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03.04.2015

03:06 Uhr

Britischer Wahlkampf

Leidenschaftliche TV-Debatte der sieben Kandidaten

In fünf Wochen wird entschieden, ob der umstrittene David Cameron britischer Premierminister bleibt. Eine TV-Debatte mit sieben Kandidaten sorgte für überraschende Sieger in der Gunst der Zuschauer.

Debatte im britischen Fernsehen: Ed Miliband (links) Leanne Wood, Nicola Sturgeon und David Cameron lieferten sich einen leidenschaftlichen Schlagabtausch. Reuters

Großbritannien

Debatte im britischen Fernsehen: Ed Miliband (links) Leanne Wood, Nicola Sturgeon und David Cameron lieferten sich einen leidenschaftlichen Schlagabtausch.

LondonDie Spitzenkandidaten von sieben britischen Parteien haben sich in einer TV-Debatte einen leidenschaftlichen Schlagabtausch geliefert. Es war die einzige Fernsehdebatte, in der konservative Premierminister David Cameron und sein Herausforderer Ed Miliband von der sozialdemokratischen Labour-Partei direkt aufeinandertrafen. Cameron hat ein Duell mit Miliband, wie es von der Öffentlichkeit gefordert worden war, abgelehnt. Die Parteichefs setzten sich vor allem über die Hauptthemen des Wahlkampfes wie Gesundheits- und Einwanderungspolitik auseinander.

Umfragen zufolge hat es keinen klaren Sieger gegeben. Nach der Diskussion machten drei verschiedene Institute vier Gewinner aus. Damit scheinen sich Erwartungen zu bestätigen, dass das Wahlergebnis am 7. Mai so knapp wie seit den 70er Jahren nicht mehr ausfallen könnte.

Uneinheitliche Umfrage-Ergebnisse

Einer Umfrage zufolge die Chefin der schottischen Nationalisten, Nicola Sturgeon, als Siegerin hervorgehen. Andere Demoskopen ermittelten den Labour-Vorsitzenden Ed Miliband als Gewinner, während eine dritte Erhebung den konservativen Ministerpräsidenten David Cameron und den Chef der euroskeptischen Ukip, Nigel Farage, gleichauf in Führung sahen.

Eine Blitzumfrage des Meinungsforschungsinstitutes YouGov direkt nach der Debatte sah überraschend Sturgeon, als klare Siegerin mit einer Zustimmung von 28 Prozent. Ein zweiter Stelle folgte der Rechtspopulist Nigel Farage von der United Kingdom Independence Party (UKIP). Premierminister David Cameron lag in dieser Umfrage knapp vor seinem Herausforderer Ed Miliband an dritter Stelle. Eine andere Umfrage des Instituts ICM sah Herausforderer Ed Miliband knapp vor Amtsinhaber Cameron.

Was die Briten an der EU stört

Nationale Identität

Als ehemalige Weltmacht ist Großbritanniens Politik noch immer auf Führung ausgelegt. London ist gewohnt, die Linie vorzugeben, statt sich mühsam auf die Suche nach Kompromissen zu begeben. Die Briten reagieren allergisch auf jegliche Vorschriften aus Brüssel.

Londoner City

Die Londoner City ist trotz massiven Schrumpfkurses noch immer die Lebensader der britischen Wirtschaft. Großbritannien fühlt sich von Regulierungen, die in Brüssel ersonnen wurden, aber die City treffen, regelrecht bedroht.

Soziales und Arbeitsmarkt

Auch in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik wollen sich die Briten nicht von Brüssel herein reden lassen. Eine gemeinsame EU-weite Arbeitszeitrichtlinie hat beispielsweise für heftigen Streit gesorgt.

EU-Bürokratie

Die Euroskeptiker unter den Briten halten die Bürokratie in Brüssel für ein wesentliches Wachstumshemmnis. Anti-Europäer in London glauben, dass Großbritannien bilaterale Handelsabkommen mit aufstrebenden Handelspartnern in aller Welt viel schneller aushandeln könne als der Block der 27. Die Euroskeptiker fordern auch, dass der Sitz des Europaparlaments in Straßburg abgeschafft wird und die Abgeordneten nur noch in Brüssel tagen.

Medien

Die britische Presse ist fast durchgehend europafeindlich und prägt das Bild der EU auf der Insel. Das hat politische Wirkung. „Ich muss meinen Kollegen in Brüssel dauernd sagen, sie sollen nicht den 'Daily Express' lesen“, zitierte mal die „Financial Times“ einen britischen Minister.

Umfragen sehen die beiden großen Parteien generell Kopf an Kopf. Wahlforscher sehen aufgrund des britischen Wahlsystems leichte Vorteile für Miliband. Er hat mehr Optionen hinsichtlich Bündnissen mit anderen Parteien als Cameron. Alle Umfragen sagen bisher voraus, dass eine absolute Mehrheit höchst unwahrscheinlich erscheint. Auch eine Fortsetzung der bisherigen Koalition von Konservativen und Liberaldemokraten würde derzeit rechnerisch keine ausreichende Mehrheit bekommen.

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