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12.02.2015

16:22 Uhr

Buchmacher gegen Griechenland

Hunderte Pfund auf Hellas

VonCarsten Herz

Britische Buchmacher setzen auf einen Austritt Griechenlands aus dem Euroraum. Damit sind sie den Politikern bereits weit voraus. Diese sollten sich hüten, die Wetten einfach als kuriosen Unfug abzutun.

Verlässt Griechenland die Eurozone? Bei britischen Buchmachern kann man schon mal darauf wetten. Und die Quoten stehen gegen Athen. dpa

Wetten auf den Grexit

Verlässt Griechenland die Eurozone? Bei britischen Buchmachern kann man schon mal darauf wetten. Und die Quoten stehen gegen Athen.

LondonEurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem hat noch nicht aufgegeben. „Die Fortschritte reichten nicht, um eine gemeinsame Schlussfolgerung zu verfassen“, versuchte der niederländische Finanzminister das ergebnislose Ringen der Euro-Finanzminister in Brüssel im Schuldenstreit mit Griechenland in freundliche Worte zu kleiden.

Doch während die Politik noch um einen Verbleib von Hellas im Euroraum kämpft, haben andere bereits eine klare Position bezogen. Die Zocker im wettbegeisterten Großbritannien sind einen Schritt weiter: Sie setzen auf einen Austritt Griechenlands.

Hunderte Pfund auf Hellas: Mögen die europäischen Spitzenpolitiker sich auch noch so in diplomatischen Sätzen zur Zukunft Griechenlands ergehen, die Quoten, die die großen Wettanbieter in Großbritannien anbieten, sprechen derzeit eine unmissverständliche Sprache, die viele Investoren erstarren lassen müsste.

Der große britische Buchmacher Paddy Power senkte erst vor wenigen Tagen seinen Wetteinsatz deutlich ab und zahlt Kunden, die auf einen Austritt von Griechenland bis Ende 2018 setzen, lediglich noch ein Verhältnis von 5/4, was bedeutet, dass ein Wetter für vier Pfund Einsatz nur noch einen Gewinn von fünf Pfund zurückerhält. Eine Woche zuvor wäre die Quote mit 3/1 noch deutlich besser gewesen.

Vor gut zwei Jahren hätten die Zocker sogar noch eine Quote von 7:1 bekommen. Was für viele Ökonomen noch immer ein Ritt auf der Rasierklinge ist, könnte damit für einige wagemutige Spekulanten zu einem lukrativen Geschäft werden.

Die Wetten sind mehr als ein kurioser Spaß. Sie sind ein ernstzunehmendes Alarmzeichen. Denn hinter der Berechnung der Wetten steckt durchaus höhere Mathematik. Die Buchmacherfirmen arbeiten mit ausgeklügelten Computerprogrammen, um beim Handel mit dem Glück und Schicksal nicht in die roten Zahlen zu geraten.

Die nächsten Stationen im griechischen Schuldendrama

27. Februar

Genau drei Jahre, nachdem der Bundestag dafür gestimmt hatte, ein zweites Hilfsprogramm für Griechenland aufzulegen, haben die Abgeordneten dieses um vier Monate verlängert. Damit soll Athen mehr Zeit bekommen, die Auflagen umzusetzen, damit noch nicht ausgezahltes Geld aus den Hilfstöpfen fließen kann. Das geschieht aber nicht sofort.

28. Februar

Um Mitternacht wäre das geltende Hilfsprogramm ausgelaufen.

Ende April

Bis dahin sollen Athen und die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) die bislang nur grob vereinbarten Reformvorhaben weiter ausarbeiten und mit konkreten Zahlen unterlegen. Sind alle einverstanden, kann Geld ausgezahlt werden. Dafür ist auch die Zustimmung des Haushaltsausschusses des Bundestags nötig.

Wie viele Euro Griechenland noch zustehen, ist nicht ganz klar. Da ist zum einen die noch ausstehende Tranche aus dem Hilfsprogramm von 1,8 Milliarden Euro. Außerdem liegen rund 1,9 Milliarden Euro aus Gewinnen der EZB mit griechischen Staatsanleihen bereit. Einschließlich weiterer Mittel des IWF hofft Athen auf eine Summe von 7,2 Milliarden Euro.

30. Juni

An diesem Tag läuft das nun verlängerte zweite Hilfsprogramm aus. Viele Fachleute und Finanzpolitiker gehen davon aus, dass anschließend ein drittes Hilfspaket für Griechenland nötig sein wird. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat dies nie ausgeschlossen. Ob und in welcher Höhe ein solches Programm kommt, dürfte für neue harte Debatten sorgen.

20. Juli

Griechenland muss Schulden in Höhe von 3,5 Milliarden Euro an die EZB zurückzahlen. Analysten zufolge dürfte Athen bis zu diesem Termin finanziell über die Runden kommen. Danach wäre das Land aber vermutlich auf weitere Hilfe angewiesen, um den Staatsbankrott zu verhindern.

20. August

Weitere 3,2 Milliarden Euro an die EZB werden fällig.

Ein Einsatz, der sich lohnt, denn irgendwo sonst in Europa wird so leidenschaftlich gewettet wie auf der Insel. Der Wettmarkt in Großbritannien kommt auf einen Jahresumsatz von mehr als 20 Milliarden Pfund. Dabei wächst vor allem der Online-Wettmarkt, bei dem längst nicht mehr allein auf Fußball oder Pferderennen gesetzt wird.

Kommentare (2)

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Herr Christoph Weise

12.02.2015, 17:16 Uhr

Die Wetten sind sicher ein relevanter Indikator, denn der kaufmännische Verstand der kleinen Leute ist dem abgehobenen Getue der Eurokraten a la Dijsselbloem deutlich überlegen.

Herr wulff baer

13.02.2015, 09:18 Uhr

Jeder, der auf den Grexit wettet, wird seinen Einsatz verlieren.
Denn die Koalition von EU, Erika und EZB wird "whatever it takes" Griechenland im Euro halten.

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