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21.11.2016

15:07 Uhr

Brexit

Schäuble warnt Großbritannien vor Steuerdumping

Theresa May will Unternehmen in Großbritannien halten und trotz Brexit neue Firmen anlocken. Die britische Premierministerin plant offenbar erhebliche Steuersenkungen. Finanzminister Schäuble gefällt das gar nicht.

Der Bundesfinanzminsiter betrachtet einen möglichen Wettlauf Großbritanniens mit anderen Top-Wirtschaftsmächten um die niedrigsten Unternehmenssteuern skeptisch. AP

Wolfgang Schäuble

Der Bundesfinanzminsiter betrachtet einen möglichen Wettlauf Großbritanniens mit anderen Top-Wirtschaftsmächten um die niedrigsten Unternehmenssteuern skeptisch.

LondonDie britische Premierministerin Theresa May will angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit nach dem Brexit-Votum die Unternehmen auf der Insel deutlich entlasten. Die Unternehmenssteuern sollten auf den niedrigsten Stand der führenden 20 Industrieländer (G20) gesenkt werden. Zugleich räumte sie am Montag in einer Rede bei der Jahrestagung des Britischen Industrieverbandes (CBI) offen ein, dass der Ausstieg aus der EU eine Herausforderung für die Wirtschaft sei. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht die angekündigten Steuersenkungen sehr kritisch.

Bereits jetzt hat London ins Auge gefasst, den Steuersatz für die Unternehmen bis zum Jahr 2020 von derzeit 20 auf 17 Prozent zu senken. Das wäre nach Angaben der „Financial Times“ der niedrigste Satz in den G20-Staaten. Laut der Zeitung wird allerdings im Umkreis von May auch eine Senkung auf 15 Prozent ins Auge gefasst - falls der künftige US-Präsident Donald Trump die Unternehmenssteuern wie versprochen auf diesen Stand drücken sollte.

Konjunkturprognose 2017

„Bei dem einen wird's schnell sichtbar sein, bei dem anderen wird's dauern."

Konjunkturprognose 2017: „Bei dem einen wird's schnell sichtbar sein, bei dem anderen wird's dauern."

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Schäuble betrachtet einen möglichen Wettlauf Großbritanniens mit anderen Top-Wirtschaftsmächten um die niedrigsten Unternehmenssteuern skeptisch. Noch sei Großbritannien Mitglied der EU und damit an entsprechendes europäisches Recht gebunden, meinte er in Berlin. Sollte Großbritannien eines Tages nicht mehr der EU angehören, sei es an die Vereinbarungen der G20-Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer gebunden - „jedenfalls, wenn sie anständige Leute sind“.

May kündigte zugleich staatliche Hilfen in Höhe von jährlich zwei Milliarden Pfund (2,3 Mrd Euro) für Forschung und Entwicklung an. Geringe Produktivität sei eines der Hauptprobleme der britischen Wirtschaft. Um dies zu überwinden, forderte sie eine „neue industrielle Strategie“.

Zum Ausstieg aus der EU meinte May: „Da wird es sicherlich Herausforderungen geben.“ Der Prozess sowie die Austrittsverhandlungen mit Brüssel bräuchten Zeit.

Auch andere Negativ-Folgen des Brexit werden zunehmend deutlich: Am Mittwoch will Finanzminister Philip Hammond den ersten Staatshaushalt seit dem EU-Votum im Juni vorlegen. Laut „Financial Times“ steuert die Regierung auf ein Haushaltsloch von 100 Milliarden Pfund in den kommenden fünf Jahren zu. Grund dafür seien geringere Steuereinnahmen und ein geschwächtes Wirtschaftswachstum infolge des Brexit-Votums, berichtete die Zeitung kürzlich unter Berufung auf Schätzungen.

Von

dpa

Kommentare (6)

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Rainer von Horn

21.11.2016, 15:53 Uhr

Wenn Großbrittanien nach dem Brexit -neben dem US-Bundesstaat Delaware- zur weltgrößten Steueroase aufsteigt und sich die Konzerne und die Banken elegant ihrer Steuerlast im übrigen Europa entledigen, dann müssen die Ausfälle halt auf den gemeinen Bürger umgelegt werden - so wie das in den letzten Jahren immer gemacht wurde. Ich verstehe die Aufregung nicht- wo bitte ist das Problem?

Aber bitte daran denken, den Briten -irgendwie- die üblichen Annehmlichkeiten des Binnenmarktes zu erhalten!

Account gelöscht!

21.11.2016, 15:57 Uhr

Mit was will den der Pleite Schäuble die Engländer warnen. Der Finanzplatz Nummer 1 in Europa ist London.
Und England kann nach der Befreiung von der EU jetzt voll in den Wettbewerb der Volkswirtschaften um den besten Standort einsteigen.
Das ist ja der Vorteil am Brexit. Die EU hat jeden Wettbewerb unterbunden und einen Einheitsbrei einer kommunistischen Staatsplanung geschaffen.

Herr Peter Delli

21.11.2016, 16:02 Uhr

Eine weiter Insel der Freiheit, der Baron wird sich freuen.

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