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23.03.2016

20:52 Uhr

Brüssel und Boston

19-Jähriger überlebt zweiten Bombenanschlag

Mason Wells wurde bei dem Terroranschlag am Flughafen von Brüssel schwer verletzt. Aber: Er wird den Anschlag überleben und vollständig genesen. Es ist nicht die erste Bombenexplosion, die der Jungmissionar erlebt.

Der junge Amerikaner aus Utah ist Mormone und in Europa auf einem zweijährigen Einsatz als Jungmissionar unterwegs. AP

Mason Wells (links)

Der junge Amerikaner aus Utah ist Mormone und in Europa auf einem zweijährigen Einsatz als Jungmissionar unterwegs.

BrüsselEinen Bombenanschlag zu überleben, ist schon großes Glück. Ein 19-Jähriger aus den USA erlebte anscheinend gleich zwei: erst in Boston, dann in Brüssel. Das sagt zumindest sein Vater. In Boston war der junge Mann allerdings einen Häuserblock vom Anschlag entfernt.

Bei dem Terroranschlag am Flughafen von Brüssel am Dienstag wurde Mason Wells schwer verletzt, wie unter anderem der US-Sender ABC News berichtete. „Er war extrem nah an der Explosion“, erzählte sein Vater Chad dem Sender. Mason wurde am Kopf verletzt, von Splittern getroffen und zog sich schwere Verbrennungen zu, wie es hieß. Aber: Er werde den Anschlag überleben und vollständig genesen.

Brüssel und die Folgen für Deutschland

Wie haben die deutschen Sicherheitsbehörden reagiert?

Wie andere EU-Staaten hat Deutschland seine Sicherheitsvorkehrungen hochgefahren. Das heißt, es wurden zum Beispiel die Kontrollen im Grenzraum, an Flughäfen und Bahnhöfen intensiviert. Die Sicherheitsvorkehrungen an Airports wurden generell verstärkt.

Was passiert hinter den Kulissen?

Polizei und Geheimdienste schauen sich nochmals genauer die deutsche Islamisten-Szene an und suchen nach möglichen Querverbindungen zu den Tätern. Sie durchforsten das Internet nach Hinweisen und Reaktionen der Szene und tauschen sich öfter als üblich im Gemeinsamen Terrorabwehrzentrum aus, wo 40 Sicherheitsbehörden aus Bund und Ländern vertreten sind. Nach den jüngsten Anschlägen in Europa war es auch verstärkt zu Durchsuchungen und Festnahmen gekommen, um Druck auf die Szene auszuüben. Das könnte nun wieder passieren.

Macht das die Islamisten nicht erst recht nervös und gefährlich?

Der Terrorexperte Rolf Tophoven hält das für möglich: Wenn der Fahndungsdruck zunehme, könnten sich Einzelne in die Enge getrieben fühlen, ihrem Auffliegen zuvorkommen und Anschlagspläne vorziehen. Er sieht die Attacken in Brüssel als direkte Reaktion auf die Festnahme des mutmaßlichen Top-Terroristen Salah Abdeslam - einen der Hauptverdächtigen für die Anschläge in Paris. Die belgische Polizei hatte den Mann am Freitag in Brüssel festgenommen. Tophoven meint, Abdeslams Umfeld habe nun wohl zeigen wollen, dass es auch nach dem Zugriff weiter handlungsfähig sei. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) räumte ein, erfolgreiche Maßnahmen wie Festnahmen könnten dazu führen, dass Terroristen als Reaktion extra Anschläge begehen. Das dürfe aber niemanden vom Kampf gegen den Terror abhalten.

Was bedeuten die Anschläge für die Sicherheitslage in Deutschland?

Die Lage ist seit Monaten enorm angespannt. Schließlich wurden mehrere direkte Nachbarn Deutschlands in jüngster Zeit vom Terror heimgesucht. Die erneuten Attacken ändern an der Terrorgefahr für Deutschland im Grunde nichts. Die Bundesrepublik ist seit langem im Fokus islamistischer Terroristen. Die Sicherheitsbehörden betonen regelmäßig, dass auch hier ein Anschlag nicht auszuschließen sei.

Gibt es Bezüge der Täter zur deutschen Islamisten-Szene?

Bislang nicht. Es handele sich dabei aber nur um einen Zwischenstand, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Mittwoch. Die Ermittlungen liefen schließlich noch. Großes Gefahrenpotenzial hat die deutsche Islamisten-Szene allemal. Mehr als 43 000 Menschen werden ihr zugerechnet. Mehr als 8600 davon sind Salafisten, die einen besonders konservativen Islam leben. Polizei und Geheimdienste stufen viele Islamisten als gefährlich ein: Gut 470 solchen „Gefährdern“ trauen sie potenziell zu, dass sie einen Anschlag begehen könnten. Zum Teil sind auch Rückkehrer aus Dschihad-Gebieten darunter. Von den mehr als 800 Islamisten aus Deutschland, die bislang Richtung Syrien und Irak ausgereist sind, ist ein Drittel wieder in Deutschland – etwa 70 mit Kampferfahrung.

Der junge Amerikaner aus Utah ist Mormone und in Europa auf einem zweijährigen Einsatz als Jungmissionar unterwegs. Am Brüsseler Airport war er mit anderen Mormonen, auch sie kamen mit schweren Verletzungen davon.

Wells hatte schon einmal Glück, als beim Boston-Marathon vor drei Jahren zwei Sprengsätze nahe des Zieleinlauf des Marathons explodierten und drei Menschen töteten. Damals war er aber in sicherer Entfernung.

Von

dpa

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