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06.02.2017

21:43 Uhr

Britischer Unterhaussprecher Bercow

Der Trump-Verbanner

VonKatharina Slodczyk

Großbritanniens Premierministerin Theresa May hat Donald Trump zu einem Staatsbesuch eingeladen. Doch die Bevölkerung läuft Sturm. Nun will auch Unterhaussprecher John Bercow dem US-Präsidenten einen Auftritt verweigern.

Gediegen abgewiegelt? Der Sprecher des britischen Parlaments, John Bercow (Archivfoto von 2014) hat ausgeschlossen, US-Präsident Donald Trump bei einem geplanten Staatsempfang ins Unterhaus einzuladen. dpa

Britischer Parlamentssprecher John Bercow

Gediegen abgewiegelt? Der Sprecher des britischen Parlaments, John Bercow (Archivfoto von 2014) hat ausgeschlossen, US-Präsident Donald Trump bei einem geplanten Staatsempfang ins Unterhaus einzuladen.

LondonNormalerweise ist es sein Job, die Abgeordneten im britischen Unterhaus zu bremsen, wenn diese laut werden und so richtig in Fahrt kommen. Dann steht John Bercow, Sprecher des Unterhauses, von seinem grün gepolsterten Stuhl auf, ruft ein paar Ermahnungen in die Runde oder versucht mit lustigen Bemerkungen, die Gemüter zu beruhigen. An diesem Montag war es aber Bercow, der so richtig in Fahrt kam und sich nicht bremsen ließ.

Erst verkündete er, dass im traditionsreichen House of Commons eine Tradition abgeschafft würde: Bedienstete müssten keine Perücken mehr tragen. Denn das sei „vermieft“, so Bercow, und gehöre abgeschafft.

Und kurze Zeit später verkündete er die nächste Entscheidung, die ebenso wie die vorangegangene die Abgeordneten spaltete: Bercow sprach eine Art Donald Trump-Bann aus. Der Sprecher des Unterhauses sprach sich dagegen aus, dass der neue US-Präsident bei seinem voraussichtlich für den Sommer geplanten Staatsbesuch auf der Insel eine Rede im Parlament halten darf.

Bereits vor Einführung des Einreiseverbots für Muslime „wäre ich sehr gegen einen Auftritt“ Trumps im Parlament gewesen, sagte Bercow. Nachdem der US-Präsident dieses Einreiseverbot jetzt aber tatsächlich wahr gemacht habe, „bin ich noch viel stärker dagegen“, so der Unterhaussprecher.

Eine Ehre, die man sich verdienen muss

Angesichts des Kampfs gegen Rassismus und Sexismus und für Gleichheit vor dem Gesetz, dass das House of Commons führe, sei dies kein geeigneter Ort für einen Auftritt des US-Präsidenten. Ohnehin sei eine solche Rede im britischen Parlament kein automatisches Recht, das jedermann zuteil werde, sondern eine Ehre, die man sich verdienen müsste.

Großbritanniens Premierministerin Theresa May hat Trump im Namen der Königin zu einem Staatsbesuch eingeladen und damit auf der Insel massive Entrüstung ausgelöst. Mehr als 1,8 Millionen Menschen habe eine Onlinepetition unterzeichnet, die sich dagegen ausspricht.

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Der US-Präsident könne zwar nach Großbritannien kommen, allerdings solle das nicht ein offizieller Staatsbesuch werden, um Queen Elizabeth II. nicht in Verlegenheit zu bringen, heißt es in der Petition. Trump solle wegen seiner Frauenfeindlichkeit und seinen fragwürdigen Benehmens insgesamt nicht von der Königin empfangen werden. Angesichts der Vielzahl der Unterzeichner wird sich das Parlament am 20. Februar mit der Petition auseinandersetzen.

Bercow machte aber jetzt schon deutlich, was er von Trump hält und dürfte sich damit den Zorn von May zugezogen haben. Die Premierministerin bemüht sich um gute Beziehungen zu dem US-Präsidenten und hofft so, nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU möglichst schnell ein Freihandelsabkommen mit den USA abschließen zu können.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

07.02.2017, 08:19 Uhr

Die Bevölkerung Englands läuft keinen Sturm. Es sind bezahlte Aktivisten, die hier mal wieder als die Mehrheit von den "Qualitätsmedien" hochgespielt werden.

Reiner Blumenhagen

07.02.2017, 08:31 Uhr

Wer genau bezahlt denn wen? Und wie?

Herr Grutte Pier

07.02.2017, 08:32 Uhr

„Doch die Bevölkerung läuft Sturm“
Es war mir noch gar nicht bewusst, dass die Bevölkerung Großbritanniens nur aus 1,8 Mio. Einwohnern besteht?
Laut Wikipedia hat Großbritannien (Stand 2013) 64,1 Mio. Einwohner. Die 1,8 Mio., die sich der erwähnten Petition angeschlossen haben, stellen demnach einen Anteil von gerade mal 2,94% an der Bevölkerung dar.
Wieder einmal wird der Eindruck erweckt, dass hier eine, zugegebenermaßen lautstarke Personengruppe, die „Mehrheit“ stellt.
Der klägliche „Rest“ von verschwindend geringen 62,3 Mio. fällt unter den Tisch?

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