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28.10.2014

10:35 Uhr

Bürgerkrieg

Fast die Hälfte aller Syrer auf der Flucht

Einst hatte Syrien rund 22 Millionen Einwohner. Mittlerweile sind bereits 3,2 Millionen Flüchtlinge im Ausland registriert. Die umliegenden Staaten tragen unterschiedlich schwer an der Last, die Flüchtlinge aufzunehmen.

An der türkisch-syrischen Grenze dauern die Gefechte zwischen Kurden und Islamisten an. dpa

An der türkisch-syrischen Grenze dauern die Gefechte zwischen Kurden und Islamisten an.

BerlinVor dem Hintergrund der akuten syrischen Flüchtlingskrise berät eine internationale Konferenz in Berlin am Dienstag über langfristige Unterstützung für die Aufnahmeländer. Allein die jüngste Offensive der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) auf Kobane hat 190.000 Menschen zur Flucht in die Türkei gezwungen.

6,5 Millionen Syrer leben als Vertriebene im eigenen Land, insgesamt 3,2 Millionen Menschen sind im Ausland als Flüchtlinge registriert, zudem sind hunderttausende weitere in den Nachbarländern bei Verwandten untergekommen.

Dreieinhalb Jahre nach Beginn des Bürgerkriegs haben Schätzungen zufolge von den einst 22 Millionen Einwohnern Syriens rund die Hälfte infolge des Konflikts ihre Häuser verlassen müssen. Der größte Teil der Flüchtlinge ist in den Anrainerländern Jordanien, Libanon und Türkei untergekommen.

Für diese Länder stellt die Aufnahme der Flüchtlinge eine hohe Belastung für den Arbeitsmarkt und für das soziale Gleichgewicht dar und provoziert Spannungen und auch zunehmend Proteste. Bei allen Parallelen gibt es aber auch starke Unterschiede zwischen den Ländern.

Die Staaten mit den meisten syrischen Flüchtlingen

Libanon

Mit 1,2 Millionen registrierten Flüchtlingen trägt der Libanon im Verhältnis zu seinen 3,6 Millionen Einwohnern die größte Last. Der Großteil der Syrer lebt nicht in Lagern, sondern integriert in den Gemeinden. Doch gefährdet die Präsenz der überwiegend sunnitischen Flüchtlinge das fragile konfessionelle Gleichgewicht des Landes. Schiiten und Sunniten sind gespalten in ihrer Haltung zum Bürgerkrieg in Syrien. Anschläge in Beirut und wiederholte Gefechte in der nördlichen Hafenstadt Tripoli verdeutlichten die Gefahr eines Übergreifens des Konflikts.

Jordanien

Auch für Jordanien mit seinen 6,5 Millionen Einwohnern bedeuten die 620.000 registrierten Flüchtlinge aus Syrien, die überwiegend im Norden in großen Lagern wie Saatari leben, eine Herausforderung. Hinzu kommen rund 600.000 weitere Syrer, die in den Gemeinden verteilt leben. Außerdem haben in dem haschemitischen Königreich zahllose Kriegsflüchtlinge aus dem Irak sowie die Vertriebenen aus den Palästinensergebieten Zuflucht gefunden. Die UNO warnt, dass es erste Anzeichen der Abwehr gibt – nicht zuletzt, weil Amman ein Einsickern von IS-Kämpfern fürchtet.

Türkei

In der Türkei sind mehr als 1,5 Millionen Flüchtlinge aus Syrien angekommen. Überwiegend leben sie in Lagern entlang der Grenze im Süden. In der Türkei hält sich vermutlich ein recht hoher Anteil nicht registrierter Flüchtlinge auf. Zwar fällt es dem Land mit seiner stabilen und dynamischen Wirtschaft leichter, die Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Hilfsbereitschaft des Landes ist groß, doch wiederholte Proteste zeigen, dass inzwischen auch der Unmut über syrische Bettler und Tagelöhner wächst. Die Ausweitung des Konflikts in Syrien auf die Kurdengebiete verschärft zudem die Spannungen zwischen Ankara und den türkischen Kurden.

Ägypten

Rund 140.000 Syrer sind nach Ägypten sowie mehrere hunderttausend in die relative Sicherheit der Kurdengebiete im Norden des Irak geflohen. Angesichts der prekären Lage in der Region haben zudem zehntausende Syrer ihr Leben bei der gefährlichen Bootsreise über das Mittelmeer nach Europa riskiert.

Deutschland

Seit Beginn des Konfliktes im März 2011 hat Deutschland offiziellen Angaben zufolge knapp 70.000 Syrer aufgenommen, zum Teil im Zuge eines offiziellen Hilfsprogramms. Unter den Ländern Europas steht Deutschland damit mit an der Spitze.


Von

afp

Kommentare (1)

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Herr Eric Boule

29.10.2014, 07:19 Uhr

Alle verlieren weil man gemacht hat was die US-NatoExperte empfohlen haben
Wenn Amerika+EU in den letzten 12 Jahren nicht an Plaene fuer Irak+NahOst gearbeitet haetten,waeren 20 mio Fluechtlinge+3mio Tote,Verwundete,Ivaliden weniger gewesen
Deutsche Politik mit kriegsfoerdernder NatoRolle ist mitschuldig
Deutsche Politiker verstehen anscheinend nicht das die deutsche kriegsfoerdernde Rolle i/d Nato fuer diese Situation mitverantwortlich ist.
Eine schwierige Situation fuer die Natolaender USA,UK,FR,DE,NL und Israel die in Syrien gerade diese Rebellen unterstuetzt haben in der Hoffnung Assad zu stuerzen.(ein gemeinsames Ziel von Nato+Israel).Jetzt stellt sich heraus dass man,unter Fuehrung vom FriedensPreisTraeger Obama,ISIS geschafft hat die die ganze Region bedroht inkl. Israel+EU,man ist in sein eigenes Schwert gelaufen.Wieder einmal ist bewiesen das die Plaene von den US-NatoExperten zum EU-Untergang fuehren und das die Nato schnellstens in eine EU-Organisation veraendert werden muss um nur europaeischen Belangen zu dienen und Kriegshetzer wie USA auszuschliessen

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