Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.10.2017

09:35 Uhr

Britischer Außenminister vergreift sich im Ton

„Libyen muss nur die Leichen wegräumen“

Sind Kriegsopfer nichts weiter als eine Unannehmlichkeit für britische Geschäftsleute? Nach unglücklich gewählten Worten von Großbritanniens Außenminister Johnson könnte man darauf schließen. Die Empörung ist groß.

Der britische Außenminister zieht nach einer taktlosen Aussagen breiten Unmut auf sich. dpa

Boris Johnson

Der britische Außenminister zieht nach einer taktlosen Aussagen breiten Unmut auf sich.

ManchesterDer britische Außenminister Boris Johnson hat mit einer taktlosen Bemerkung über die Bürgerkriegsopfer in Libyen für Aufregung gesorgt. Die ehemalige IS-Hochburg Sirte könne zu einem neuen Dubai werden, sagte Johnson am Dienstag beim Parteitag der Konservativen in Manchester. „Sie müssen nur die Leichen wegräumen“, fügte der Außenminister mit einem Lachen hinzu. Ansonsten habe die Stadt mit ihrem weißen Sandstrand und „wunderschönem Meer“ schon alle Voraussetzungen für ein Touristenparadies. Es gebe britische Geschäftsleute, die dort investieren wollten, sagte Johnson weiter.

Nach monatelangen Kämpfen hatten libysche Milizen, die mit der UN-unterstützten Einheitsregierung in der Hauptstadt Tripolis verbündet sind, Sirte im vergangenen Dezember von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) erobert. Erst im August waren dort die Leichen von 25 Menschen in verschiedenen Teilen der Stadt gefunden worden.

Assad weiter an der Macht: Wie Putin Syriens Herrscher gerettet hat

Assad weiter an der Macht

Wie Putin Syriens Herrscher gerettet hat

Vor zwei Jahren begannen russische Jets mit Angriffen in Syrien. Seitdem hat sich das Blatt zugunsten von Machthaber Assad gewendet. Doch Syriens Präsident bezahlt für die Macht einen hohen Preis.

Die Labour-Außenexpertin Emily Thornberry kritisierte Johnsons Kommentar als „unglaublich krass, kaltblütig und grausam“. Für ihn seien die Kriegsopfer nichts weiter als eine Unannehmlichkeit für britische Geschäftsleute. Seine Worte seien völlig unangemessen für einen Außenminister.

Die Tory-Abgeordnete Heidi Allen empörte sich bei Twitter: „100% inakzeptabel, egal von wem, nicht zuletzt vom Außenminister. Dafür muss Boris entlassen werden. Meine Partei vertritt er nicht.“

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Esboern Schmidt

04.10.2017, 10:55 Uhr

Leider hat er nichts dazu gesagt, wer die Zerstörung des Landes voran getrieben hat, die Waffen geliefert hat u. somit die Verantwortung trägt

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×