Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.05.2015

13:45 Uhr

Briten-Wahl

Anlegern drohen unruhige Nächte

Anleger in Großbritannien müssen sich auf eine turbulente Woche gefasst machen: Wie die Parlamentswahlen am Donnerstag ausgehen, ist noch unklar. Anleger, die in Pfund investiert haben, sind daher verunsichert.

Wohin geht Großbritanniens Weg in Europa? Der amtierende Premierminister Cameron möchte ein Referendum abhalten. Picture Alliance

David Cameron

Wohin geht Großbritanniens Weg in Europa? Der amtierende Premierminister Cameron möchte ein Referendum abhalten.

FrankfurtMit der Wahl am Donnerstag wird sich entscheiden, ob das Vereinigte Königreich auf eine Volksabstimmung über den Verbleib in der EU zusteuert. Sollten die europakritischen Parteien verstärkt Zulauf erhalten, dürften die Spekulationen auf einen EU-Austritt Großbritanniens an Fahrt gewinnen, sagt Niall Delventhal vom Brokerhaus FXCM. „Vor allem das Pfund könnte dann ordentlich unter die Räder kommen.“

Denkbar sind aus Sicht des Experten Kurseinbußen von mehr als vier Prozent – das Pfund würde damit unter sein bisheriges Jahrestief von 1,4563 Dollar rutschen. Auch der Londoner Leitindex, der seit Jahresbeginn sieben Prozent gewonnen hat, dürfte Börsianern zufolge verschnupft reagieren, wenn der Wahlausgang einen Abschied Großbritanniens aus der EU („Brexit“) wahrscheinlicher macht.

Vom Urnengang bis zum traditionellen Handkuss

Vom Urnengang bis zum traditionellen Handkuss (1)

Nach der Parlamentswahl in Großbritannien am Donnerstag wollen sowohl die konservativen Tories von Premierminister David Cameron als auch die sozialdemokratische Labour-Partei von Oppositionsführer Ed Miliband gern allein regieren. In Umfragen liegen beide nahezu gleichauf - was das Wahlergebnis hergeben wird, ist aber unklar.

Vom Urnengang bis zum traditionellen Handkuss (2)

Beobachter halten eine neuerliche Koalitions- oder aber eine Minderheitsregierung für gut möglich. Unter anderem wird dies vom Abschneiden kleiner Parteien wie der Schottischen Nationalpartei (SNP) oder der EU-feindlichen United Kingdom Independence Party (Ukip) abhängen. Ein Überblick zur Wahl:

Vier Regionen, 650 Sitze und strenges Mehrheitswahlrecht (1)

Insgesamt sind bei der Wahl zum Unterhaus für England, Schottland, Wales und Nordirland 650 Sitze zu vergeben. Jeder Wahlkreis fasst etwa 70.000 Wähler, und die Abstimmung verläuft streng nach dem Mehrheitswahlrecht. Dies bedeutet, dass gewählt ist, wer die meisten Stimmen im Wahlkreis erhält.

Vier Regionen, 650 Sitze und strenges Mehrheitswahlrecht (2)

Die landesweite Gesamtstimmenanteil ist letztlich unerheblich, was für die Tories und Labour als Volksparteien vorteilhaft ist. Der Wahltermin ist nach der Einführung fester Zeitpunkte im Jahr 2011 erstmals in der britischen Geschichte bereits seit vier Jahren bekannt.

Absolute Mehrheit, Koalition oder Minderheitsregierung (1)

Gewinnt eine Partei 326 Sitze oder mehr, beauftragt Königin Elizabeth II. deren Chef mit der Regierungsbildung. Ohne absolute Mehrheit muss nach Partnern für eine Koalition oder eine Minderheitsregierung gesucht werden. Die Regierung bleibt dann geschäftsführend im Amt.

Absolute Mehrheit, Koalition oder Minderheitsregierung (2)

Koalitionen wie derzeit zwischen Tories und Liberaldemokraten sind in Großbritannien jedoch traditionell unüblich. Daher könnten die Tories oder Labour eher auf eine von einer kleinen Partei gestützte Minderheitsregierung bauen. Diese müsste zum Start eine Vertrauensabstimmung bestehen.

Rücktritt, Neuernennung ud der traditionelle Handkuss (1)

Sobald sich abzeichnet, dass eine neue Regierung zustande kommt, ist der übergangsweise amtierende Premierminister zum Rücktritt verpflichtet. Dies trifft sowohl für den Fall einer Koalition als auch einer Minderheitsregierung zu.

Rücktritt, Neuernennung und der traditionelle Handkuss (2)

Der mögliche neue Regierungschef wird dann von der Queen zum sogenannten Handkuss in den Buckingham Palace eingeladen, mit der Regierungsbildung beauftragt und symbolisch ernannt. Die Hand des Monarchen muss bei der Zeremonie inzwischen nicht mehr geküsst werden, die formelle Amtsübernahme erfolgt zudem erst später.

Cameron will Referendum zum Verbleib in EU ansetzen

Ein solches Szenario hängt dabei nicht allein vom Abschneiden der EU-feindlichen Ukip-Partei ab, deren Einfluss nach einem starken Stimmenzuwachs steigen könnte. Auch der konservative Premierminister David Cameron selbst hat mehrfach angekündigt, bei einer Wiederwahl noch vor 2017 ein Referendum zum Verbleib in der EU anzusetzen.

Formell möchte der Regierungschef, der unter Druck von Euroskeptikern in seiner eigenen Partei steht, zwar in der EU bleiben. Gleichzeitig fordert er jedoch, die Beziehungen Großbritanniens zur EU neu auszuhandeln. Noch ist der Ausgang der Wahlen völlig unklar: Cameron und die konservativen Tories liefern sich aktuell ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Labour Party von Ed Miliband.

Feststeht laut Experten jedoch, dass britische Unternehmen vor schwierigen Zeiten stünden, sollte es zu einem „Brexit“ kommen. Ein Abschied aus der EU würde das Agieren auf dem europäischen Binnenmarkt schwerer machen, die Handelshemmnisse dürften die Exportwirtschaft stark belasten, prognostiziert NordLB-Analyst Mario Gruppe. Auch drohe eine zunehmende außenpolitische Isolierung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×