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21.06.2012

17:07 Uhr

Britische Zeitung

„Merkel, die gefährliche Maschine“

VonMatthias Thibaut

Merkel ist in Europa nicht besonders beliebt. Eine britische Untertreibung. Der New Statesman schreibt ganz unbritisch, sie sei „der gefährlichste deutsche politische Führer seit Hitler“ – und zeigt sie als Terminator.

In der aktuellen Ausgabe zeigt der britische "New Statesman" Kanzlerin Merkel als Terminator und nennt sie Europas gefährlichsten Führer. Das Magazin zitiert in seiner Titelgeschichte den US-Ökonomen Robert Kuttner. dpa

In der aktuellen Ausgabe zeigt der britische "New Statesman" Kanzlerin Merkel als Terminator und nennt sie Europas gefährlichsten Führer. Das Magazin zitiert in seiner Titelgeschichte den US-Ökonomen Robert Kuttner.

LondonDie britische Wochenzeitung „New Statesman“ hat sich mit einer scharfen Attacke auf Bundeskanzlerin Angela Merkel und die deutsche Europapolitik in die Phalanx der Deutschlandkritiker in Europa eingereiht. „Merkel ist der gefährlichste deutsche politische Führer seit Hitler“, schreibt das Blatt. Auf der Titelseite ist Merkel zwar nicht wie anderswo mit Hitlerbärtchen abgebildet, dafür aber als Terminator.

„Ihre acht Vorgänger von Konrad Adenauer bis Gerhard Schröder setzten zu Hause das industrielle Wirtschaftswunder und im Ausland die Rehabilitierung Deutschlands durch. Unter Merkel ist das Land erneut isoliert und wird in gleichem Maße gehasst wie gefürchtet“, schreibt die Zeitung.

Es sei ironisch, dass ausgerechnet die Regierungschefin der Nation, die paranoid und beleidigt auf jede Erwähnung des Nationalsozialismus reagiere, nun „entspannt auf den Aufstieg von Neonazis in ganz Europa reagiert“. Deutsche Kritik an Griechenland sei oft unbegründet. Nach neuen OECD-Analysen arbeiteten Griechen mehr als Deutsche. Das Magazin zitiert den US-Volkswirtschaftler Robert Kuttner: „Deutschland verfolgt enge, egoistische Interessen. Deutschland profitiert vom Leiden des restlichen Europas auf zwei Arten – durch expandierende Exporte und spottbilliges Geld“.

Die vom Politikchef des Magazins, Mehdi Hasan, verfasste Titelgeschichte verfolgt zwei Ziele: Indirekt ist die Attacke auf den deutschen Sparkurs und die Zögerlichkeit der Bundeskanzlerin, in der Eurokrise entscheidend zu handeln, auch ein Angriff auf den britischen Sparkurs von Tory Premier David Cameron.

Wie die britische Labourpartei reiht sich das Magazin in die neue, von Frankreich geführte Wachstumskoalition ein. Sparpolitik sei unfehlbar mit Wirtschaftsschwäche und Rezession verbunden , Merkels Vergleiche mit Privathaushalten, die nicht mehr ausgeben und leihen dürfen, als sie verdienen, seien falsch. Die Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre sei nicht durch die Sparpolitik von Präsident Hoover überwunden worden und nicht die Hyperinflation, sondern Massenarbeitslosigkeit habe Hitler an die Macht gebracht.

Aber die Attacke auf Deutschlands Bremserrolle in der Eurokrise entspricht weitgehend der öffentlichen Meinung der Briten – bis hinauf zum Regierungschef. Auch Cameron fordert ja, Deutschland müsse endlich die Konsequenzen aus der Tatsache ziehen, dass es Teil einer Währungsunion sei. Die vorherrschende Meinung in Großbritannien ist: Deutschland hat vor 20 Jahren die Währungsunion gewollt – oder sich, wie Kommentator Martin Wolf in der Financial Times schrieb, „sich von seinen Partnern dazu erpressen lassen“ – nun müsse es die Konsequenzen tragen.

Die einen, von der Linken bis zur konservativen Regierung, fordern, dass Deutschland bereit sein müsse, für die Schulden der Partner mit gerade zu stehen, anders könne die Eurozone nicht funktionieren. Euroskeptiker halten den Euro für eine, wie der ehemalige Schatzkanzler Nigel Lawson formulierte, „Weltuntergangs-Maschine“, die möglichst schnell zerstört werden muss.

Was nicht funktionieren könne, da sind sich die Briten einig, sei Merkels Wunsch, „dass alle in der Eurozone so wie Deutschland werden“, so Wolf. „Deutschland wird die Eurozone, die es gerne will, nicht so leicht und nicht so schnell bekommen“.

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Kommentare (123)

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Marc

21.06.2012, 17:18 Uhr

Es wird Zeit, dass wir den Euro verlassen. Ist für beide Seiten das Beste!

Rene

21.06.2012, 17:22 Uhr

Es ist eine Schweinerei! Als ob GB, I, F und ES oder China oder die USA keine eigenen Interessen vertreten.
Und nur weil Frau Merkel (ob man sie mag oder nicht) den Anschein wahrt, dass wir Deutschen uns vom Rest der Welt fiskalisch nicht versklaven lassen, sind solche Meinung über Deutschland oder spezielle Personen abscheulich!
Vom Export profitieren auch andere, von den niedrigen Zinsen ebenso, und vielleicht sollten man uns auch mal dankber sein, da wir auch größter Importeur sind.
--> aus dem Drecksverein EU und Euro austreten und wie die Schweiz und Norwegen zu nichts etwas sagen und keinen Euro locker machen.

Account gelöscht!

21.06.2012, 17:25 Uhr

I am also very diappointed about the actions of mrs. Merkel to delegate the power of the house of parlament to the eu as center of socislism and corruption. Nobody trusts brussels in any kind but mrs. Merkel is willing to finalize the plan of etablishing the EU and the single currency EURO - whatever it costs and against the willing of the german people. unbelievable but true.

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