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20.10.2014

21:12 Uhr

Bündnis soll Russland Stärke zeigen

EU-Kommissar will europäischen Gaseinkauf bündeln

Der neue Energiekommissar will ein EU-Gasbündnis vorbereiten. Gemeinsame Einkäufe auf dem Gasmarkt sollen die europäischen Länder gegenüber Russland unabhängiger machen. Sein deutscher Vorgänger wollte das verhindern.

Der designierte EU-Kommissar Maros Sefcovic will die EU-Gaseinkäufe bündeln. dpa

Der designierte EU-Kommissar Maros Sefcovic will die EU-Gaseinkäufe bündeln.

Straßburg/BrüsselDer designierte EU-Kommissar für die Energieunion, Maros Sefcovic, will den Gaseinkauf der EU aus Russland bündeln. „Wir müssen gemeinsame Einkäufe von Gas sondieren“, sagte der Slowake am Montagabend bei seiner Anhörung im Europaparlament in Straßburg. Natürlich müssten dabei die Regeln zum Wettbewerb und die Vorgaben der Welthandelsorganisation WTO beachtet werden, „aber ich denke, wir sollten es versuchen“. Damit vertritt Sefcovic eine andere Meinung als der scheidende Energiekommissar Günther Oettinger, der dieses Vorhaben sehr kritisch sieht.

Solch ein von Polen gefordertes Bündnis könnte die Abhängigkeit der EU vom russischen Gas und dem russischen Monopolisten Gazprom reduzieren. Russland könnte nicht mehr ein Land gegen das andere ausspielen und die heute sehr unterschiedlichen Preise würden sich im Wettbewerb angleichen. Zum weiter schwelenden Gasstreit mit Russland sagte der designierte Vizepräsident der EU-Kommission: „Russland versucht immer, die Gasversorgung als politische Waffe gegen die Ukraine einzusetzen. Das können wir nicht akzeptieren.“

Woher bekommt Deutschland sein Erdgas?

Deutsches Erdgas-Aufkommen

Das gesamte deutsche Erdgas-Aufkommen (Importe, inländische Gewinnung und Speichermenge) entsprach in den ersten drei Monaten dieses Jahres einem Energiegehalt von rund 1,179 Millionen Terajoule (TJ). Das waren etwa 17,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

(alle Infos: Stand März 2014)

Importe

Mehr als vier Fünftel dieser Menge stammte aus Importen (rund 979.000 TJ) – 2,9 Prozent mehr als zwischen Januar und März 2013.

Wichtigste Lieferländer

Von diesen Einfuhren entfielen knapp 373.000 TJ auf Russland als mit Abstand wichtigstes Lieferland. Auf Rang zwei lag Norwegen (gerundet 291.000 TJ), gefolgt von den Niederlanden (etwa 267.000 TJ). Während die Importe aus Russland zuletzt um 11,7 Prozent und diejenigen aus Norwegen um 13,7 Prozent zulegten, sanken die Importe aus den Niederlanden um 12,6 Prozent. Alle sonstigen Bezugsländer kamen auf eine Restmenge von lediglich 48.800 TJ (-13,2 Prozent).

Inländische Förderung

Die inländische Erdgasförderung der Bundesrepublik erreichte von Januar bis März 2014 ein Energie-Äquivalent von rund 84.400 TJ – 8 Prozent unter dem Niveau der ersten drei Monate des vorigen Jahres.

Gasspeicher

Angesichts des milden Wetters im zurückliegenden Winter 2013/2014 waren die deutschen Gasspeicher von Januar bis März noch mit einer Kapazität von knapp 116.000 TJ gefüllt.

Exporte

Deutschland exportierte außerdem Erdgas mit einem Energiegehalt von rund 205.000 TJ ins Ausland – ein Fünftel weniger als vor einem Jahr.

Sefcovic musste sich wegen des Umbaus der neuen EU-Kommission einer zweiten Befragung stellen. Denn die slowenische Kandidatin für die EU-Kommission, Alenka Bratusek, hatte ihre Kandidatur als Kommissarin für die Energieunion zurückgezogen. Da Sloweniens Ersatzkandidatin Violeta Bulc für Verkehr zuständig sein soll – ursprünglich das Ressort von Sefcovic – wechselt Sefcovic in den Bereich Energieunion.

Jedes der 28 EU-Länder ist in der EU-Kommission vertreten. Am 1. November soll die neue EU-Kommission unter Jean-Claude Juncker ihr Amt antreten. Vorher muss das Europaparlament dem Personalpaket noch zustimmen - dies könnte schon am Mittwoch geschehen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Woifi Fischer

21.10.2014, 10:31 Uhr

EU-Kommissar will europäischen Gaseinkauf bündeln.

Dieser Vorschlag ist mit äußerstem Misstrauen zu beobachten, was kommt da wieder auf den deutschen Steuerzahler zu?
Sollen wir jetzt jedem seinen Gasverbrauch bezahlen?
Jedes Land ist für seine Gas oder Öl Einkäufe selbst verantwortlich, so kann jedes Land mit dem Verkäufer selbst aushandeln, und nicht ein EU-Kommissar

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