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09.07.2015

15:20 Uhr

Brics-Gipfel in Ufa

Russland, China und Co. kritisieren den Westen

Scharfe Abrechnung mit dem Westen: Die aufstrebenden Schwellenländer China, Russland, Indien und Brasilien kritisieren das Krisenmanagement der EU und der USA – und nehmen Anlauf für eine neue Weltordnung.

Russlands Präsident Putin begrüßt sein iranisches Pendant Hassan Ruhani. ap

Brics-Treffen in Ufa

Russlands Präsident Putin begrüßt sein iranisches Pendant Hassan Ruhani.

UfaMit massiver Kritik an der Politik des Westens haben die Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika (Brics) auf ihrem Gipfel im russischen Ufa eine enge Partnerschaft vereinbart. Ziel der neuen Strategie-2020 sei es, Wachstum und Konkurrenzfähigkeit der Brics in der Weltwirtschaft zu erhöhen, sagte Kremlchef Wladimir Putin als Gastgeber des 7. Brics-Gipfels am Donnerstag in der Industriemetropole. In ihrer Abschlusserklärung kritisieren die fünf Staaten auch die „neoliberale Globalisierung“, weil diese weltweit Arbeitsplätze sowie Ökosysteme vernichte.

Im Kommuniqué von Ufa vereinbarten die Staaten das Ziel, eine neue „multipolare politische Weltordnung“ aufzubauen, ohne sich einem Diktat des Westens und „diskriminierenden Wirtschaftssanktionen“ zu beugen. Angestrebt werde eine gerechtere Ordnung der internationalen Beziehungen, heißt es in dem 18-Punkte-Papier. Laut Deklaration sehen sich die Brics-Staaten als „Struktur einer neuen globalen Steuerung“. Chinas Staatschef Xi Jinping nannte den Prozess „unumkehrbar“.

Die Erklärung hebt auch die neue Brics-Entwicklungsbank sowie die Währungsreserve hervor. Sie sollen zusammen ein Volumen von 200 Milliarden US-Dollar erreichen und ein Gegengewicht zu dem vom Westen dominierten Internationalen Währungsfonds (IWF) bilden. Damit wollen die Schwellenländer den Reformdruck auf IWF und Weltbank erhöhen.

Nach Darstellung von Putin haben die Brics-Staaten unter anderem engere Kooperationen bei Investitionen und Handel, aber auch in Energie- und Kulturfragen sowie bei humanitären Problemen vereinbart. Die Brics kritisieren die USA und die EU für ihre Politik in ökonomischen Krisenzeiten. „Wir können nicht zustimmen, dass die Maßnahmen einer harten Wirtschaftsführung, die zu Misserfolgen in Europa und in den USA geführt haben, „Wege aus einer Krise“ sind“, heißt es in der Erklärung.

Deutschlands Handel mit Russland

Deutschland und Russland...

...sind wirtschaftlich eng verwoben. Daimler ist am russischen Lkw-Hersteller Kamaz beteiligt, die BASF-Tochter Wintershall arbeitet eng mit Gazprom zusammen, Siemens unterhält eine Partnerschaft mit der Russischen Staatsbahn RZD.

76,5 Milliarden Euro

2013 tauschten beide Länder Güter im Wert von rund 76,5 Milliarden Euro aus. Dabei überstiegen die Importe aus Russland die Exporte.

Erdöl und Erdgas...

...machten drei Viertel der Importe aus Russland aus, die sich insgesamt auf 40,4 Milliarden Euro beliefen.

Im Gegenzug...

...lieferte Deutschland dem Statistischen Bundesamt zufolge Waren im Wert von 36,1 Milliarden Euro nach Russland.

Autos, Maschinen und Chemie

An der Spitze standen die Maschinenbauer (8,1 Milliarden Euro), die Autoindustrie (7,6 Milliarden Euro) und die Chemiebranche (3,2 Milliarden Euro).

Deutschland...

...liegt hinter China auf Rang zwei der Lieferländer Russlands.

Russland hingegen...

...ist der elftwichtigste Absatzmarkt für die deutsche Exportwirtschaft.

Themen am zweiten und letzten Tag des Brics-Gipfels waren auch die Finanzkrise in Griechenland sowie der Ukraine-Konflikt. Die Brics-Staaten wollten sich künftig mehr als bisher mit politischen Fragen befassen, sagte der russische Vize-Außenminister Sergej Rjabkow. „Aber die Politik wird nicht die wirtschaftlichen Fragen überdecken - wie das bei der G7 passiert ist“, sagte der Diplomat mit Blick auf die Gruppe der großen sieben Industrienationen.

Russland war wegen seiner umstrittenen Politik im Ukraine-Konflikt von den G7 ausgeschlossen worden. An den Brics-Gipfel schließt sich nahtlos das Treffen der Shanghaier Kooperationsorganisation (SCO) an. Daran nahmen auch die Präsidenten Afghanistans und Irans teil.

Von

dpa

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