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15.01.2007

22:24 Uhr

Brüssel will Energieversorger entflechten

Die EU nimmt sich Briten zum Vorbild

VonHelmut Hauschild und Dirk Heilmann

In den Zentralen der deutschen und französischen Energiekonzerne geht die Angst vor der Entmachtung um. Nachdem EU-Kommissionschef José Manuel Barroso vergangene Woche gefordert hatte, die Versorger müssten sich von ihren Netzen trennen, rüsten diese nun zum Großkonflikt.

Durchschnittliche Strompreise in EU-Ländern 2006

Durchschnittliche Strompreise in EU-Ländern 2006

BRÜSSEL/LONDON. Die Kommission wolle die Aktionäre enteignen, warnte Eon-Chef Wulf Bernotat. Frankreichs Strommonopolist EdF erklärte Barrosos Pläne kurzerhand für völlig verfehlt. In anderen EU-Ländern dagegen bleiben Politik und Energiewirtschaft gelassen. In Großbritannien fällt das Echo sogar einhellig positiv aus. Ein „großer Schritt in die richtige Richtung“ sei der Brüsseler Entflechtungsvorschlag, lobte Sam Laidlaw, Chef des Gasmarktführers Centrica. Wirtschaftsminister Alistair Darling jubelte, das Drängen seiner Regierung auf eine europaweite Marktöffnung nach dem Vorbild Großbritanniens zeitige endlich Erfolg.

Der Grund für die widersprüchlichen Reaktionen ist simpel: Während in Deutschland und Frankreich integrierte Verbundunternehmen dominieren, haben die Versorger in anderen EU-Ländern die Kontrolle über die Netze schon weitgehend verloren.

Am konsequentesten ist die Entflechtung auf der britischen Insel. Dort werden das Hochspannungsnetz und die Ferngasleitungen von einem separaten Unternehmen, National Grid, betrieben. Die nationale Regulierungsbehörde Ofgem wacht über den diskriminierungsfreien Zugang. Die Trennung von Netz und Versorgern im Zuge der Privatisierung der Energiebranche seit 1986 fiel der britischen Regierung indes leicht: Zum einen waren die Stromnetze in staatlicher Hand, zum anderen schon dort von den Versorgern getrennt. Die Gaspipelines wurden 1997 von der damaligen British Gas abgetrennt und 2002 mit dem Betreiber der Stromnetze zu National Grid fusioniert.

Wohl nirgends in Europa ist seither der Wettbewerb um den Strom- und Gaskunden so hart wie auf dem britischen Markt. Mehr als die Hälfte der Haushalte hat nach der Marktöffnung 1999 mindestens einmal den Energieanbieter gewechselt. Unternehmen und Haushalte hätten so über die Jahre zweistellige Milliardensummen gespart, rühmt Ofgem. Trotzdem machten alle sechs großen Versorger, darunter Töchter von Eon und RWE – zuletzt üppige Gewinne. Seit zwei Jahren aber erleben die Verbraucher starke Preissprünge. Das liegt daran, dass die Gasförderung in der Nordsee rascher sinkt als erwartet und die Briten teuer auf dem Weltmarkt zukaufen müssen. Genau deshalb übte die Regierung auch massiven Druck in Brüssel aus: Sie glaubt, dass die britischen Versorger auf einem liberalisierten EU-Markt leichter und günstiger zukaufen können. Gravierende Nachteile des britischen Wettbewerbsmodells sieht die heimische Wirtschaft indes nicht.

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