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29.01.2007

11:48 Uhr

Briten empört über Regierung

Blair in der Knastkrise

Skandal in Großbritannien: Wegen einer schweren Krise im Strafvollzug und bei der Überwachung von Sexual- und Drogenkriminellen ist die britische Regierung unter Druck geraten. Ein Aufschrei der Empörung ging durchs Land, als Richter zwei Pädophilen Haftverschonung gewährten. Die Begründung ist kaum zu glauben.

Wegen Krise im Strafvollzug unter Druck: der britische Premierminister Tony Blair. Foto: dpa dpa

Wegen Krise im Strafvollzug unter Druck: der britische Premierminister Tony Blair. Foto: dpa

HB LONDON. Manche britische Satiriker stellen sich die Sache so vor: An den Gefängnissen steht „Wegen Überfüllung geschlossen“. Soldaten werden zu Heimschläfern erklärt, weil ihre Kasernenbetten für Verbrecher gebraucht werden. Und vor den Küsten des Königreiches ankern Schiffe voll mit Häftlingen.

Die jüngste Krise, die den für manche Beobachter quälend langsamen Abschied des Premierministers Tony Blair von der Macht überschattet, ist eine Krise des Strafvollzugs. Sie bewegt die Briten noch stärker als andere Skandale - darunter eine Affäre um die angebliche Vergabe von Adelstiteln gegen Millionenspenden für Blairs klamme Labour-Partei. Ganz so schlimm wie zum Spott neigende Kommentatoren es ausmalen, ist die Lage in britischen Gefängnissen zwar noch nicht. Aber es fehlt nicht viel.

Erhebungen des Innenministeriums gehen davon aus, dass bis zum Sommer die Zahl der Gefangenen bei anhaltenden Trends auf 83 500 wachsen würde. Das sind weit mehr als die Haftanstalten beherbergen können, in denen jetzt schon 81 000 Gefangene und damit im relativen Vergleich mehr als in jedem anderen EU-Staat sitzen.

Der Volkszorn über die Knastkrise, den die Medien täglich artikulieren, entzündete sich an einem durchgesickerten Rundschreiben des Innenministers John Reid an die Richter: Sie mögen doch bei ihren Urteilen bedenken, dass die Gefängnisse zum Bersten voll sind und möglichst „nur noch Schwerverbrecher“ in den Knast schicken.

Ein Aufschrei der Empörung ging durchs Land, als Richter daraufhin zwei Pädophilen Haftverschonung gewährten. Einer - er hatte massenweise Kinderpornos aus dem Internet auf seinen Heimcomputer heruntergeladen - sagte grinsend in einem BBC-Interview: „Macht nicht den Richter verantwortlich, der tat nur seine Pflicht.“

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