, sich für einen Verbleib des Landes in der Europäischen Union einzusetzen. Am 23. Juni stimmen die Briten in einem Referendum darüber ab.

Evans bezeichnete die Position Johnsons als „enttäuschend“. Ein Austritt aus der EU wäre für den Finanzplatz London ein Schritt rückwärts, sagte Evans. Die City of London wünsche sich eine „informative Debatte“. London dominiert den weltweiten Devisenmarkt und gilt als mit Abstand wichtigstes Finanzzentrum in der EU. Sollten sich die Briten für einen Austritt entscheiden, muss die City massive Handelseinbußen fürchten.

Die geplanten EU-Zugeständnisse für GB

VERHÄLTNIS EUROZONE ZU NICHT-EURO-STAATEN

Für Nicht-Euro-Staaten wie Großbritannien wird ein neues Verfahren überlegt, um mehr Einfluss auf neue EU-Gesetzgebung zu nehmen. Frankreich hat Bedenken und fürchtet beispielsweise Alleingänge Londons bei der Finanzmarktregulierung zum Nachteil des Finanzplatzes Paris.

SOZIALLEISTUNGEN FÜR EU-BÜRGER

Tusk schlägt eine „Notbremse“ vor, die bei außergewöhnlich starker Zuwanderung von EU-Bürgern gezogen werden kann. Dann könnten bestimmte Sozialleistungen für neu Ankommende beschränkt werden. Das Verfahren ist de facto auf Großbritannien zugeschnitten. Die EU-Kommission will die Möglichkeit für alle Staaten eröffnen, Kindergeld an die Lebenshaltungskosten anzupassen, wenn die Nachkommen nicht im Land des Arbeitnehmers leben.

BÜROKRATIEABBAU

Die Wettbewerbsfähigkeit der Union soll gesteigert werden. Das kommt Cameron entgegen, der insbesondere auf Bürokratieabbau pocht.

ABSTAND ZUR EU

Großbritannien bekommt die Zusicherung, sich politisch nicht weiter in die EU integrieren zu müssen. Das soll möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt in den EU-Verträgen verankert werden. Paris lehnt allerdings Vertragsänderungen offen ab.

Boris Johnson hatte sich im Februar überraschend auf die Seite der EU-Gegner geschlagen. Viele Beobachter gehen davon aus, dass sich Johnson dadurch höhere Chancen ausmalt, seinen Tory-Parteifreund David Cameron als Premierminister zu beerben.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×