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24.02.2014

10:59 Uhr

Buchkritik

„Deutschland könnte gehasst werden wie eine Kolonialmacht“

VonJan Mallien

Star-Investor George Soros fürchtet: Der Euro könnte die europäische Gemeinschaft zerstören. Er fordert entschlossenere Schritte, um die Krise zu bewältigen. Nur Deutschland kann für einen Ausweg sorgen.

George Soros Hang zu extremen Szenarien hat einen ernsten Hintergrund. dpa

George Soros Hang zu extremen Szenarien hat einen ernsten Hintergrund.

DüsseldorfGeorge Soros neigt zu provokanten Thesen. Vor knapp einem Jahr hielt er an der Frankfurter Universität einen Vortrag zur Euro-Krise und sagte dem Publikum offen ins Gesicht: „Entweder Deutschland akzeptiert Euro-Bonds oder es muss aus dem Euro austreten.“

Eigentlich bräuchte Soros sich nicht auf diese Art unbeliebt zu machen. Er ist 83 Jahre alt und steinreich. Mit Spekulationsgeschäften hat er ein Vermögen von über 20 Milliarden Dollar angehäuft. Sein wohl legendärster Scoop war 1992 eine Wette gegen das Pfund. Damals lieh er sich zehn Milliarden Dollar und spekulierte auf eine Abwertung der britischen Währung. Er gewann und zwang die altehrwürdige Bank von England in die Knie.

Wieso wendet sich dieser Mann im hohen Alter mit unpopulären Thesen zur Euro-Krise an die deutsche Öffentlichkeit? Wer das verstehen will, sollte den neu erschienenen Interviewband „Wetten auf Europa“ von Spiegel-Autor Gregor-Peter Schmitz lesen. In den Gesprächen mit Soros geht es um den Ursprung der Europäischen Union, die Gründe der Euro-Krise, die Rolle der Märkte und die Zukunft Europas.

Der Leser erfährt im Laufe der Gespräche viele persönliche Anekdoten. Zum Beispiel, dass Soros eigentlich Philosoph werden wollte. „Ich hatte mir einen Plan zurechtgelegt: Ich wollte in den USA binnen fünf Jahren ein Vermögen von 500.000 Dollar aufbauen und dann nach Großbritannien zurückkehren, um mich voll und ganz auf meine Arbeit als Philosoph konzentrieren zu können“, sagt Soros. Das sei sein „persönlicher Fünf-Jahresplan“ gewesen. „Nur leider ging er schief. Ich verdiente mehr Geld in den ersten fünf Jahren als erwartet …“

Die Titanen der Hedge-Fonds

Alfred Winslow Jones

Das New York Magazin kürte Winslow 1968 zum „Big Daddy“ der Branche. 1949 hatte er den „abgesicherten Fonds“ erfunden und große Gewinne eingefahren. Er veränderte wie viele Hedge-Fonds-Titanen die Finanzbranche. Kapital wurde nicht mehr nur von Treuhändern verwaltet, sondern aktiv verwaltet.

Michael Steinhardt

Die erste Ära der Hedge-Fonds wurde von der Baisse Anfang der 70er-Jahre jäh beendet. Mchael Steinhardt war einer der Ersten, die danach wieder aufstanden und wurde zur Legende. Dank einer harten Kindheit in Brooklyn unter der Knute eines spielsüchtigen Vaters entwickelte er sich zum „heißesten Analysten der Wall Street“. 1994 verlor er Steinhardt aber sehr viel Geld bei einem „Blutbad“, das auf das Wirken vom damaligen Fed-Chef Alan Greenspan zurückging.

Jerold Fine und Howard Berkowitz

An Steinhardts Seite standen Jerold Fine und Howard Berkowitz. Das Trio gründete 1967 ihren Hedge-Fongs – vorher waren sie Broker gewesen. Die Drei stellten einen Poolbillard-Tisch in ihr Büro und verkündeten die „Überlegenheit der Jugend“. Ihr Erfolg demonstrierte eindrucksvoll die Möglichkeit der antizyklischen Vorgehensweise.

F. Helmut Weymar

Weymars Karriere begann mit seiner Doktorarbeit, in der er eine Methode entwickelte, Kakaopreise zu antizipieren. Er galt als äußerst ehrgeizig, aber auch ein wenig größenwahnsinnig. Doch der Mangel an Selbstzweifel hat ihm viel Geld eingebracht. Er gründete rasch seine eigene Firma – gemeinsam mit Frank Vannersen. Außerdem inspirierte Weymar den Nobelpreisträger Paul Samuelson.

Michael Marcus

Marcus hatte eine denkbar schlechte Eignung für einen Hedge-Fonds-Manager: Er hatte keine Ahnung von Computern und noch weniger von Mathematik. Aber als er in Weymars Firma kam, hatte er großen Erfolg. Marcus zeigte eine furchtsame Selbstkontrolle. Und setzte Weymars ursprüngliches Konzept außer Kraft. Er perfektionierte die Kunst des Tradings nach Chartsignalen.

George Soros

Der berühmteste, aber auch berüchtigste Hedge-Fonds-Manager aller Zeiten: Als der junge Ungar 1949 an der London School of Economics ankam, hatte er schon viel durchgemacht.: Der Jude entkam den Nazis nur mit Mühe und hatte die Grauen des Krieges intensiv mitbekommen. In London verschmolz er sein eigenes Wissen mit Karl Poppers Ideen. Erst 1973, nach vielen Jahren, wurde der Wirtschaftswissenschaftler zum Hedge-Fonds-Manager. 1978 wurde der Soros Fund in Quantum Funds umbenannt, der Rest ist Geschichte. Berühmt wurde Soros im Jahr 1992 mit seiner Spekulation gegen das britische Pfund.

Louis Bacon

Bacon war ein besonders stiller Vertreter der Hedge-Fonds-Branche, die ohnehin nicht mit Exzentrikern überfrachtet ist. Journalisten beschrieben ihn stets als „skurrile Figur hinter einer Wand aus Monitoren“. Am Ende seiner Karriere kaufte er sich eine Insel und hatte dann das geschafft, was vorher eigentlich auch schon galt: Er war maximal isoliert.

Julian Hart Robinson

Robinson war ein spezieller Typ: Er hatte den Charme eines Südstaatlers, aber auch das Netzwerk eines New-Yorkers. Voller Selbstvertrauen, extrovertiert und athletisch. Inspiriert von Steinhardt und Soros gründete er 1980 im fortgeschrittenen Alter von 48 Jahren den Hedge-Fonds „Tiger“. Bis zum Höhepunkt 1998 verdiente „Tiger“ nach Abzug der Gebühren 31,7 Prozent jährlich.

Paul Tudor Jones II

Die späten 80er-Jahre markierten einen Wendepunkt für die Hedge-Fonds. Die Branche war beinahe ausgelöscht, es gab nur noch wenige Fonds mit unbedeutenden Mengen an Kapital. Doch dann entstanden neue Titanen, einer von ihnen war Paul Tudor James II., Sohn eines Baumwollhändlers. Er hatte gelernt, Trading als psychologisches Spiel und als Bluff in hoher Geschwindigkeit zu begreifen.

Stan Druckenmiller

Im Herbst 1988 konnte Druckenmiller den Angeboten von George Soros nicht mehr wiederstehen und heuerte bei ihm an. Die beiden waren sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, passten als Investoren aber perfekt zusammen. Neben einem guten Gespür für Aktien brachte der gelernte Analyst ein starkes Verständnis für Währungen und Zinsen mit.

John Meriwether

Meriwether ist neben George Soros der bekannte Gründer eines Hedge-Fonds – nämlich des Long-Term Capital Management (LTCM). Er war in jungen Jahren einer der ersten Manager an der Wall Street, der das Potenzial neuartiger Finanzprodukte erkannte. Sein Rüstzeug lernte er als Star bei der Bank Solomon Brothers. 1994 gründete Meriwether dann seinen Fonds. Das spezielle Vorgehen – LTCM wette vor allem auf die Entwicklung der Renditeunterschiede zwischen verschiedenen Anleihen – war zunächst äußerst lukrativ. Im Jahr 1998 kam jedoch die Wende, da sich LTCM in der Russland-Krise massiv verspekulierte. LTCM kollabierte und erschütterte die Kapitalmärkte. Der Fonds musste schließlich aufgefangen werden, um eine Finanzkrise zu verhindern. Meriwether wurde danach Selbstüberschätzung vorgeworfen.

David Swensen

Swensen war der Pionier des Ansatzes, Hedge-Fonds mit Stiftungen zu kombinieren. Der asketische Mann aus dem Mittleren Westen war besessen von seinem Sinn für Moral – und hatte eine große Leidenschaft für das Finanzwesen. Als Swensen die Yale-Stiftung übernahm, war diese zu über 80 Prozent in US-Aktien und –Anleihen investiert. Swensen war von der Gestaltung der Hedge-Fonds beeindruckt, wollte den Managern aber nicht dabei helfen, noch reicher zu werden. Er fand in Tom Steyer den richtigen Mann, um im Sinne der Stiftung viel Geld zu verdienen.

James Simons

Es mag an seinem Allerweltsnamen liegen: Simons war Mitte der 2000er-Jahre sicher nicht der berühmteste Milliardär der Welt, aber wohl der klügste von ihnen. Sein Hedge-Fonds Renaissance Technologies ist der wahrscheinlich erfolgreichste aller Zeiten. Der Vorzeigefonds Medaillon verdiente zwischen 1989 und 2006 eine jährliche Rendite von 39 Prozent.

James Chanos

Chanos leitete den Hedge-Fonds Kynikos Associates, dessen Spezialität es war, nach finanziellen Leichen im Keller von Unternehmen zu suchen und auf Leerverkäufe zu setzen. Der schwache Markt der 2000er-Jahre war für Chanos ein Paradies. Und natürlich boten auch die Jahre 2007 und folgende für ihn so manche Chance.

Manche Anekdoten haben auch einen ernsten Hintergrund. In der Euro-Krise malt Soros die Situation immer besonders schwarz. Einmal gab er dem Euro nur noch drei Monate zum Überleben. Seinen Hang für extreme Szenarien erklärt er mit Erfahrungen aus der Kindheit. Er wuchs in einer jüdischen Familie in Ungarn auf. Als er 14 Jahre alt war, überfielen die Nazis das Land. George Soros und seine Familie überlebten damals nur, weil sein Vater ihnen falsche Papiere besorgte. „Ich denke stets an die negativsten Folgen, die man sich vorstellen kann, damit ich auf das Schlimmste vorbereitet bin und entsprechend vorbeugen kann“, sagt Soros. So habe es sein Vater damals auch gehalten: „Als die Deutschen Ungarn besetzten, hat er sich umgehend um falsche Papiere gekümmert.“  

Kommentare (48)

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RidiKuel

24.02.2014, 11:12 Uhr

Wer stellt dem Typ nur immer dieses Podium zur Verfügung - und nun wieder die Nazikeule... Schwachsinn pur!

Beratung

24.02.2014, 11:28 Uhr

Soros....

Nicht der schon wieder mit einen obskuren Thesen.
[...]

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Augias

24.02.2014, 11:28 Uhr

Es fehlt eine positive Vision für Europa
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Wie kann es eine positive Vision für Europa geben, wenn die Mentalitäten so stark auseinander gehen? Wir haben auf der einen Seite die solventen und solide wirtschaftenden Nationen des europäische Nordens, dem die trägen, reformunwilligen und korrupten Länder des Südens gegenüberstehen. Die Gräben sind so tief, dass eine Vergemeinschaftung von Schulden vollkommen unmöglich ist. Kein Land kann den sozialen Frieden im Inneren garantieren, wenn die Bevölkerung auf Jahrzehnte dazu verdonnert wird, für die obszönen Schulden bankrotter Staaten zur Kasse gebeten zu werden.

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