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23.10.2016

16:24 Uhr

Brexit-Verhandlungen

Briten könnten EU mit Firmensteuer-Senkung drohen

In Großbritannien wachsen die Ängste, dass die anderen EU-Länder in den Brexit-Verhandlungen einen harten Kurs fahren werden. Nun rüstet sich London für den Poker – und droht einem Bericht zufolge mit Steuerdumping.

Nach dem Willen der verbleibenden EU-Staaten sollen die Verhandlungen erst aufgenommen werden, wenn die Briten den Austritt offiziell beantragt haben. AFP; Files; Francois Guillot

Theresa May

Nach dem Willen der verbleibenden EU-Staaten sollen die Verhandlungen erst aufgenommen werden, wenn die Briten den Austritt offiziell beantragt haben.

LondonVor den Verhandlungen über einen EU-Austritt sickern erste Drohszenarien der britischen Regierung durch. Sie könnte laut „Sunday Times“ ein drastische Senkung der Unternehmensteuer ankündigen, wenn die Europäische Union (EU) zentrale Forderungen zu Finanzwirtschaft und Handel nicht erfüllen will. Damit könnten künftig Firmen aus der Gemeinschaft nach Großbritannien gelockt werden. Der Vorschlag stamme von den Beratern von Premierministerin Theresa May, berichtete die Zeitung. Vier Monate nach dem Brexit-Votum wachsen in Großbritannien Ängste, dass die anderen EU-Länder in den künftigen Scheidungsgesprächen einen harten Kurs fahren werden.

Im Zentrum steht die für das Land eminent wichtige Finanzbranche. Die britischen Banken, Versicherer und Hedgefonds befürchten, dass sie nach einem Brexit die Erlaubnis verlieren, ihre Dienste in der gesamten Union anbieten zu dürfen (Passporting). Außerdem will May den freien Handel mit der EU so weitreichend wie möglich erhalten.

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„Wir haben ziemlich gute Karten, die wir ausspielen können, wenn sie uns Schwierigkeiten machen“, zitierte das Blatt eine namentlich nicht genannte Person, die mit den Überlegungen der Regierung vertraut sei. Sollten die verbliebenen EU-Staaten das Passporting verweigern oder hohe Handelszölle planen, könne Großbritannien seinen maßgeblichen Satz für die Unternehmensteuer auf zehn von derzeit 20 Prozent kappen.

Verkehrsminister Chris Grayling äußerte sich am Sonntag überzeugt, dass der Handel zollfrei bleiben werde. Dazu werde es vernünftige Vereinbarungen geben. Dies sei im Interesse beider Seiten, sagte er in der BBC.

Nach dem Willen der verbleibenden EU-Staaten sollen die Verhandlungen erst aufgenommen werden, wenn die Briten den Austritt offiziell beantragt haben. Das soll May zufolge bis Ende März 2017 geschehen.

Vor diesem Hintergrund wollen britische Großbanken das Land bereits Anfang nächsten Jahres verlassen, wie der Chef des Lobbyverbandes BBA, Anthony Browne, der Zeitung „Observer“ sagte. Kleinere Geldhäuser planten sogar einen Abzug noch vor Weihnachten.

Von

rtr

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