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29.03.2016

13:18 Uhr

Brüssel nach den Anschlägen

„Mann mit Hut“ immer noch gesucht

Auch eine Woche nach den Anschlägen bleibt der Alltag in Brüssel ausgesetzt. Nur langsam kehrt Normalität ein: Der Flughafen öffnet testweise, die Warnstufe sinkt. Doch die Freilassung eines Verdächtigen bereitet Sorge.

Bei einer Zeremonie haben am Dienstag Hunderte den Opfern des Terrors gedacht. dpa

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Bei einer Zeremonie haben am Dienstag Hunderte den Opfern des Terrors gedacht.

BrüsselFlughafensperrung, Razzien, Gedenkstunden: Auch eine Woche nach den Anschlägen auf einen Flughafen sowie eine U-Bahn-Haltestelle bleibt die Lage in Brüssel angespannt. Mehr als 1100 Menschen haben am Montag bei einem ökumenischen Gottesdienst in der Brüsseler Kathedrale den Opfern gedacht. Insgesamt kamen bei den Explosionen 34 Menschen ums Leben, darunter drei der Täter. Dennoch bemühen sich die Behörden inzwischen, zum Alltag zurückzukehren – und sei es nur peu à peu.

So setzte das belgische Krisenzentrum die Warnstufe für eine terroristische Bedrohung nach mehreren Razzien und Festnahmen auf drei herab. Meldungen über eine erneute Erhöhung auf vier für das belgische Parlament wies eine Sprecherin am Dienstag zurück.

Auch der Flughafen Zavente, dessen Abflughalle von zwei Bomben schwer beschädigt wurde, könnte im Laufe der Woche zumindest teilweise wieder öffnen, erklärte eine Vertreterin des Flughafens. Am Dienstag soll ein Testlauf stattfinden. Sollte der erfolgreich sein, könnten etwa 20 Prozent des Betriebes frühestens ab Mittwoch anlaufen.

Mittels einer Behelfskonstruktion soll dabei der beschädigte Gebäudeteil des Flughafens umgangen werden. Bei dem Test sollen Sicherheit und Feuerschutz sowie Gepäckabfertigung und Beschilderung geprüft werden. Wie die Koordinierungsstelle des Brüsseler Flughafens, BSC, mitteilte, erhielten zunächst nur einige wenige Flüge von Brussels Airlines, einer Lufthansa-Tochter, Starterlaubnis. Sobald die Kapazität hochgefahren werden könne, könnten andere Fluggesellschaften ihre Flugpläne einreichen.

Langsame Erholung auch unter der Erde: Die U-Bahnen fuhren mit geringerer Frequenz als üblich, rund die Hälfte der Stationen blieb allerdings geschlossen. Die geöffneten waren von Soldaten streng bewacht. Dennoch fühlten sich viele Bewohner Brüssels noch nicht wirklich sicher.

„Wenn Terroristen einen Anschlag planen, werden sie das tun, auch wenn Dutzende oder Hunderte Polizisten auf der Straße sind“, sagte der 82-jährige Franz Alderweireldt. Der Versicherungsangestellte Debaprasad Kar sagte, er habe seit den Anschlägen von zu Hause aus gearbeitet. „Ich bin immer noch ein bisschen nervös. Ich habe Angst, in die U-Bahnstation zu gehen.“

Der Bürgermeister von Brüssel, Yvan Mayeur, hat derweil die Freilassung eines als möglichen dritten Flughafen-Attentäter festgenommenen verdächtigen Mannes bedauert. Fayçal C. sei ein Unruhestifter und habe wahrscheinlich Dschihadisten angeworben, sagte Mayeur am Dienstag dem französischen Radiosender France Inter. Auch wenn der 30-Jährige nicht wegen einer Verwicklung in die Anschläge festgehalten werden konnte, hätte er wegen anderer Tatbestände in Haft bleiben sollen.

„Dieser Mann hat Flüchtlinge aufgewiegelt und hat sich mit Vertretern von Hilfsorganisationen geprügelt“, berichtete Mayeur von Ereignissen in dem zentralen Flüchtlings-Zeltlager, das im Herbst vergangenen Jahres Hunderten von Flüchtlingen eine provisorische Unterkunft in Brüssel gegeben hatte. Schon damals habe er die Staatsanwaltschaft aufgefordert, einzugreifen und ein Platzverbot gegen Fayçal C. auszusprechen. Dies sei vergeblich gewesen, berichtete der Bürgermeister der belgischen Hauptstadt.

Fayçal C. war am vergangenen Donnerstag festgenommen worden. Er wurde verdächtigt, der „Mann mit dem Hut“ zu sein, der als dritter Verdächtiger der Anschläge auf dem Brüsseler Flughafen gesucht wird. Da sich der Verdacht nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht bestätigte, wurde der 30-Jährige am Montag aber ohne Auflagen freigelassen. Nach dem „Mann mit Hut“, der auf der Aufnahme einer Überwachungskamera neben den zwei Selbstmordattentätern vom Flughafen zu sehen ist, fahndete die Polizei am Dienstag weiter.

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